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ehrenamtlicher dienst in der kleiderkammer : Kleine Herrenschuhe sind besonders gefragt

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Flüchtlinge sind Stammkunden der DRK-Kleiderkammer in Vogelsang-Grünzholz. Sechs Ortsvereine teilen sich den wöchentlichen Dienst.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2015 | 05:26 Uhr

Eine junge Frau verlässt mit zwei vollen Tüten das alte Amtsgebäude in Vogelsang-Grünholz. Zuvor war die Syrerin in der Kleiderkammer und hat sich und ihre Familie mit warmer Kleidung versorgt. „Jede Woche kommen bis zu 15 Flüchtlinge zu uns und suchen sich Sachen aus“, sagt Elisabeth Denker. Die Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Holzdorf hat an diesem Donnerstag gemeinsam mit Elfriede Petersen, Hanne Ahner und Ingelore Jepsen Kleiderkammerdienst.

Sechs DRK-Ortsvereine betreiben die Kleiderkammer, die ihren Ursprung in der Sozialstation Mitte der 90er Jahre hat. Außer Damp und Holzdorf engagieren sich die DRK-Damen aus Thumby, Winnemark, Brodersby-Schönhagen-Höxmark und Karby-Dörphof in der Kleiderkammer. Im Wechsel betreuen die Ortsvereine die Einrichtung. War diese ursprünglich alle 14 Tage geöffnet, ist sie seit März jeden Donnerstag von 14 bis 16 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Ursache ist der große Zustrom von Flüchtlingen, die einen großen Bedarf an Kleidungsstücken aller Art hatben. „Die Kleiderkammer wird sehr gut angenommen“, bestätigt Marie-Luise Gottschalk, Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Damp. Habe man früher nur zu zweit gearbeitet, sei man jetzt jeden Donnerstag mit vier Frauen vor Ort. „Sonst schaffen wir das nicht“, so Marie-Luise Gottschalk.

Das bestätigt auch Elisabeth Denker (67). „Die Flüchtlinge kommen alle gleichzeitig in die Kammer und stürzen sich auf die Regale, in der Hoffnung, das Richtige für sich zu finden“, sagt die Holzdorferin. Nicht selten komme es fast zu Auseinandersetzungen zwischen den Flüchtlingen, wenn es um ein Paar Schuhe oder eine bestimmte Jacke gehe. Das trifft besonders auf Herrenschuhe der Größe 43 zu. „Kleine Herrengrößen sind echte Mangelware und dabei sehr gefragt“, so Denker.

Manchmal müsse man schon energisch auftreten, sagen Ingelore Jepsen(62), Hanne Ahner (73) und Elfriede Petersen. Die 68-Jährige arbeitet seit über 15 Jahren ehrenamtlich in der Kleiderkammer und hat bereits die unterschiedlichste Kundschaft erlebt.

Man könne sich von Kopf bis Fuß komplett in der Kleiderkammer einkleiden, sagt Ingelore Jepsen. Auch Kinderkleidung, Tisch- und Bettwäsche, Rucksäcke oder Spielzeug seien vorhanden. „Die Leute erhalten eine Plastiktüte, für die sie 1 Euro bezahlen müssen, egal, wie voll diese ist“, erklärt Hanne Ahner. Da sei man schon ein wenig befremdet gewesen, als ein Herr aus Syrien, der in einfachen Sandalen gekommen sei, diesen geringe Summe für ein Paar Lederschuhe nicht habe zahlen wollen, berichtet Elisabeth Denker. Aber die DRK-Damen hätten sich auch hier durchgesetzt. Überhaupt sei das Gros der Flüchtlinge dankbar für die vielen guten Kleidungsstücke, die sie nahezu kostenfrei bekommen, sind sich alle DRK-Damen einig. Betonen aber auch, dass der Dienst in der Kleiderkammer nicht mehr so einfach sei angesichts der Flüchtlingsströme. Aber es gebe auch immer wieder schöne Erlebnisse, sagt Elfriede Petersen. So habe ein Herr seine Schuhe zurück gebracht, weil sie ihm nicht gepasst hätten. Das habe sie beeindruckt. Die Kommunikation zwischen den DRK-Damen und den Flüchtlingen Sprachbarrieren werde mit Gestik und Mimik sowie mithilfe der Hände und Füßen gemeistert, denn nur die Wenigsten sprechen Englisch.

Um Platz für die Winterware zu schaffen, trafen sich am Mittwoch elf Frauen aus allen sechs DRK-Ortsvereinen, um die Kleiderkammer aufzuräumen. „Das war eine echte Premiere“, sagt Elisabeth Denker und betont, dass die Zusammenarbeit sehr gut geklappt habe. Sechs Stunden habe man die Kleidung ausgeräumt, sortiert, in Säcke gepackt und in einen gesonderten Raum gebracht, um anschließend die Winterkleidung zu sortieren und einzuräumen. Einige Flüchtlinge seien schon Stammkunden in der Kleiderkammer – sie kämen jeden Donnerstag, so dass man sich schon kenne, sagen die DRK-Damen. In der nächsten Woche hat das DRK Waabs Dienst.

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