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Neue Impulse : Kleine Korrekturen, großer Effekt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Basis des schönen Reitgefühls: Ralf Döringshoff gibt Seminar auf Gut Projensdorf / Weitere Workshops in Planung

Altenholz | Die Begriffe „Takt“, „Losgelassenheit“ oder „Anlehnung“ hat hoffentlich jeder schon einmal gehört, der sich Gedanken ums richtige Reiten macht. Dass diese Begriffe mit Sinn gefüllt werden und dass der Weg dorthin kein Buch mit sieben Siegeln bleibt, dafür sorgte Ralf Döringshoff bei seinem Besuch auf Gut Projensdorf.

Der junge Ausbilder, selbst Pferdewirtschaftsmeister (Zucht und Haltung), Physiotherapeut/Osteopath für Pferde und Trainer B (Leistungssport Dressur und Springen), begann mit theoretischen Einblicken ins Thema. Er stellte sich den Fragen der rund 25 Gäste und demonstrierte Fakten rund um die funktionelle Anatomie des Pferdes auch mal am Modell: Das Biomechanik-Rückenband zeigt logisch, wie ein Pferd den Reiter tragen kann und wie nicht. Oder nur unter gesundheitlichen Einbußen.

Nach dem von Hausherrin Almuth Hassenstein organisierten Seminar ging es aufs Pferd. Wer wollte, konnte Döringshoff seinen Vierbeiner vorstellen, eventuelle Probleme schildern und gemeinsam einen Lösungsweg erarbeiten. Auffallend: Es gab keine zugeschnürten Pferdemäuler, die Pferdenüstern hatten Platz zum Atmen. Es gab kein Gebrüll. Es wurde viel im Schritt korrigiert. Die Pferde wurden nicht in eine scheinbare Selbsthaltung „herunter geriegelt.“ Im Gegenteil: „Stör ihn vorne nicht. Folge der Nickbewegung des Kopfes.“ Problem hier: Das Pferd ging im Schritt keinen Viertakt mehr, sonder neigte zum Passgang, sobald die Reiterin die Zügel aufnahm. „Wir müssen den Takt stabilisieren.“ Die natürlichen Grundgangarten des Pferdes hießen deshalb „natürlich“, weil das Pferd sie von Natur so mache. Diese müssten unterstützt und erhalten werden. Lösende Arbeit zu Beginn diene immer auch dazu, das Pferd seinem Fluchtinstinkt vergessen zu lassen. „Da drängt sich der Schritt doch auf.“ Der Atemrhythmus müsse stabil und gleichmäßig werden. Außerdem: Schnelle Erfolge seien keine Erfolge.

Döringshoff vergleicht das Pferd gerne mit einem Sportler, der seine Kondition und seine Körperbeherrschung bis zur Hochleistung weniger ausbilde, denn trainiere. Er zöge deshalb den Begriff „Training“ dem der „Ausbildung“ vor. Dem Sportler Pferd müsse wie dem Menschen Zeit gegeben werden, Reize zu verarbeiten – zwei Trainingsreize in der Woche reichten schon. Mehr würde schnell zu Überforderung und Schäden führen. Wie wichtig „Takt“ für die Gesundheit des Pferdes sei, zeige schon das Beispiel beim Trab, einem Zweitakt: In der Schwebephase trage jedes Bein circa 300 Kilogramm. Sei der Takt gestört, müsse ein Bein, logischerweise, ein Vielfaches abfangen.

Almuth Hassenstein wollte ihrem Projensdorfer Pferdebetrieb neue Impulse geben, recherchierte im Internet, fand Ralf Döringshoff und konnte ihn für eine dauerhafte Zusammenarbeit gewinnen. „Wir möchten die Seminare, die er schon auf Messen und für tierärztliche Netzwerke gehalten hat, gerne ausbauen. So sind Gastreiter willkommen, sie können auch ein paar Tage hier verbringen, Probeunterricht bekommen und ihr Pferd dabei gleichzeitig osteopathisch beobachten lassen.“ Wie sagt der sympathische Pferdemann noch: „Es geht mir primär um die Einstellung, nicht das Reiten.“ Und: „Der beste Therapeut fürs Pferd ist sein Reiter.“

> www.gymnastizieren-statt-dressieren.de – In Planung: „Trainiere ich noch, oder überfordere ich schon?“


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