Klares Profil, großes Potenzial

Ulrike Almut Sandig (Mitte, hier 2015 mit - von links - Kerstin Preiwuß, Nico Bleutge, Jan Wagner, Beate Kennedy und Doris Runge) ist die Wilhelm-Lehmann-Preisträgerin 2018. Der Lyrik-Preis ist mit 10000 Euro dotiert und wird am 5. Mai verliehen.
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Ulrike Almut Sandig (Mitte, hier 2015 mit - von links - Kerstin Preiwuß, Nico Bleutge, Jan Wagner, Beate Kennedy und Doris Runge) ist die Wilhelm-Lehmann-Preisträgerin 2018. Der Lyrik-Preis ist mit 10000 Euro dotiert und wird am 5. Mai verliehen.

Jury des Wilhelm-Lehmann-Literaturpreises beeindruckt vom Werk der Preisträgerin Ulrike Almut Sandig

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01. März 2018, 06:05 Uhr

Eckernförde | Der mit 10 000 Euro dotierte Wilhelm-Lehmann-Literaturpreis der Stadt Eckernförde geht in diesem Jahr an die 1979 in einem Pfarrhaushalt in Nauwalde (Sachsen) aufgewachsene und in Berlin lebende Lyrikerin und Vortragskünstlerin Ulrike Almut Sandig. Die Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft verleiht ihn seit 2009 zum fünften Mal für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Lyrik, der Erzählung und des Essays.

Die Jury überzeugten sowohl Inhalt wie Musikalität ihrer Texte, „die in der Modulation ihrer Stimme zu akustischen Wortkunstwerken und Klangerlebnissen werden, bei denen Wortbedeutung und Schriftsinn ins Fließen geraten, ohne sich in Beliebigkeit aufzulösen“. Gelobt wird die thematische Breite und Vielfalt eines Werks, das ein kritisches Potential entfalte und den Mut zur politischen Zeitgenossenschaft zeige. Der jüngste Gedichtband „ich bin ein Feld voller Raps verstecke die Rehe und leuchte wie dreizehn Ölgemälde übereinandergelegt“ (2016) beeindrucke „durch die raffinierte Verschränkung der Themen Natur, Kunst und Politik“, urteilt die Jury. „Mit Ulrike Almut Sandig wird eine eigenständige und eigenwillige, moderne Stimme ausgezeichnet, die im Konzert der Gegenwartsdichtung eine herausragende Position einnimmt.“

Die Jury, bestehend aus der Schriftstellerin Therese Chromik, den Literaturkritikern Michael Braun (Heidelberg) und Christoph Schröder (Frankfurt a. M.), der Literaturwissenschaftlerin Beate Laudenberg (Karlsruhe) und den Vorstandsmitgliedern der Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft Karl-Heinz Groth, Wolfgang Menzel und Beate Kennedy (Vorsitzende) tagte vor kurzem in Eckernförde. Die Preisverleihung findet am 5. Mai im Rahmen der Wilhelm-Lehmann-Tage im Ratssaal in Eckernförde statt. Preisträger der vergangenen Jahre waren Stephan Wackwitz (2016), Ann Cotten (2014), Nico Bleutge (2011) und Jan Wagner (2009).

Ulrike Almut Sandig verfasst Lyrik, Prosa und Hörspiele. Nachdem sie in Leipzig eine Literaturzeitschrift herausgegeben hatte, erschien 2010 unter dem Titel „Flamingos“ ihr erster Erzählband im Frankfurter Schöffling-Verlag. Ihr Gedichtband „ich bin ein Feld voller Raps verstecke die Rehe und leuchte wie dreizehn Ölgemälde übereinandergelegt“ wird durch das Album „hörbare gedichte“ begleitet, das sie mit ihrem Mann Sebastian Reuter produziert hat. Für ihre Liveauftritte arbeitet Ulrike Almut Sandig eng mit verschiedenen Komponisten und Musikern zusammen.

Die Literaturkritiker der Republik loben die Gedichte Sandigs in den höchsten Tönen. „Ulrike Almut Sandigs Gedichte sind kunstvolle Ohrwürmer: Angelehnt an die Grimm'schen Märchen, wurzeln sie fest in einer Gegenwart, die sie mit dem Echolot ihrer Verse erfasst. Wie die Fledermaus in einem ihrer Gedichte, die aus dem Laborfenster flog, nachdem man ihr beide Augen ausstach. Auch für Ulrike Almut Sandigs neuen Gedichtband gilt: Diese Gedichte überzeugen durch Sprachwitz, Selbstironie und Humor, philosophische Phantasie und ein emphatisches dichterisches Selbstverständnis“, schreibt beispielsweise Wulf Segebrecht in der Frankfurter Allgemeine Zeitung.

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