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Eckernförder Zeitung

21. August 2017 | 16:16 Uhr

Kleine Geschichte über Riesen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ein sehr empfehlenswerter Spaziergang: Eine Baumführung durch Eckernförde und Borby / Nächste Führung am 20. Mai um 15 Uhr

Im letzten Jahr habe ich einen Spaziergang gemacht – nein, es war beileibe nicht mein einziger, aber ein ganz besonderer, mein schönster, wenn ich so zurückdenke.

Ich hatte von der Führung „Mein Freund, der Baum“ gelesen, und Bäume üben auf mich eine magische Anziehungskraft aus. Lassen Sie uns noch einmal gemeinsam losgehen: Schon am Treffpunkt „Steindamm“ bewundern wir neben der Mühle Rau einen alten Baumriesen, eine wunderschöne schattenspendende Linde. Es hieß früher, dass die Eiche der Baum der Obrigkeit sei, die Linde aber der Baum des Volkes. „300 Jahre kommt sie, 300 Jahre steht sie und 300 Jahre geht sie“. Diese Linde ist noch mittendrin in ihren Jahrhunderten. Sie ist übrigens allgemein der häufigste Stadtbaum.

Dann geht es an Ahornbäumen vorbei zum Bürgerpark, an dessen Eingang eine mächtige Blutbuche steht. Man sieht ihr das Alter an, der große Stammschaden hat sich bereits zu einem eigenen Biotop entwickelt. Links werfen wir noch einen Blick auf eine riesige Schwarzkiefer und eine immergrüne Eibe, Urbaum und Symbol der Ewigkeit. Wussten Sie, dass die Eibe unser einziger heimischer Nadelbaum ist?

Wir wechseln zur Wasserseite, gehen mitten durch den Borbyer Park mit seinen ausladenden Kandelaber-Bäumen, so genannt wegen ihres Wuchses, gehen direkt zu Grau-Erlen, Trauben-Eichen, Stiel-Eichen, dem Vorbild unserer „Deutschen Eiche“, zerreiben Blätter des Amber-Baums mit süßlichem Aroma. Ich lerne, dass er zu den Zaubernuss-Gewächsen gehört. Hier spüre ich, dass unsere Umwelt und wir unsere Bäume dringend brauchen und diese Riesen uns an ihrer gereinigten Luft teilhaben lassen.

Wir überqueren den Vogelsang, biegen in die Karlstraße ein, an deren rechter Seite eine typische Hainbuche steht, verdreht, verwachsen, skurril. Übrigens, die Hainbuche gehört zu den Birkengewächsen.

Wir gehen links in die Bergstraße, an Siemsen’s Kastanien vorbei und der Ausdruck „Baumtor“ fällt. Sogar noch, wenn Pfeiler oder Pfosten ein Tor säumen, spricht man von einem Baumtor. Dann stehen wir vor den Kopflinden vor dem Lindenhof – immer pflanzte man Lindenalleen und Linden wie diese zum Schutz für Haus und Hof.

Bergauf stehen wir dann ehrfurchtsvoll vor der monumentalen „Kaisereiche“, die von der Wurzel bis zur Krone Lebensraum für Tausende Lebewesen bietet. An ihrem Stamm entzündet sich die Fantasie – wir sehen einen Lavafluss, oder doch einen Elefantenfuß? „Was kümmert es die stolze Eiche, wenn sich das Borstenvieh dran wetzt“, hieß es früher im Volk über den Baum der Obrigkeit. Diese Eiche wurde 1871 gepflanzt. Ihr Stamm hat mittlerweile einen Umfang von 4,20 Meter.

Ein Stück weiter, und wir stehen oben auf dem Petersberg. Hier befindet sich der Gedenkstein für die Toten des Kapp-Putsches, aber auch Scheinbuche, Rotbuche und exotische Zeder sind hier vereint.

Unser Weg führt uns jetzt zum Parkfriedhof am Mühlenberg. Hier ist Lebensraum für Tiere in Hülle und Fülle. Eine Blutbuche neigt sich zum Licht, zu ihren Füßen verbreiten sich Sämlinge von mindestens neun anderen Baumarten, von Eichhörnchen gesät. Wir kommen zur Birkenallee vor der Kapelle. Hier stehen Papierbirken, deren Rinde sich schält. Ich bin hin und weg, ich halte ein Stück in der Hand. Diese Rinde ist wasserundurchlässig, auf ihr wurde früher geschrieben, aus ihr Gefäße geformt, Kanus gebaut, Saft geerntet, heute bieten russische Märkte Birkensaft im Tetrapak an. Wenn man zur rechten Zeit sein Ohr an die Birke hält, hört man den Saft strömen, erzählt unsere Baumführerin. Auf unserem Weg zur alten Kreisbahnstrecke begegnet uns noch ein wunderbarer Bergahorn mit borkiger Rinde. Es folgt ein kleiner Eichhörnchen-Stopp bei unserem Wappentier, am Pferdemarkt noch ein Blick auf einen Gingko-Baum, ein lebendes Fossil der Botanik – und wir sind leider am Ende unserer wunderbaren Führung angelangt.

Aber ich habe die Chance, sie zu wiederholen. Die Stadtführerin Frau Wischmann bietet ihre „Baumführung“ erneut an. Meine Freunde haben schon den nächsten Termin notiert. Wie wär’s, wenn wir uns alle treffen, Sie und Sie, und Sie auch, am Mittwoch, 20. Mai um 15 Uhr am Steindamm?


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von
erstellt am 29.Apr.2015 | 06:16 Uhr

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