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Schinkel : Kirche gestalten mit den Menschen im Ort

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Dirk Schulz bewirbt sich um die Pastorenstelle in Schinkel. Im Gottesdienst am 6. September in der Kirche Zum Guten Hirten stellt er sich der Gemeinde vor.

Schinkel | Drei Ausschreibungen hat es gegeben. Doch ein Dreivierteljahr, nachdem Pastorin Claudia Bruweleit ihren Wechsel nach Kiel bekannt gegeben hat, ist ihre Stelle in der Kirchengemeinde noch immer unbesetzt. Jetzt aber gibt es einen Kandidaten, der das Amt in Schinkel antreten möchte: Pastor Dirk Schulz. Am Sonntag, 6. September, wird er sich im Gottesdienst um 18 Uhr in der Kirche Zum Guten Hirten der Gemeinde vorstellen.

Die kleine, schlichte Holzkirche ist dem 50-Jährigen nicht unbekannt: Im Vikariat war der Pfarrbezirk III der Kirchengemeinde Gettorf seine Ausbildungsgemeinde, damals noch betreut von Pastorin Kirsten Effland. Die Verbindungen dorthin sind in all den Jahren nie abgerissen. Neuwittenbek, Großkönigsförde und Tüttendorf gehören mit zum Pfarrbezirk Schinkel. „Ich mag diese Dörfer“, sagt Schulz und kündigt an, dass er dort im Falle seiner Wahl viel mit dem Rad unterwegs sein wird, wie früher. „Ich bin gern draußen und bewege mich in der Natur“, so Schulz. Er ist offen für Gottesdienste auch an anderen Orten, auf Höfen oder unter freiem Himmel. „Das mag ich ausgesprochen gern“, verrät Schulz und fügt hinzu: „Ich erwarte nicht nur, dass die Leute zu mir kommen, ich komme auch zu ihnen und feiere mit ihnen Gottesdienst.“ Denn Kirche ist für ihn „eine lebendige Gemeinschaft von Menschen, die von Gottes Liebe und Gerechtigkeit ergriffen sind und die Botschaft Jesu vor Ort leben“.

Dass er das Pastorat an der Bäckeralm nicht beziehen wird, ist für ihn kein Hindernis, Kirche im Ort mit den Menschen zu gestalten. „Es wird gewährleistet sein, dass ich sehr viel in Schinkel und Umgebung sein werde“, sagt Schulz in Richtung all jener, die die Besetzung der Pfarrstelle mit ihm dadurch kritisch nur als „halbe Lösung“ für Schinkel ansehen (wir berichteten). Und er wirbt um Verständnis für seine Entscheidung. Als seine Frau Peggy Kersten, ebenfalls Pastorin, 2010 die Kirchengemeinde Waabs übernahm und die Familie von Sörup in Angeln nach Schwansen zog, hätten sie ihren Kindern versprochen, dass sie ihnen so schnell nicht wieder einen Schul- und Umgebungswechsel zumuten, erklärt Dirk Schulz. Die älteste Tochter Nora (21) betrifft das zwar nicht mehr, aber Anna (16) – sie besucht die Waldorfschule in Eckernförde – und Till (14) – er geht auf die Gemeinschaftsschule in Eckernförde. In der Frage, für wen die Residenzpflicht gelten soll, sei sowohl für Propst Sönke Funck, als auch die Landeskirche klar gewesen, dass die Familie in Waabs bleibt. Denn würde Peggy Kersten nicht mehr vor Ort wohnen, gäbe es gar keinen Kollegen auf der Pfarrstelle. Anders dagegen in Gettorf: Mit Christa Loose-Stolten und Frank Boysen sind zwei Pastoren vor Ort. Er komme gern in die Gemeinde, betont Dirk Schulz. Aber es sei zu akzeptieren, dass er bei seiner Familie in Waabs lebe. „35 Minuten bis nach Schinkel, diesen räumlichen Abstand gibt es“, sagt Schulz. Er werde sich jedoch im Ort ein Büro und ein Zimmer anmieten, das ihm die Möglichkeit gibt, sich zwischen den Amtsgeschäften dort zurückzuziehen oder auch dort zu übernachten, wenn es erforderlich ist. Dass das funktionieren kann, zeigt sein jetziger Einsatz in der Christkirchengemeinde Rendsburg-Neuwerk, wo er seinen Kollegen Dr. Stefan Holtmann ein Jahr in dessen Elternzeit vertritt. „Das macht mir ausgesprochen Freude, und ich habe das Gefühl, dass es den Menschen dort auch Freude mit mir macht“, stellt der Pastor fest.

Die kritischen Stimmen, die aus Schinkel mit Bekanntwerden seiner Bewerbung um das Amt in Schinkel ohne Residenzpflicht laut geworden sind, wertet er positiv. „Ich erlebe dort engagierte Menschen, die die Kirche im Ort präsent haben wollen und nicht in Gettorf“, berichtet Schulz. „Sie wollen jemanden, der mit ihnen Kirche gestaltet und Kontakt im Ort pflegt. Sie werden mich kennen lernen als jemanden, der bewusst im Dorf leben will“, kündigt Schulz an.

In seiner Freizeit singt er gern, am liebsten im Chor und in Kirchen, spielt mit seinem Sohn und dessen Freunden Fußball, joggt mit Hündin Paula und hackt Holz. Er liest gern historisch-politische Bücher, vor allem Biografien zur Zeitgeschichte und Dogmatiken des Christlichen Glaubens. Außerdem hilft Schulz einem befreundeten Bauern in Österreich Jahr für Jahr bei der Heuernte – „da sieht man, was man geschafft hat.“

Zur Person

Jahrgang 1965. Nach dem Studium der Evangelischen Theologie in Hamburg und Heidelberg machte er sein Vikariat in Schinkel. Nach der Ordination in der St.-Marien-Kirche zu Sörup (Kirchenkreis Angeln) tritt er dort seine erste Stelle an. Er teilt sie sich bis 2008 mit seiner Frau, Pastorin Peggy Kersten. 2008 wird er Theologischer Referent des Bischofs in Schleswig und übernimmt die Leitung der Bischofskanzlei. 2009 zieht er in seiner Funktion mit Bischof Gerhard Ulrich in das Nordelbische Kirchenamt Kiel. Mit Gründung der Nordkirche wird er Persönlicher Referent des Landesbischofs Ulrich, der ab Juni 2013 seinen Dienstsitz in Schwerin hat. Zwei Jahre lang pendelt Schulz wochenweise zwischen Waabs und Schwerin. Seit Mai ist er als Elternzeitvertretung an der Christkirchengemeinde in Rendsburg-Neuwerk tätig.

Schulz hat zudem mehrere Bücher herausgegeben, hält Vorträge (Schwerpunkt Dietrich Bonhoeffer), ist Prüfer im Zweiten Theologischen Examen der Nordelbischen Kirche und der Nordkirche sowie  Dozent an der Fachhochschule für Verwaltung des Landes in Bordesholm im Fach Leben und Lehre der Kirche.

 
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erstellt am 25.Aug.2015 | 06:00 Uhr

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