Kirchenkreis löst Gemeinden ab : Kitas hoffen auf Entlastung

Andere Trägerschaft, gleiche pädagogische Arbeit: Enken Landgrebe (li.) vom neuen Kita-Werk des Kirchenkreises kümmert sich mit ihrem Team ab sofort um die Trägerschaft mehrerer Kitas, auch der Kirchengemeinde St. Nicolai im Wulfsteert von Leiterin Mereintje Günther.
Andere Trägerschaft, gleiche pädagogische Arbeit: Enken Landgrebe (li.) vom neuen Kita-Werk des Kirchenkreises kümmert sich mit ihrem Team ab sofort um die Trägerschaft mehrerer Kitas, auch der Kirchengemeinde St. Nicolai im Wulfsteert von Leiterin Mereintje Günther.

Das neues Kita-Werk des Kirchenkreises übernimmt die Trägerschaft von Kindertagesstätten.

shz.de von
01. Februar 2018, 06:14 Uhr

Eckernförde | Die Anforderungen an das Personal und die Ehrenamtlichen im Bereich der evangelisch-lutherischen Kindertagesstätten steigen. Personal- und Bauangelegenheiten, Qualitätsmanagement, Beschwerdeverfahren und Finanzierungsfragen – immer neue Gesetze und Vorgaben müssen beachtet werden, die Komplexität der von den ehrenamtlichen Mitgliedern der Kirchengemeinderäte zu treffenden Entscheidungen steigt.

Der Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde hat das erkannt und deshalb ein neues Kita-Werk gegründet. Es bietet seinen für die 32 ev.-luth. Kindertagesstätten zuständigen Kirchengemeinden an, die Trägerschaft für die Einrichtungen zu übernehmen, um Personal und Ehrenamtliche zu entlasten. Dafür sind drei pädagogische Mitarbeiter und sieben Mitarbeiter in der Verwaltung des neuen Kita-Werks tätig.

Drei Kirchengemeinden in der Propstei Eckernförde haben das Angebot schon angenommen: Die Kitas St. Nicolai in Eckernförde, Pusteblume in Osdorf und die Kita der Kirchengemeinde Sieseby in Vogelsang-Grünholz sind in die Trägerschaft des Kirchenkreises gewechselt. Ebenso vier Kindertagesstätten aus der Propstei Rendsburg.

„Die steigenden Anforderungen stoßen an die Grenzen insbesondere des ehrenamtlichen Bereichs“, sagt Enken Landgrebe, pädagogische Leiterin des neu gegründeten Kita-Werks des Kirchenkreises. Durch die Übernahme der Trägerschaft sollen die Ehrenamtler aus den Kirchengemeinderäten und die Kita-Leitungen entlastet werden. Der Träger einer Kita ist für sie im Ganzen verantwortlich, im Einzelnen für den Betrieb, das Personal, die Räume und das pädagogische Konzept. Er setzt die Elternbeiträge fest und arbeitet in vielen Fragen eng mit den Kommunen zusammen. Sie müssen einem Trägerwechsel in jedem Fall zustimmen, da sie den Betrieb sowie die Elternbeiträge maßgeblich bezuschussen.

„Für die Kinder und die Eltern ändert sich nichts“, sagt Thomas Heik, Pastor der Kirchengemeinde Osdorf-Felm-Lindhöft. Die religiöse Arbeit finde weiterhin statt, komplexe Leitungsaufgaben würden jetzt nur eben von Profis übernommen. „Das ist eine landesweite Entwicklung, der sich der Kirchenkreis angeschlossen hat.“

Auch Enken Landgrebe betont, dass die Übernahme der Trägerschaft durch den Kirchenkreis die Möglichkeit biete, die Kita-Arbeit zu professionalisieren. Gleichzeitig würden Pastoren, Ehrenamtliche und Hauptamtliche zum Beispiel durch die Abgabe von Personalverantwortung entlastet, wodurch Kapazitäten für die Arbeit in den Kirchengemeinden frei würden. „Die pädagogische und soziale Arbeit bleibt unverändert“, sagt Mereintje Günther, Leiterin der Kita St. Nicolai in Eckernförde. „Aber ich hoffe auf Entlastung und mehr Kapazitäten für unsere originären Aufgaben.“ Auch Angela Löhrke von der Kita Pusteblume in Osdorf hofft, dass nun der „große Zettel an Aufgaben kleiner wird“ und mehr Zeit für Projekte mit Kindern bleibt. Einig sind sie sich jedoch darin, dass sich diese Entlastung nicht über Nacht einstellen wird.

„Auch eine Kita in Trägerschaft des Kirchenkreises bleibt ein integraler Bestandteil der Kirchengemeinde“, sagt Propst Sönke Funck. Niemand werde gezwungen, die Kita-Trägerschaft abzugeben. Die Gemeinden blieben auch beim Trägerwechsel zum Kirchenkreis ideeller Träger, die Pastoren seien zuständig für die seelsorgerische Begleitung von Kindern, Eltern und Kita-Mitarbeitern. „Die Besetzung der Stelle der Kita-Leitung erfolgt nur im Einvernehmen mit dem örtlichen Kirchengemeinderat“, ergänzt Funck. Der Kirchenkreis befindet sich in Verhandlungen mit weiteren Kirchengmeinden zur Übernahme der Trägerschaft ihrer Kitas.

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