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Loll-Breier-Duo vertont „Nanuk“ : Klangerlebnis beim Stummfilmklassiker

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Werner Loll und Gerhard Breier haben im Carls den Stummfilmklassiker aus dem Jahr 1922, „Nanuk“, mit Eigenkomposition begleitet. Für die wenigen Besucher war diese Erfahrung sehr eindrucksvoll.

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erstellt am 25.Jan.2016 | 06:32 Uhr

Eckernförde | Die ersten Stummfilme Ende des 19. Jahrhunderts waren bei weitem nicht stumm. Die Aufführungen wurden musikalisch untermalt, in den meisten Fällen von einem Stummfilm-Pianisten, bestenfalls von mehreren Solisten. Auf diese Art Begleitmusik hat sich das Loll-Breier-Duo spezialisiert und erfreut mit ihrem Können in ganz Norddeutschland die Freunde des Stummfilms. Am Freitagabend hatte man im Carls auf Carlshöhe die Möglichkeit, einen der beeindruckendsten Stummfilme mit solcher Begleitmusik unter dem Motto „Stummfilm live“ zu erleben.

„In den achtziger Jahren spielte ich im Jazzkeller der Pumpe in Kiel, dem sogenannten Roten Salon und wurde angesprochen, ob ich im Hamburger Kino Metropolis Stummfilme auf dem Piano begleiten würde. Seitdem befasse ich mich mit dieser musikalischen Stilrichtung“, sagte der Goosefelder Dr. Werner Loll der Eckernförder Zeitung. Stummfilmen eine akustische Kulisse zu geben, ist eine besondere Art von Musik-Kunst. In einem überzeugenden Zusammenspiel von Werner Loll und dem Multi-Instrumentalisten Gerhard Breier aus Eckernförde bewies das Duo, dass es diese Kunst in Perfektion beherrscht. Und welcher Film passte besser in die Green Screen-Stadt als einer der ersten bedeutendsten Dokumentar-Naturfilme aller Zeiten? Der 1922 von Robert J. Flaherty produzierte Film „Nanuk, der Eskimo“ dokumentiert eindrucksvoll den Alltag und den Kampf um Nahrung und Überleben einer Eskimo-Kleinfamilie in der kanadischen Arktis. Erstmals wurde damit ein Dokumentarfilm in Spielfilmlänge gedreht. Die Filmsequenzen zeigen den Inuit Nanuk bei der Walrossjagd, dem Fellhandel und Fischfang, während seine beiden Frauen Nyla und Cunayou für die Speisenzubereitung und den Iglo-Bau zuständig sind. Das Baby verschwindet dabei in der Fellkleidung der Mutter, das zweite Kind wird in die Tagesarbeit mit einbezogen. Das Rudel der Schlittenhunde - mit harter Hand erzogen -, leistet seinen Dienst in der eisigen Kälte. Dem Film gelang dabei eine schwierige Gratwanderung bei der Darstellung des Lebens der Inuit in der Arktis, ohne zu verklären. Die Schönheit des Eises noch vor 100 Jahren ließ jeden Naturfreund erstaunen und automatisch über den Klimawandel sinnieren.

Die den Stummfilm begleitenden Pianoklänge und akustischen Untermalungen von Loll und Breier wurden dabei als selbstverständlicher Bestandteil des Films wahrgenommen. Das war auch nicht verwunderlich, denn Loll hatte bei den eigens für diesen Stummfilm geschaffenen Eigenkompositionen nordische Volkslieder und liedhafte Kompositionen des ungarischen Pianisten und Musikwissenschaftlers Béla Bartók zugrunde gelegt. Sowohl das Multi-Talent Breier wie auch der brillante Pianist Loll setzten die Spannung des im Film gezeigten Schneesturms derart authentisch um, dass der Zuschauer und –hörer regelrecht mitzitterte und fror. Eine Stimme oder ein Ton im Film wurde zu keinem Zeitpunkt vermisst – ein größeres Kompliment kann den beiden Protagonisten des Abends kaum zuteil werden.

Als schließlich der letzte Klavier- und Klarinettenton verklang, blieben alle erst einmal wie verzaubert auf ihren Stühlen sitzen. Sehr schade, dass die Anzahl der Zuschauer so überschaubar war. Lag es am angekündigten Eisregen? Am Film und den beiden Musikkünstlern kann es jedenfalls nicht gelegen haben. „Das war ein Ereignis“ bestätigte die Eckernförderin Burghilt von Studnitz, die mit ihrer Bekannten Ingeborg Zahradka ins Carls gekommen war, „solch einen Film sieht man sich ja zu Hause nicht an“. Unter diesem Aspekt wäre es zu wünschen, wenn das Projekt „Stummfilm live“ mit dem Loll-Breier-Duo im Carls eine Fortsetzung erfahren würde.





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