Kitas ab heute zu : Kita-Streik sorgt für familiären Ausnahmezustand

Pause in den vier städtischen Kitas: Heute beginnt der Streik. Wie lange er anhält, hängt von den Verhandlungen ab. Fotos: Kühl
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Pause in den vier städtischen Kitas: Heute beginnt der Streik. Wie lange er anhält, hängt von den Verhandlungen ab. Fotos: Kühl

Ab heute werden alle vier städtischen Kitas bestreikt. Die Stadt richtet eine Notgruppe für besondere Einzelfälle ein. Um 10.30 Uhr startet heute ein Protestzug durch die Innenstadt.

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08. Mai 2015, 06:28 Uhr

Eckernförde | Ab heute bleiben die vier städtischen Kindertagesstätten Nord, Mitte, Süd und Püschenwinkel geschlossen. Das Fachpersonal streikt, die Eltern müssen ihre Kinder entweder selbst betreuen, in der Familie oder bei Freunden unterbringen, Urlaub nehmen oder – im Einzelfall vielleicht machbar – mit zur Arbeit nehmen. Ein Ausnahmezustand, der solange anhält, bis sich in den Tarifverhandlungen zwischen Verdi und den kommunalen Arbeitgebern etwas bewegt. Die bisherigen fünf Verhandlungsrunden verliefen nach Angaben der Gewerkschaft jedenfalls ergebnislos, sprich ohne Angebot der kommunalen Verbände. „Die Kollegen sind sehr bedrückt, dass es bisher kein Angebot gibt“, sagt Ute Dirks, die bei Verdi die Streikleitung für die Region übernommen hat nach einem Treffen der betroffenen Erzieherinnen am Mittwochabend (siehe auch nebenstehenden Bericht).

Die Folgen des Erzieherinnen-Streiks in den kommunalen Kitas sind in Eckernförde erheblich. Rund 270 Kinder müssen von ihren Eltern in den nächsten Tagen und im schlimmsten Fall vielleicht sogar Wochen privat untergebracht und betreut werden. Die Stadt Eckernförde möchte aber all jenen Eltern entgegenkommen, die absolut nicht wissen, wohin mit ihrem Kind. Ab heute können sich Eltern in besonderen Notlagen unter Telefon 04351/710-506 an Telse Brunkert im Rathaus wenden und um eine Vermittlung ihres Kindes in eine Notgruppe bitten. Amtsleiter Klaus Kaschke weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich dabei um Einzelfälle handeln muss, weil die Kapazität sehr begrenzt ist. Da nicht alle 40 Erzieherinnen gewerkschaftlich organisiert sind, hat die Stadt hier einen gewissen, wenn auch sehr kleinen Spielraum.

Die vier städtischen Kitas haben die Eltern in den vergangenen Tagen bereits auf den anstehenden Streik vorbereitet, damit sie für ihr Alternativprogramm ein wenig Vorlauf haben. Das Gros der Eltern habe durchaus Verständnis für den Streik, hieß es gestern vor Ort in einer der Kitas. Und vor der Tür sagten auch einige Eltern ihre Meinung. „Ich bin ohnehin zu Hause und kann mich um meine Tochter kümmern“, sagt Nadine Gemser, deren Tochter Lilly (6) gerade ihr letztes Kita-Jahr absolviert. Ein ähnliches Bild auch bei einem Vater, der namentlich nicht genannt werden möchte: „Meine Frau ist zu Hause und passt auf.“ Vergleichsweise gut getroffen hat es auch Sandra Eilert. Die Eckernförderin arbeitet nachts und ist da, wenn Ruben (5) nicht in den Kindergarten gehen kann. Hätte sie noch ihren früheren Job im Verkauf, „hätte ich ein Problem“, sagt sie. In ihrem Freundes- und Bekanntenkreis seien „viele Muttis, die jetzt eine Urlaubssperre haben – da laufen jetzt die Telefone heiß“. Die junge Mutter kann in diesem Konflikt beide Seiten verstehen: Die Erzieherinnen hätten einen „ziemlich harten Job, aber was machen jetzt die berufstätigen Eltern?“ Relativ entspannt erleben Ivan und Maria Brem die Situation. Die junge Frau kam zu Hause auf ihre Tochter Liana (3) aufpassen und freut sich außerdem schon auf ihr zweites Kind. Tanja Reimers ist derzeit arbeitssuchend und kann Sohn Nico (6) auch während des Streiks betreuen. Nur die mögliche Streikdauer von zwei Wochen erscheint ihr doch bei allem Verständnis sehr lang.

Freuen können sich auch die Eltern, deren Arbeitgeber für die Zeit des Streiks die Kosten für eine Tagesmutter übernehmen oder flexibel auf die besondere Situation reagieren und ihren Beschäftigten entgegenkommen.

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