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Klaus Lage und sein Publikum – eine ergreifende Langzeitaffäre

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Klaus Lage war wieder in Eckernförde - und unterhielt seine Gäste vortrefflich.

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2015 | 06:26 Uhr

Klaus Lage, einer der bekanntesten deutschen Musiker, hat am Dienstagabend wieder eine Menge Leute in das Carls nach Carlshöhe gelockt – der Saal war bis auf wenige Plätze ausverkauft. Und wie im Jahr zuvor wurden die Fans wieder vortrefflich unterhalten. Gut unterhalten von den Ansagen zwischen den Stücken, von Songs, die mitreißen und von Stücken, deren Texte ein offenes Ohr verdienen. Sie scheinen den Menschen aus der Seele zu sprechen. Wie sonst ist es zu erklären, dass manch ein Stück Wort für Wort und absolut textsicher vom Publikum gesungen wurde – Lage hätte sich auf die Gitarrenbegleitung beschränken können – wenn es nicht so schön wäre, ihn auch selber bei „Mit meinen Augen“ die Liebe beschwören zu lassen. Ein Mann, drei Gitarren, eine Ukulele – immer eine (An-)Reise wert.

In gewohnt lakonisch-hintergründigem Charme berichtet Lage über Stationen aus seinem Leben, von der Familienplanung seiner Eltern, die gerne ein drittes Mädchen gehabt hätten und trotz unheimlicher, nächtlicher Heidekraut-Fliegenpilz-Voodoo-Rituale und mantrahafter Reigengesänge um den Bollerofen – doch nur ihn bekamen. Er berichtet über die Anfangszeiten als Musiker in Berlin, über die Art der Texte damals: „...ein bisschen links, ein bisschen rechts, ein bisschen kommerziell.“ Er spielt einen Arlo Guthrie-Song aus frühen Tagen, dann seine erste Single von 1978: „Alle ham´s geschafft außer mir.“ Und er zischt ironisch aus dem Mundwinkel: „Ein Boooooombenerfolg.“

Seine Texte sind pfiffig, immer wieder wird gegrinst, gelacht, gekichert – und später auch heimlich geweint. Diese vertraute, typische Klaus-Lage-Stimme, der Groove obendrauf, die Texte, die das Leben schrieb – das spiegelt wider, was jeder so oder anders schon einmal erlebt hat. Seine Liebeslieder sind herzzerreißend: „Après-Ski in St. Moritz gibt es immer ohne mich/ darauf kann ich gut verzichten, nur auf eins nicht: nicht auf Dich!“

Das Medizinerehepaar Brigitte und Ulrich Meyer aus der Nähe von Schwerin hat extra den Kurzurlaub um ein paar Tage verschoben, als es sah, dass Lage kommt. „Das Konzert ist toll. Uns begeistern die Texte. Er ist so echt. So ungekünzelt.“

Ein Song berührte auch in 2015 wieder besonders: „Gutes Ende“, das Lied über Abschied vom Leben und die Hoffnung, die Lieben irgendwo und irgendwann wieder zu sehen. „Ich sehn’ mich so nach meinem Vater/wir sind uns sehr bald wieder nah/ich muss nur noch dort drüben rüber, nur noch ein Schritt, dann bin ich da.“

Wer hier noch nicht schlucken musste, der tat es bei der letzten Zugabe, so wie Ulrich Meyer, der mit seiner Frau in Eckernförde den 44. Hochzeitstag beging: „Will uns die Werbung auch verleiten/ewig jung zu bleiben, doch jede Haut wird dünn/selbst jungen Göttern auf den Titelseiten/zeigen Haare im Abfluss, dass sie sterblich sind/ Dann halt aus, dann halt es aus/wenn jeder jede Schwäche kennt/Halt mich aus, dann halt mich aus/wenn Liebe wärmt, nicht mehr verbrennt.“

Standing Ovations sagten: „Danke, Klaus Lage!“



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