Kirchen-Kleinod mitten in Angeln

Die St.-Marienkirche zu Sörup ist klar strukturiert und gibt der inneren Einkehr der Menschen Raum.  Fotos: Knacke
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Die St.-Marienkirche zu Sörup ist klar strukturiert und gibt der inneren Einkehr der Menschen Raum. Fotos: Knacke

Die St.-Marienkirche in Sörup besticht durch ihre harmonische Innenraumgestaltung / Parallelen zur Borbyer Kirche

shz.de von
03. Januar 2018, 18:13 Uhr


Die Kirche in Sörup gilt als die schönste Angelns und ist ungefähr zur selben Zeit (Ende des 12. Jahrhunderts) erbaut worden wie die Kirche in Borby. Die Taufen beider Kirchen sind Werke von Meister Calcarius und wurden Anfang des 13. Jahrhunderts aus Gotland importiert. Sie ähneln sich so sehr, dass sie als Schwesterstücke bezeichnet werden. Es liegt für Borbyer Bürger nahe, diese verwandte Kirche zu besuchen.

Die Fahrt nach Sörup bietet zwei besondere Naturerlebnisse: Der Blick von der historischen Klappbrücke bei Lindaunis auf die Schlei ist bei jedem Wetter und jeder Jahreszeit überwältigend schön. Und die Straße von Satrup nach Sörup, auf der Landkarte grün markiert, ist auf der rechten Seite gesäumt von abwechslungsreichen Wiesen mit verstreuten Strauchgruppen, auf der linken Seite von alleeartig gepflanzten Bäumen, durch die immer wieder der Südensee schimmert.

Von der Kirche am Westrand des Dorfes auf einer flachen Hügelkuppe nimmt man zuerst den Turm mit dem ungewöhnlich hohen, achtseitigen Spitzhelm wahr. Der Bau aus sorgfältig behauenen Granitquadern ist in seiner Struktur einfach und überschaubar. Umgeben ist er von einem liebevoll angelegten und gepflegten Friedhof.

Man betritt die Kirche durch die Südtür, die offen ist, solange es hell ist. Überrascht nimmt der Besucher den Innenraum wahr, überwältigt von der vollkommenen Schönheit und Harmonie. An der nördlichen Seite wird die Reihe der Kirchenbänke sanft durch zarte, eiserne Mehrkantstützen, teils mit zierlichen Rokoko-Kopfstücken, unterbrochen, die die Empore von 1768 tragen. Die Brüstungsmalereien zeigen in 31 Bildern biblische Szenen. Die südliche Bankreihe endet vor der Kanzel von 1663 aus der Werkstatt Hans Gudewerdts II. Beide Seiten lenken den Blick auf den Altarraum mit dem Triumphkreuz aus dem 14. Jahrhundert, dank der großzügigen Spende eines Gemeindemitglieds 2007 restauriert. Die Kirche war ursprünglich auch ein Schutzraum, deshalb waren alle Fenster klein und hoch gelegen. 1909 wurden die romanischen Nordfenster geöffnet, die Fenster auf der Südseite vergrößert und sie erhielten eine grau-blau schimmernde Farbverglasung. Zusammen mit den besonders ausgesuchten, meist hellgrauen, fast durchsichtig erscheinenden Granitquadern in Chor und Apsis erscheint der Raum in einem sanften, fast himmlischen Licht. Wendet man sich nach Westen zur Turmhalle, sieht man die schlichte, schmale Orgel, die sich an eine elegante Backsteinsäule zu lehnen scheint.

Jeder Ausstattungsgegenstand befindet sich im Dienst des Gesamteindrucks an der einzig richtigen Stelle, so dass man den Eindruck hat, es wäre nie anders gewesen. Aber die Festschrift von 2007 erzählt, dass sich die Menschen in Sörup durch die Jahrhunderte immer wieder für die Vervollkommnung ihrer Kirche eingesetzt haben. Mutig und tolerant waren sie offen für Veränderungen. Wenn sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden waren, haben sie unverdrossen einen neuen Versuch gestartet, bis der höchste Grad der Vollkommenheit erreicht war.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist die Geschichte der Orgel. Sie ist im Kirchenraum gewandert von der alten Empore (1689) vor den Turmbogen (1866), von dort auf die Ostseite der Nord-Empore (1909) und dann endlich in den Turmraum (1948). Schließlich ermöglichte eine Erbschaft die endgültige Erneuerung und seit 2003 ist sie eine der schönsten und größten Orgeln Angelns.

>Quellen: Kunstdenkmäler des Landes Schleswig-Holstein, Landkreis Flensburg, Deutscher Kunstverlag 1952, Seiten 307 ff.; Festschrift: 875 Jahre St. Marienkirche zu Sörup, Ev.-luth. Kirchengemeinde Sörup


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