Klassische Musik von Bach und Dvorák

Das Kammerorchester des Nationaltheaters Prag.
Das Kammerorchester des Nationaltheaters Prag.

Kammerorchester Prag: Ein Querschnitt durch die Musik-Geschichte

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11. März 2014, 12:57 Uhr

Nachdem vor etwa zwei Wochen die Norddeutsche Philharmonie Rostock in Eckernförde zu Gast war, trat nun erneut ein Ensemble in der Stadthalle auf, eingeladen von der Konzertreihe Eckernförde: das Kammerorchester des Nationaltheaters Prag.

Die Tschechen boten eine bunte Mischung aus Barock und romantischer Musik, die die Zuhörer hoch erfreute. Das Ensemble spielt ohne Dirigent: Der Konzertmeister Bohuslav Matoušek leitet das Ensemble von der ersten Violine aus . Das Kammerorchester hatte einige bedeutende Solisten mitgebracht: Jaroslav Pelikán (Flöte), Dana Wichtelová (Oboe) und Dan Hucek (Fagott).

Der Abend wurde eröffnet mit einem weithin unbekannten Komponisten: Frantisek Ignáz Tuma (1704–1774). Von ihm spielten die Musiker, unter ihnen sechs Damen, in der vollbesetzten Halle das getragene und ausdrucksstarke Andante und die geläufige Fuge mit wunderbaren Bass-pizzicati.
Bei dem Fagott-Konzert in c–moll, RV 484, von Antonio Vivaldi (1678–1741) tat sich der junge Solist D. Hucek ausgezeichnet hervor. Er spielte einen sehr schönen, weichen Fagott-Ton, von den Streichern und vom Cembalo sicher getragen. Nach der lebendigen Melodieführung im ersten Satz trat das Andante melodiös hervor, mit variabler Tonführung. Das geschwinde Allegro brachte absolut sichere Passagen, teils gestoßen, teils gebunden – es war ein Genuss, dem jungen Fagottisten zuzuhören.

Der älteste Bach-Sohn ist Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788), dessen 300. Geburtstag allenthalben gefeiert wird. Seine dreisätzige „Sinfonia e-moll“ brachte ein sauberes Zusammenspiel, rhythmisch exakt und von hoher Musikalität getragen. Leichte Steigerungen im zweiten Satz führten zum bewegten und lebendigen Allegro, das mit seinem stark punktierten Rhythmus viele Schwierigkeiten aufwies, die aber von den versierten Musikern problemlos gemeistert wurden.

Das bekannte und beliebte Doppelkonzert in d-moll, BWV 1060, von Johann Sebastian Bach (1685–1750) wurde von Bohuslav Matoušek (Violine) und Dana Wichtelová (Oboe) überzeugend dargeboten. Der Violinton war kräftig, aber wenig differenziert, die Oboe brachte einen sehr schönen Klang. Das Andante moderato wurde von den Streichern nur mit pizzicati begleitet, und das sehr lebendige Final-Allegro gab beiden Künstlern noch einmal Gelegenheit, ihre große Kunst frei zu entfalten.

Von Antonio Carlos Gómez (1836–1896) wurde eine viersätzige „Sonata para cordas“, eine Streicher-Sonate zelebriert. Der erste, zweite und vierte Satz strotzten nur so von heiterer Lebensfreude; das Largo geriet feierlich und nachdenklich. Von ihrem Landsmann Antonin Dvorák (1841–1904) spielten die Prager Musiker zwei Walzer, einen in D-Dur, einen in A-Dur. Der erste brachte viel Gefühl und Emotion, der zweite lebte von innerem Schwung. Die „Fantasie“ op. 79 von Gabriel Fauré (1845–1924) erklang mit der Solo–Flöte von Jaroslav Pelikán – er blies sehr schön gestaltete Passagen im ersten Satz, während im zweiten Teil die Virtuosität im Vordergrund stand – ausgezeichnet!

Schlusswerk waren fünf Sätze aus der Carmen-Suite von Georges Bizet (1838–1875) – sie zeigten die Vielseitigkeit des Prager Kammer-Orchesters. Besonders gut kam die bekannte „Habanera“ an. Im „Intermezzo“ und im „Tanz“ erfreuten Flöte und Oboe mit ihren girlanden-artigen Passagen.

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