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Verdi droht mit neuen Streiks : Kita-Eltern droht weitere Streikwelle

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Gewerkschaft Verdi will eine zehnprozentige Lohnerhöhung durchsetzen und kündigt „massive Eskalationen“ an. Für die Eltern bedeutet das: Sie müssen wieder mit Streiks rechnen - und ihre Kinder anderswo betreuen.

Eckernförde | Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat weitere Streiks zur Durchsetzung ihrer Forderungen in den kommunalen Kindertagesstätten angekündigt. Die Aufwertung und bessere gesellschaftliche Anerkennung von Sozial- und Erziehungsberufen verbindet die Gewerkschaft mit der Forderung nach einer Lohnsteigerung von zehn Prozent. Nach der ersten Streikwelle vom 8. Mai bis 7. Juni und erfolglosen Verhandlungen hat Verdi-Chef Frank Bsirske nun eine „massive Eskalation“ mit „hohen Belastungen für Eltern, Arbeitgeber und die Streikenden“ angekündigt. Schon im Oktober könnte es zu neuen Streiks kommen. Und die könnten durchaus „unangekündigt und unberechenbar“ erfolgen, wie der für Schleswig-Holstein zuständige Sprecher Frank Schischefky unserer Zeitung sagte (siehe EZ v. 22. September)

Das Thema treibt nach diesen Aussagen und der öffentlichen Kampfansage an die Kommunen jetzt auch wieder die Eltern, Erzieherinnen, Stadtverwaltung und Kommunalpolitik um. Sollten auch die Tarifverhandlungen am 28. und 29. September scheitern, drohen in den vier städtischen Kitas Streiks. Betroffen sind vor allem die Kinder und die Eltern, die immer noch vom vierwöchigen Ausnahmezustand im Mai und Juni gezeichnet sind. Viele haben ihren Jahresurlaub verbraucht, dann werden wieder private Netzwerke und tolerante Arbeitgeber nötig sein, um die betreuungslose Kita-Zeit zu überbrücken.

Im Sozialausschuss wollte Lars Vondenhoff, bürgerliches Mitglied für die CDU-Fraktion, wissen, ob die Stadt für den erneuten Streikfall Notgruppen bildet. Vor allem Alleinerziehende seien beim jüngsten Streik an die Belastungsgrenze gekommen, „so einen Akt werden sie nicht noch einmal durchstehen“. Die Einrichtung von Notgruppen für die Kinderbetreuung mit städtischem Personal sei der Stadt aus rechtlichen Gründen nicht möglich, antwortete der für die Kitas zuständige Leiter des Amts für Soziales und Ordnungswesen, Klaus Kaschke. Lediglich für besondere Notfälle sei dies im Einzelfall gestattet. „Wir haben seitens der Stadt keine Möglichkeit, dort einzugreifen“, so Kaschke. Sollte es zu erneuten Streiks kommen, werde es „diesmal noch schwieriger als im Mai und Juni“, prophezeite er.

Ob die Stadt denn nicht den Eltern andere Räume für die Kinderbetreuung zur Verfügung stellen könnte, wollte Jenny Kannengießer (Grüne) wissen. Kita-Räume für die Kinderbetreuung durch Eltern zur Verfügung zu stellen, sei nach Rücksprache mit der für die Betriebserlaubnis zuständigen Heimaufsicht des Kreises Rendsburg-Eckernförde kreisweit abgelehnt worden, sagte Kaschke. Möglicherweise ließen sich aber Schulräume für die Kinderbetreuung als außerschulische Nutzung zur Verfügung stellen, das werde man prüfen.

Jörg Hollmann (CDU) zeigte sich erbost über die öffentliche Streikankündigung durch Verdi. „Es ist völlig unverständlich, diesen Konflikt auf dem Rücken der Eltern und Kinder auszutragen“, wetterte Hollmann. „Wir sind aufgefordert, im Interesse der Eltern einen Appell loszulassen, dass die Gewerkschafter zur Vernunft kommen.“ Laut Hollmann seien viele Erzieherinnen mit dem Schlichtungsvorschlag von 4,56 Prozent mehr Lohn einverstanden gewesen. Um so unverständlicher sei die Reaktion von Verdi-Chef Bsirske.

 

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erstellt am 24.Sep.2015 | 06:18 Uhr

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