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Gilde sucht neue Räume : „Kirchenasyl“: Borbyer Gilde immer noch heimatlos

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die größte Gilde des Landes lässt sich auch ohne Gildelokal nicht beirren und erfüllt altes Brauchtum mit viel Leben. Dennoch ist der Wunsch nach einer neuen Heimat ausgeprägt. Bis dahin hilft die Kirchengemeinde Borby.

Das Kirchenasyl ist eine Jahrhunderte alte Schutztradition, Jahrhunderte alt wie die Borbyer Gilde. Der enge Zusammenhalt zur Kirche hat es der traditionsbewussten Gilde möglich gemacht, sich weiterhin im Dorfkern zu treffen. Das ist für die Gilde extrem wichtig, weil sie seit der Schließung des ehemaligen Gildelokals „Lindenhof“ keine andere Versammlungsstätte mehr haben. „Öllermann“ Günter Krause eröffnete die Jahreshauptversammlung der rund 1000 Mitglieder starken Toten- und Knochenbruchgilde aus dem 17. Jahrhundert am vergangenen Sonnabend im Borbyer Gemeindehaus mit den drei Schlägen auf das „Kloopholt“. Dann übernahm Vorsitzender Lorenz „Lorne“ Marckwardt und führte in plattdeutscher Sprache durch die Tagesordnung. Äußerst bedrückt und tief betroffen verlas Gildeschreiberin Britta Schlegel die Liste der verstorbenen Mitglieder. Die 36 Todesfälle in einem Jahr stellten für die Gilde einen tiefen Einschnitt dar.

In seinem Jahresrückblick hob Lorne Marckwardt das Gildefest hervor: „ Wi hebbt en wuunerbore Gillfest fiert, mit veel Pläsier un Freud för all´de Lüüd“. Höhepunkt war der musikalische Auftritt der „Alten Garde“ zum Frühschoppen im Festzelt. Eine besondere Freude bereite jedes Jahr das Kinderfest, das hohen Anklang bei den Mitgliedern findet. Schnell und zügig ging es durch die Tagesordnung. Renate Aßmann erhielt für ihren Kassenbericht Applaus. Spenden, Sponsoren und eine gute Haushaltung sorgten dafür, dass das Gildefest kein großes, finanzielles Loch hinterlassen hat. Lorne Marckwardt warnte aber vor Euphorie: „Wi sünd op de Ünnerstütten vun uns Stadt anwiesen, wi bruuk de Hölp, för düüt Johr kann dat ganz anners kamen. Wi wünsch uns, för all uns Gill’n in uns Stadt, de de Geschicht un de Kultur dregen, mehr Ünnerstütten un Loff“.

Einstimmig wurde der Vorsitzende und Kassenwartin Renate Aßmann, sowie Beisitzer Wolfgang Michelsen in ihre Ämter wiedergewählt. Marckwardt versäumte es nicht, sich bei den Zwölfern, allen voran Gerd Neve, der mit seinen „edlen Rössern“ (Ponygespann) den Kinderumzug unterstützt, zu bedanken.

Die Präsenz der Rats- und Gildemitglieder von SPD und von Bürgervorsteherin Karin Himstedt (CDU) nahm Lorne Marckwardt zum Anlass eine wichtige Frage zu stellen: „ Wat gifft dat nieges vun uns Dörpkrog?“ SPD-Ratsfrau Frauke Piechatzek bedauerte es sehr, keine neuen Erkenntnisse mitteilen zu können: „Uns sind die Hände gebunden, wir können nichts ausrichten.“ Damit steht die Borbyer Gilde weiterhin heimatlos dar.

Bürgervorsteherin Karin Himstedt bedankte sich bei den vielen ehrenamtlichen Mitgliedern, die den hohen Einsatz zum jährlichen Gildefest zeigen: „ Ich bin stolz, mitfeiern zu können und freue mich schon heute auf die drei tollen Tage in diesem Jahr:“ Unterstützende Worte gab es von den befreundeten Gilden. Otto Schlotfelt von der Eckernförder Beliebung: „Man kann seggen hier in Borby hett dat alln’s sien Schick, dat de Vörstand so gau wederwählt worr’n is, dat is ni överall so. Hüüt hett männicheen Vereen bös dormit to doon, wi bruuk junge Lüüd för de Tokunft“. Der Ehrenvorsitzender der Beliebung, Arnold Metzger, ergänzte: „Lorne, ik mutt seggen, ik heff Achtung för di, all de Johr de du nu för de Gill de Vörsitten maakst, dat is een feine Gill, de Borbyer. Maakt wieder so!“

Mit dem Ausblick auf das kommende Jahr führte Britta Schlegel die Teilnahme an das RSH-Kinderfest an, zudem die Borbyer Gilde sich präsentieren wird. Als neues Mitglied wurde der Borbyer Heinz Schade aufgenommen.


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erstellt am 03.Feb.2015 | 06:19 Uhr

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