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Ab 16 Uhr in der Innenstadt : Klage über „gähnende Leere“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Buchhändler Gerd Kieckbusch sieht Gefahr für die Innenstadt durch Abwanderung und fordert ein Konzept zur Attraktivitätssteigerung. Es geht um einheitliche Öffnungszeiten und Parkplätze.

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erstellt am 20.Dez.2016 | 06:13 Uhr

Eckernförde | Der letzte Adventssonnabend ist normalerweise der umsatzstärkste vor Weihnachten. Viele nutzen die Chance, kurz vor dem Fest Geschenke für die Familie und Freunde zu kaufen, oftmals verbunden mit einem Bummel über den Weihnachtsmarkt oder an Strand und Hafen. Viele Einheimische und Besucher machen das auch so, doch nach der Beobachtung von Gerd Kieckbusch von der Buchhandlung am Gänsemarkt werden es immer weniger. „Der vierte lange Samstag kurz nach 16 Uhr, und die Händler sitzen am wichtigsten Einkaufssamstag des Jahres in ihren Läden und die Innenstadt ist von gähnender Leere gefüllt“, schreibt Kieckbusch in einer E-Mail an unsere Zeitung und den Wirtschaftskreis Eckernförde (WKE), die wie ein Stoßseufzer über das maue Weihnachtsgeschäft und ausbleibende Kunden klingt.

Für den Buchhändler ist das das Resultat einer Entwicklung. „An den vergangenen drei Adventssamstagen hatten manche Geschäfte bis 14 Uhr, einige bis 16 Uhr und ganz wenige bis 18 Uhr geöffnet. Die Kundschaft traut sich nicht mehr, in unserer Stadt einzukaufen, weil es keine einheitlichen Öffnungszeiten gibt“, hat Kieckbusch einen der Gründe für das rückläufige Weihnachtsgeschäft ausgemacht. „Wir haben die Kaufkraft ans Netz und die größeren Städte in erreichbarer Nähe verloren.“ Dieses Manko, gepaart mit dunklen, unbeleuchteten Schaufenstern der Geschäfte, die früher schließen oder an den verkaufsoffenen Sonntagen überhaupt nicht öffnen, dazu Sonntags-Parkgebühren und aktive Parkraumüberwachung an den Adventswochenenden sorgen seiner Überzeugung nach für Verdruss und Abwanderung.

Dabei habe Eckernfördes Innenstadt so viel zu bieten. Seiner Meinung nach werde zu wenig getan, um diese Vorzüge herauszuarbeiten und Eckernförde attraktiver für Kunden und Besucher zu machen. „Man hätte zumindest zum Weihnachtsgeschäft an den Adventsfreitagen, -samstagen und gegebenenfalls auch den –sonntagen für gleiche Öffnungszeiten und freies Parken auf allen zur Verfügung gestellten Plätzen sorgen können“, meint der Buchhändler. Des weiteren schlägt er vor, ein Beleuchtungskonzept für die Häuser in den Einkaufsstraßen zu entwickeln, „dunkle, tote Fassaden laden nicht zum Einkaufen ein. Zudem wäre eine Neugestaltung des Weihnachtsmarktes absolut überfällig“, sagt Kieckbusch, der sich den Rathausmarkt als Standort vorstellen kann und die übrige Innenstadt einbeziehen würde. „Sich nur auf die Touristen im Sommer zu verlassen, kann nicht die Lösung sein.“ Der Verlust an Attraktivität und Kaufkraft unter anderem wegen der fehlenden Geschlossenheit der Einzelhändler „ist so unendlich schade und unverdient für unsere Innenstadt. Und niemand hat den Schneid und Tatkraft und Ideen, auch nur einen Schritt zu wagen.“

Gerd Kieckbusch würde seine Kritik und Ideen gerne direkt beim Wirtschaftskreis vorbringen, ist dort aber 2008 ausgetreten, weil er die Interessen der Innenstadt durch den WKE nicht hinreichend vertreten sieht. „Das sind alles unsere Themen, die wir das ganze Jahr über bearbeiten“, ließ der Vorstand des Wirtschaftskreises auf Anfrage wissen. Es reiche nicht, Dinge zu beklagen, man müsse auch bereit sein, im Dialog mit dem Wirtschaftskreis und anderen an Veränderungen mitzuwirken. Freies Parken an Adventssonntag beispielsweise habe es vor Jahren schon gegeben – „das hat nichts gebracht, die Dauerparker standen bei Sky und nicht mehr am Grünen Weg, und die Stadt verlor viel Geld.“

„Wo sollen wir anfangen, aufzuschreiben, und wo aufhören?“, fragt der Leiter des Ordnungsamtes, Klaus Kaschke, angesichts der Forderung nach parkgebührenfreien Adventswochenenden. Die Stadt habe die Aufgabe der Parkraumüberwachung und müsse diese auch wahrnehmen. Dass auch Sonntags Gebühren bezahlt werden müssen, sei eine Entscheidung der Politik. Kaschke regte an, dass die Geschäfte als Anreiz in der Adventszeit Kostenerstattungen für Parkgebühren übernehmen könnten.

Ganz allein dürfte Gerd Kieckbusch mit seinen offenen Worten nicht stehen. Auch Dirk Schreiber von Carstensen Spiel + Freizeit bestätigt die rückläufige Entwicklung bei Umsatz und Frequenz. Er hat keine Patentlösung und macht eher die Summe mehrerer Faktoren für den Rückgang verantwortlich. Handlungsbedarf sei unbestritten vorhanden. Die „Sogwirkung größerer Städte wie Kiel mit einem größeren Warenangebot auf engem Raum“ gehöre dazu, sagt Schreiber.



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