Bürgerinitiative zur Nooröffnung : Kleine, maritime Häuser und ein Hospiz

Arbeiten seit langem intensiv an einer alternativen Bebauung beim Projekt Nooröffnung: die vier Sprecher der Bürgerinitiative „Bauen in Eckernförde“ Wolfram Splittgerber, Ursula Wedler, Dr. Falk Buettner und Thomas Lilie (v. l.).
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Arbeiten seit langem intensiv an einer alternativen Bebauung beim Projekt Nooröffnung: die vier Sprecher der Bürgerinitiative „Bauen in Eckernförde“ Wolfram Splittgerber, Ursula Wedler, Dr. Falk Buettner und Thomas Lilie (v. l.).

Die Bürgerinitiative „Bauen in Eckernförde“ möchte den Bau der Packhäuser im Zuge des Projekts Nooröffnung verhindern. Die Gruppe hat zwar ein Bürgerbegehren vorbereitet, setzt aber vor allem auf den Dialog mit Verwaltung, Politik und Bürgern.

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10. Dezember 2014, 06:43 Uhr

Hinter der Bürgerinitiative „Bauen in Eckernförde“ liegen turbulente Zeiten und arbeitsreiche Wochen. Die vier Sprecher Ursula Wedler, Thomas Lilie, Dr. Falk Buettner, Wolfram Splittgerber und andere haben recherchiert, in Archiven gestöbert, mit der Stadtverwaltung und Politik gesprochen und sich sogar bei der Landesregierung informiert, um ihre Stadt vor einer – wie sie meinen – Fehlentwicklung zu bewahren. Erklärtes Ziel der Bürgerinitiative ist es, die Bebauung am Binnenhafen mit elf Meter hohen Packhäusern in der Gaehtjestraße zu verhindern. Allenfalls eine eingeschossige Bebauung mit Satteldach mit einer möglichst maritimen Nutzung kann sich die Initiative dort vorstellen. Und darüber möchten sie gerne einen intensiven Dialog mit allen Fraktionen und Parteien und natürlich den Bürgern führen.

Parallel dazu hat die Bürgerinitiative Vorbereitungen für ein Bürgerbegehren getroffen und sich diesbezüglich bei der Landesregierung Rat eingeholt. „Wir wollen das aber nicht auf Biegen und Brechen“, stellt Falk Buettner klar. Schon der Begriff „Drohkulisse“ ist ihm da viel zu hart. „Wir sind keine Kontrahenten, wir wollen etwas Positives für unsere Stadt erreichen“, sagt er. „Wir sind reine Idealisten“, ergänzt Thomas Lilie. Parteipolitische Ziele verfolge man nicht, es gehe ausschließlich um die Sache, und hier konkret um die Verhinderung der Packhäuser sowie gewisser Korrekturen einer aus ihrer Sicht nicht immer überzeugenden Planung Nooröffnung.

Die Bürgerinitiative ist also auf Dialog mit den Bürgern, der Verwaltung und der Politik programmiert. In der vergangenen Woche haben sich die Wortführer der von rund 200 Bürgern unterstützten Bürgerinitiative zu einem intensiven Austausch mit der Spitze der Stadtverwaltung getroffen. „Es war ein sehr offenes und positives Gespräch“, sagt Falk Buettner. Die Initiative sei mit ihren Vorstellungen durchaus auf Verständnis bei Bürgermeister Jörg Sibbel und Bauamtsleiter Roy Köppen gestoßen. Mit ihrer Skepsis gegenüber der geplanten Gebäudehöhe der Packhäuser von elf Metern sehen sie sich nun nicht mehr als einsame Rufer in der Wüste. Buettner und seine Kollegen haben offenbar einiges an Verständnis erfahren. Ihr Wunsch, den wasserseitigen Pflanzhügel an der Gaehtjestraße gar nicht oder allenfalls eingeschossig mit Satteldach zu bebauen, sei durchaus befürwortet worden. Und genau darüber möchte die Bürgerinitiative nun auch auf Anregung von Bürgermeister Jörg Sibbel und Bürgervorsteherin Karin Himstedt mit den Ratsfraktionen und Parteien reden. Darauf hoffen sie, davon versprechen sich Buettner, Wedler, Lilie und Splittgerber einiges. Denn ihr Weg ist klar vorgezeichnet: Meinungsbildung durch Überzeugungsarbeit statt Verhinderung einer für sie unschönen Entwicklung durch ein aufwendiges Bürgerbegehren mit anschließendem Bürgerentscheid.

Die neue Entwicklung im Bereich der Nooröffnung zwischen Reeperbahn und Schulweg spielt diesem Ansatz dabei in die Hände. Weil Markant und Aldi abgewunken haben und sich jetzt aller Voraussicht nach nur noch ein Verbrauchermarkt am Schulweg ansiedeln wird, kann die dadurch freiwerdende Fläche höherwertiger sprich durch Wohnbebauung genutzt und lukrativer vermarktet werden. Die daraus erwachsenen Mehreinnahmen verringert wiederum den Vermarktungsdruck in der Gaehtjestraße. Für die Entwicklung der Nooröffnung sind nach Überzeugung der Bürgerinitiative nun keine Maximalerlöse durch den Verkauf von Packhäusern mehr zwingend notwendig. Dadurch sei auch eine weniger verdichtete Bauweise mit deutlich geringerer Gebäudehöhe möglich.

Bürgermeister Sibbel bestätigte die gute Gesprächsatmosphäre und inhaltlichen Schnittmengen. Die Höhe der Bebauung in der Gaehtjestraße sei „nicht in Stein gemeißelt“, sagte er. Durch die veränderte Situation in Sachen Verbrauchermarkt komme es nun in der Gaehtjestraße „nicht auf Gewinnmaximierung, sondern auf städtebauliche Qualität und Verträglichkeit an“.

Einen Alternativvorschlag hat die Bürgerinitiative auch für die angedachte Indoorhalle gegenüber des künftigen Parkhauses an der Noorstraße am Standort des heutigen Aldi-Parkdecks. Da sich bisher kein Investor für eine solche Multifunktionshalle gefunden hat und die Stadt angesichts anderweitiger Großinvestitionen auch nicht selbst als Bauherr auftreten dürfte, schlägt die Bürgerinitiative den Bau eines Hospiz’ vor. Es wäre das sechste in Schleswig-Holstein, die Nachfrage sei groß. „Wir werden uns informieren“, kündigte Dr. Buettner an. „Wir haben nichts gegen eine Indoorhalle, aber warum an diesem Standort?“, sagt Ursula Wedler. Sie plädierte dafür, Standortalternativen zu entwickeln. Die Bürgerinitiative würde sich sehr freuen, wenn sich die Bürger daran, aber auch an allen anderen Fragen der Stadtentwicklung, beteiligen würden.

Die Bürgerinitiative sieht dringenden Nachbesserungsbedarf bei der Nooröffnung und hat erste ermutigende Reaktionen von der einen oder anderen Ratsfraktion erhalten. Die hartnäckige Detailarbeit scheint nach ersten Erfolgen wie der von der Bürgerinitiative geforderten Ortsgestaltungssatzung und der Einsetzung eines Gestaltungsbeirats weitere Früchte zu tragen. „Sehr glücklich“ sind die vier Wortführer der Bürgerinitiative auch darüber, dass das Gemeinnützige Wohnungsunternehmen (GWU) dazu übergegangen ist, alle Projekte vor einer Realisierung im Gestaltungsbeirat vorzustellen.

>Homepage: www.bauen-in-eckernförde.de

>Mail: bie@bauen-in-eckernförde.de

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