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Vortrag : Kleinkindrettung - eine Herausforderung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kreisfeuerwehrverband Rendsburg-Eckernförde ist Vorbild bei der Rettung von U3-Kindern

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2014 | 15:32 Uhr

Wer kennt ihn nicht, den Rechtsanspruch von Eltern auf einen Kindergartenplatz für ihre Kinder, die unter drei Jahre jung sind. Dass die Träger seit dem ersten August 2013 in der Pflicht sind, Plätze für die Kleinsten zur Verfügung zu stellen, scheint reine Formsache zu sein. Dass sich Erzieherinnen und Erzieher auf die neuen Herausforderungen im Alltag einstellen, setzt jeder voraus. Dass die neue Regelung aber auch Auswirkungen auf die Feuerwehren hat, ist bisher – bis auf die Feuerwehrleute selbst vor Ort – niemandem so recht bewusst gemacht worden.

Hauptbrandmeister Heinrich Kühl hat das Problem sehr früh erkannt und war auf Einladung des Amtswehrführers im Amt Schlei-Ostsee, Jens Reinhold, nach Rieseby gekommen, um mit den Wehrführern der Freiwilligen Feuerwehren, den Bürgermeistern, Vertretern weiterer Träger und den Erzieherinnen über ihren Einsatz rund um Kindergärten mit U3-Betreuung zu sprechen.

Was Heinrich Kühl vortrug und mit Hilfe eines Power-Point-Vortrags deutlich machte, ist seinem persönlichen Einsatz geschuldet. Bisher hat es nämlich von keiner Seite Vorbereitungsmaßnahmen oder Schulungen für die Feuerwehren gegeben. Das sei aber wichtig, weil die Herausforderungen bei der Rettung von Kleinkindern besondere seien. Darauf wollen die Wehren sich und die anderen Beteiligten vorbereiten. Zusammen mit Dieter Krusche vom Kreisfeuerwehrverband stellte er Maßnahmen, Notfallpläne und Ausrüstung für die U3-Rettung vor. Kühls Frau selbst hatte „Dummies“ genäht, um an Puppen die Rettung der Kleinkinder zu üben. Aus seiner Feder stammt ein Notfallplan, der exemplarisch für die anderen Gemeinden wirken kann und auf dessen Grundlage diese angehalten sind, eigene Pläne entsprechend der örtlichen Gegebenheiten zu entwickeln. Einmal im Jahr sollte eine Übung stattfinden. Mit seinem Engagement übernimmt der Kreisfeuerwehrverband Rendsburg-Eckernförde eine führende Rolle in Sachen Aufklärung und Information sowie Schulung.

Bei Kindergärten mit U3-Kindern stehen Retter und Helfer vor ganz neuen Aufgaben: „Die Kinder sind nicht in der Lage, alleine ins Freie zu gehen und müssen getragen werden. Im Freien angelangt, müssen sie warm gehalten werden. Falls nötig, ist auch die Erste Hilfe für Kleinkinder und Säuglinge anders als zum Beispiel für Erwachsene. Speziell wärmende Babydecken, geeignete Transportmittel, freie Fluchtwege – all das sollte gegeben sein. Zudem sollten U3-Gruppen wenn möglich im Erdgeschoss ihren Raum haben, der Türen direkt ins Freie hat“, erläuterte Heinrich Kühl die wesentlichen Grundlagen.

Erste Brandschutzübungen in Kindergärten hätten gezeigt, dass es verschiedene Defizite vor Ort gebe. „Das ist auch kein Wunder. Zwei Erzieherinnen auf zehn U3-Kinder – das ist im Brandfall kaum zu bewerkstelligen“, sagte Dieter Krusche. Probleme ergeben sich auch bei Tagesmüttern. Welcher Bürgermeister kenne die Tagesmütter und die räumlichen Begebenheiten, die bei einer Bergung relevant sind?“ fragte Kühl in die Runde der rund 30 interessierten Gäste.

Von der Alarmierung bis zur Bergung. Von den baulichen Voraussetzungen bis zur Ausstattung der Räume, von der Evakuierung bis zur Beruhigung der Kinder – vom Brandschutz bis zum Ernstfall seien alle Aufgaben als Gemeinschaftsaufgaben zu sehen, die von den Gemeinden, den Trägern, dem erziehenden Personal und letztendlich den Wehren gemeinsam zu leisten seien. „Wir bieten hier ausdrücklich unsere Hilfe an“, so Kühl, der über viel praktische Erfahrung in seinen Heimatgemeinden verfügt. Diese möchte er auch mit seinen Kameraden im Amt Schlei-Ostsee teilen. Die zusammengetragenen Informationen wird Amtswehrführer Jens Reinhold weitergeben, damit diese vor Ort umgesetzt werden können. Auf jeden Fall sollte einmal im Jahr eine Übung stattfinden, um alle Beteiligten zu schulen und Defizite schrittweise abzubauen.

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