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Klärwerkausbau : Klärwerkerweiterung bei laufendem Betrieb

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Klärwerk in Gettorf wird um zwei Belebungsbecken erweitert / 5,3 Millionen Euro soll das Bauprojekt kosten

Gettorf | Das Gettorfer Klärwerk ist in die Jahre gekommen. So stammt das große Belebungsbecken – das größte Bauwerk der gesamten Anlage – aus dem Jahr 1976. Laut Dorothea Probst, Planungsleiterin vom Planungsbüro Consulaqua Hamburg, hat ein solches Becken normalerweise eine Lebensdauer von 25 Jahren. „Das Material wird stark strapaziert.“, sagt die Ingenieurin für Siedlungswasserwirtschaft. Schließlich kommen mittlerweile 420.000 Kubikmeter Abwasser jedes Jahr in der Anlage an. Gleichzeitig wachsen nicht nur Gettorf, sondern auch Osdorf und Revensdorf, die ebenfalls in die Gettorfer Anlage einleiten. Die Anlage wird also in absehbarer Zeit auch zu klein sein. Es ist von daher nicht nur eine Sanierung erforderlich, sondern auch eine Erweiterung und alles bei laufendem Betrieb. „Eine Aufgabe, die nicht ohne ist“, so Bürgermeister Jürgen Baasch (SPD).

Mit der seit 1641 bestehenden Firma Hahn aus Hechthausen steht der Gemeinde dabei eine erfahrene Fachfirma zur Seite. „Wir sind sehr zufrieden.“, sagt Planungsleiterin Dorothea Probst.
Das marode Belebungsbecken aus dem Jahr 1976, das einen Durchmesser von 40 Metern hat, soll durch zwei neue Becken, jeweils mit einem Durchmesser von 30 Metern, ersetzt werden. Zunächst wird eines der beiden neuen Becken gebaut, danach das alte abgebrochen und schließlich das zweite neue Becken gebaut. So kann ein Teil der Fläche des jetzigen Beckens genutzt werden. Wurde das alte Becken vorwiegend in die Erde gebaut, sollen die neuen Becken zum großen Teil oberirdisch gebaut werden. „Das hat technische und wirtschaftliche Gründe.“, so Dorothe Probst.

Mit dem Bau zweier Belebungsbecken soll die Anlage in doppelter Hinsicht zukunftssicher gemacht werden. Einerseits reicht die Kapazität für die nächsten 25 Jahre aus, vorausgesetzt die beteiligten Orte wachsen so weiter wie bisher. Schließlich soll sichergestellt werden, dass im Falle des Ausfalls der Maschine in einem der Becken noch eine im Betrieb ist. Derzeit bietet die Anlage diese Ausweichmöglichkeit nicht. Jedes der beiden Becken wird 3500 Kubikmeter Abwasser fassen, das vorher schon mechanisch gereinigt wurde. Im Belebungsbecken werden organische Kohlenstoffverbindungen, Stickstoff- sowie Phosphatverbindungen durch Bakterien abgebaut.

Komplett erneuert wird die Steuerung der Anlage. Ein Klärwerk ist längst ein High-Tech-Betrieb geworden. „Die Zeiten, in denen die Bauhofmitarbeiter die Kläranlage noch nebenbei machen konnten, sind schon lange vorbei.“, so Dorothea Probst. Vier Mitarbeiter arbeiten im Gettorfer Klärwerk. Sie sind aber nicht nur für das Klärwerk zuständig, sondern auch für das gesamte Kanalnetz, die Regenrückhaltebecken und die Pumpstationen und das 365 Tage im Jahr. „Der Personalschlüssel ist knapp bemessen“, sagt Baasch. „Denn viele Arbeiten sind so gefährlich, dass sie nur zu zweit erledigt werden dürfen.“ Sorgen machen den Mitarbeitern Feuchttücher, die achtlos in die Toilette geworfen werden. „Die gehören in den Hausmüll“, sagt Betriebsleiter Holger Störmer. Es sei sehr aufwändig, die Pumpen von diesen Tüchern wieder zu befreien.

5,3 Millionen Euro soll das Projekt kosten, eine Summe, die auf die beteiligten Gemeinden umgelegt wird. Gettorf wird sich mit 3,85 Millionen Euro beteiligen, Osdorf mit 1,1 Millionen Euro und Lindau für die Ortslagen Revensdorf und Nordrevensdorf mit 0,4 Millionen Euro. Nach Abschluss der Bauarbeiten werden die Abwassergebühren steigen, von derzeit 2,65 Euro/m³ auf voraussichtlich 3,15 Euro. „Seit fünf Jahren sind die Gebühren stabil.“, betont Bürgermeister Jürgen Baasch und ergänzt: „Umweltschutz kostet Geld.“ 2018 sollen die Sanierung und der Erweiterungsbau fertig werden, vorausgesetzt, es gibt mitten im Bau keine zeitraubenden Überraschungen. Die Anlage wird dann für 19  000 Einwohnerwerte ausgelegt sein. Jetzt sind es 12  900 Einwohnerwerte. „Mit dem Erweiterungsbau schaffen wir eine Reserve für 25 Jahre.“, so Bürgermeister Jürgen Baasch.



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erstellt am 14.Jun.2017 | 08:48 Uhr

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