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PASSANTEN BLEIBEN STEHEN UND STAUNEN : Kleiner Kasten – große Wirkung

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der „Tauschkasten 2.0“ am Grünen Haus lädt zum Geben und Nehmen ein. Das Experiment stammt von Klaus Kaiser, der von einem Kirchenprojekt auf der Expo 2000 inspiriert wurde.

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2017 | 05:39 Uhr

Eckernförde | Eigentlich handelt es sich nur um einen kleinen einfachen Setzkasten, aber seine Wirkung ist grandios und bringt immer wieder Passanten dazu stehenzubleiben und zu staunen – seit zwei Jahren hängt an der Wand des Grünen Hauses in der St.-Nicolai-Straße ein Tauschkasten. In sechs Fächern findet man kleine Dinge des Alltags, von Steinen, Knöpfen, Haarspangen über Muscheln bis zu Legomännchen. Auch ein Buch oder eine DVD lagen schon obendrauf. Sogar 50 Cent oder 1 Euro lagen bereits in einem der Fächer. All diese Dinge stammen von Menschen, die der Aufforderung des Tauschkastens nachgekommen sind: etwas nehmen und etwas dafür geben. „Tauschkasten 2.0“ nennt Klaus Kaiser vom Grünen Haus das kleine hölzerne Regal.

„Eigentlich müsste er Teilkasten heißen“, sagt Kaiser. Denn er thematisiere auf einfache Weise die Frage nach Besitz: „Was ist eigentlich Besitz? Wo fällt es mir schwer zu geben? Was bedeutet teilen für mich?“ Kaiser betreibt ein Experiment im Kleinen. Inspiriert wurde er vom Pavillon der Kirche auf der Expo 2000 in Hannover. Dort habe ein Riesenregal gestanden, der das gleiche Prinzip von Nehmen und Geben verfolgt habe, erklärt Kaiser.

Spannend seien die Reaktionen derjenigen, die den Tauschkasten das erste Mal sehen, verrät der Leiter des Grünen Hauses. „Einige sind echt überfordert und können nicht verstehen, dass sie einfach etwas nehmen dürfen ohne zu fragen und ohne zu bezahlen.“ Diese kommen dann auch in den Laden und fragen, ob sie etwas nehmen dürften. „Eine Vorgabe gibt es nicht“, erklärt Klaus Kaiser. Einige haben gerade nichts Kleines dabei und können nichts zurücklegen, nehmen aber trotzdem etwas. Andere wiederum geben etwas ohne etwas zu nehmen. Mittlerweile hat der Tauschkasten unter den Eckernfördern bereits ein Stammpublikum. „Da gibt es Menschen, die kontrolieren täglich, ob ihre Gabe noch vorhanden ist“, verrät der Leiter des Grünen Hauses. Und dann gibt es noch diejenigen, die den Wert des Tauschkastens durch ihre Gabe steigern wollen. „Manchmal findet man beispielsweise selbstgemachte Marmelade oder Kosmetikartikel in den Fächern.“

Es ist bereits der zweite Setzkasten, der sommers wie winters an der Wand des Gebäudes hängt. Der erste wurde nach einigen Monaten abgerissen. Rund ein halbes Jahr gab es keinen Tauschkasten. „Die Leute sind in den Laden gekommen und haben nach dem Tauschkasten gefragt.“ Die Begeisterung für den Tauschkasten geht durch alle Altersstufen. „Sowohl Kinder als auch Eltern und Senioren finden diese Einrichtung toll“, so Kaiser, der sich über die gute Resonanz des Tauschkastens freut. Müll oder kaputte Dinge habe er bislang noch nicht im Tauschkasten entdeckt. „Einmal hat jemand einen toten Fisch obendrauf gelegt“, erinnert er sich. Das sei bisher der einzige Vorfall gewesen.

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