zur Navigation springen

„Klarheit herzustellen liegt in unser aller Interesse“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Dr. Reinhard Jentzsch, Ratsmitglied des Bürger-Forums und 3. Stadtrat, räumt Befangenheit ein, sieht aber keine Verfehlung in seinem Engagement für den Landratspark

von
erstellt am 28.Feb.2014 | 09:25 Uhr

Der Ratsherr des Bürger-Forums und 3. Stadtrat, Dr. Reinhard Jentzsch, nimmt im EZ-Interview Stellung zu den Vorfällen und Vorwürfen rund um seinen inzwischen wieder rückgängig gemachten Kauf des Borbyer Bürgerparks von Investor Udo Wagner für 3000 Euro (wir berichten). Der Kauf des Parks und die Begleitumstände haben zu heftigen öffentlichen Turbulenzen geführt, insbesondere die CDU fordert den Rücktritt Jentzschs als 3. Stadtrat.

Herr Jentzsch, seit der Aktuellen Stunde, in der Sie als Mitglied der Ratsversammlung wegen des Kaufs des Bürgerparks in der Kritik standen, sind knapp zweieinhalb Monate vergangen. Wie haben Sie das Ganze überstanden?

Dr. Reinhard Jentzsch: Ich bin nicht sicher, ob ich es schon überstanden habe. Fakt ist, dass ich durch die Menge an haltlosen Verdächtigungen viele schlaflose Nächte hatte. Der Volksmund sagt, sowas ginge an die Nieren. Der Volksmund hat Recht.

Fühlen Sie sich immer noch ungerecht behandelt? Wenn ja, sind Sie in der Lage und wollen Sie es überhaupt, sich davon frei zu machen und politisch neu durchzustarten?

Ja und nein. Ich fühle mich nicht ungerecht behandelt, wenn es um das Thema „Befangenheit“ geht. Diese Kritik war berechtigt. In der vertraulichen, Ihnen durch Indiskretion eines Ratsmitgliedes weitergeleiteten E-Mail, in der ich das Verändern von Bebauungsplänen durch die Verwaltung monierte, ohne dass diese die Ratsmitglieder benachrichtigte, wäre es richtig gewesen, Befangenheit zu erklären und den Kauf des Parks bekannt zu geben. Es nicht getan zu haben bedaure ich.

Ja, ich fühle mich ungerecht behandelt, wenn es um die Sache Landratspark selbst geht. Meine Absicht war es, diese recht ungepflegte Grünfläche zu einem Schmuckstück für Eckernförde zu machen. Und glauben Sie mir: Zu einem Spekulationsobjekt taugt ein einfaches Naturdenkmal ganz sicher nicht! Zum Hergang möchte ich sagen: Schon Ende September hatte ich ein erstes Treffen mit dem Bürgermeister, in dem ich ihn von meiner Absicht, den Park zu erwerben und meiner Idee der Gestaltung unterrichtete. Als die Pläne konkreter wurden, suchte ich ihn ein zweites Mal auf und habe ihm dabei auch ein schriftliches Konzept zur Nutzung und Gestaltung des Parks mit Bürgerbeteiligung vorgelegt. All das sollte für die Stadt ohne finanziellen und personellen Aufwand geschehen. Dieses vorläufige Konzept und die Kaufabsicht habe ich am 14.11.13 dem Hauptausschuss vorgestellt. Mehr Transparenz geht meines Erachtens nicht.

Die Behauptung, ich hätte meinen Ratskollegen an diesem Tag versichert, den Bürgerpark noch nicht erworben zu haben, obwohl ich ihn schon Tage vorher gekauft hatte, ist schlichtweg unwahr. Der Kauf erfolgte am 22.11.13. Hierzu gibt es einen notariellen Kaufvertrag, den Herr Sibbel ja auch in der genannten E-Mail erwähnt hat.

Was den Durchstart angeht: Politik ist für mich alltägliches Denken und Handeln in einer demokratischen Gesellschaft. Ich werde ein politischer Mensch bleiben, weil ich an Demokratie und an unsere Gestaltungskraft im Sinne der Demokratie glaube.

In der Ratsversammlung am 10. Februar hat Ihr Fraktionskollege Torsten Peuster das Fass noch einmal aufgemacht. Bis dahin standen die Zeichen eigentlich auf allmähliche Wiederannäherung und Vertrauensbildung zwischen Ihnen und dem Bürger-Forum auf der einen und den übrigen 22 Mitgliedern der Ratsversammlung auf der anderen Seite. Das Gegenteil ist passiert. Die alten Vorwürfe prasselten nach dem Vortrag Ihres Fraktionskollegen wieder auf Sie, der gar nicht anwesend war, ein. Was sollte dieser erneute Versuch einer Rechtfertigung, der von vornherein zum Scheitern verurteilt war?

Ich erlaube mir Sie da zu korrigieren: Es war kein Versuch der Rechtfertigung, sondern die chronologische Aufarbeitung der Geschehnisse und Verträge rund um den Landratspark seit 1985. Zitat aus der Rede von Herrn Peuster: „Ich werde jetzt auch keinen zweiten Versuch der Entschuldigung starten ...“ (Rede auf www.buerger-forum.com). Sie selbst schrieben in Ihrer Kolumne vom 15. Februar, dass das durchaus Erkenntnisgewinn brachte. Allein dieser Umstand rechtfertigt aus meiner Sicht, das Thema Landratspark noch einmal angefasst zu haben. Klarheit herzustellen liegt in unser aller Interesse, nicht wahr?

Ist es nicht an der Zeit, reinen Tisch zu machen und einen Schlussstrich zu ziehen? Warum treten Sie nicht freiwillig als 3. Stadtrat zurück?

Den reinen Tisch mache ich gerade. Erstmals komme ich als Hauptakteur zum Thema „Landratspark“ nach der Aktuellen Stunde in der Presse selbst zu Wort und dafür danke ich. Ihre und meine Mitbürger haben darauf einen Anspruch und können sich nun ein eigenes Bild machen.

Aber wenn Sie diese Position nicht freiwillig aufgeben, wird die Ratsversammlung Sie aller Voraussicht nach abberufen. Das hat es in dieser Form noch nie gegeben. Muss es wirklich so weit kommen, wollen Sie sich das antun?
Die Besetzung des dritten Stadtrats ist Sache der Ratsversammlung, und ich möchte diesem Gremium nicht vorgreifen.

Es gab ja reichlich Turbulenzen, auch Rücktritte und Austritte. Die Toleranz und Kraft Ihres Fraktionsvorsitzenden Matthias Huber wird derzeit arg strapaziert. Besteht nicht die Gefahr, dass er zwischen der nicht eben leicht zu führenden Basis des Bürger-Forums und der politischen Arbeit in der Ratsversammlung zerrieben wird?

Es ist wahr, dass das Bürger-Forum Zeit brauchte, sich zusammenzuraufen. Wir sind eine lebendige Wählergemeinschaft, die das politische Leben nicht an sich abtropfen lässt. Vielleicht sogar unsere größte Stärke. Matthias Huber führt die Fraktion und genießt breite Unterstützung. Wir arbeiten ihm nach besten Kräften zu. Gut für das Bürger-Forum, gut für Eckernförde.

Wo steht das Bürger-Forum im Moment? Und wie soll es weitergehen?

Wir arbeiten intensiv, ausdauernd und transparent an Konzepten zugunsten unserer Stadt. Regelmäßige Treffen alter und neuer Mitglieder sowie Info-Abende (jeden ersten Donnerstag im Monat) helfen spürbar, tragfähige Lösungen für unsere schöne Stadt zu finden.

Ein Blick in die Zukunft: An welchen Themen werden Sie sich schwerpunktmäßig abarbeiten? Wo wollen Sie inhaltlich Zeichen setzen?
Wie Sie wissen, liegt uns die Bautätigkeit in Eckernförde besonders am Herzen. Wir befürchten, dass durch unpassende Bauten das kleinteilige Gesamtbild von Eckernförde nachhaltig zerstört wird, mit der Konsequenz, dass auch der Tourismus darunter leiden könnte. Dieser ist eine wichtige Einnahmequelle für die Stadt, sichert und schafft Arbeitsplätze und bietet damit auch für junge Familien eine Zukunftsperspektive.

Demzufolge wird ein Schwerpunkt unserer Arbeit z.B. darin liegen, Ideen für eine passende Bebauung der sogenannten Nooröffnung zu erarbeiten, den Kino-Neubau am Standort Bahnhof voranzutreiben, eine deutliche Verbesserung der Parkplatzsituation zu schaffen, eine Novellierung der Gestaltungssatzung zu erarbeiten und vieles andere mehr. Das Radverkehrskonzept wird im Moment stark vorangetrieben und mit Ideen anderer, meist kleinerer Fraktionen, vernetzt. Dort und auch in der Informationspolitik möchten wir inhaltlich besondere Zeichen setzen ohne dabei Finanzen, Kultur, Soziales, Umwelt usw. aus den Augen zu verlieren. Ich betone, aus den Augen der Bürger.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Macht Ihnen Politik in Eckernförde noch Spaß?
Ich gebe zu, dass die boshaften Unterstellungen um den Landratspark viel Kraft gekostet haben. Umso mehr freue ich mich, wachsenden Zuspruch aus der Bevölkerung zu erhalten. Erst gestern wurde ich beim Einkaufen angesprochen und wohlwollend gebeten, mich nicht kleinkriegen zu lassen. Das tat gut. Dazu die Unterstützung einiger Bürger durch Leserbriefe: Der Spaßfaktor wächst also wieder.




zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen