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Anträge abgelehnt : Kino-Standort: Keine Einigung in Sicht

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Bauausschuss hat die Beschlussvorlagen für den Skaterpark und das Bahnhofsareal mit jeweils 5:6 Stimmen abgelehnt. Das Bürger-Forum wird in der Ratsversammlung zum Zünglein an der Waage.

Eckernförde | Die elf stimmberechtigten Mitglieder des Bauausschusses konnten sich am Mittwochabend nicht auf einen Standort für den Bau eines Kino-Centers einigen. Weder für den Standort Skaterpark / Schulweg noch für das Bahnhofsareal gab es eine Mehrheit – beide Beschlussvorlagen wurden mit jeweils 5:6 Stimmen abgelehnt. Zunächst lehnten SPD (3), Grüne (1), Linke (1) und Matthias Huber vom Bürger-Forum (1) den Verwaltungsentwurf Skaterpark ab, anschließend CDU (3), SSW (1) und Bürger-Forum (2) das Bahnhofsareal. Somit muss in der Ratsversammlung am 14. März eine mehrheitliche Entscheidung ohne eine Beschlussempfehlung des Fachausschusses getroffen werden. Das Bündnis pro Skaterpark aus CDU (8), SSW (2) und FDP (1) kommt in der Ratsversammlung auf 11 Stimmen, die Gegenseite aus SPD (7), Grünen (3) und Linken (2) auf 12 Stimmen. Zünglein an der Waage ist das Bürger-Forum, die vier Stimmen in die Wagschale zu werfen haben und damit zum Mehrheitsbeschaffer werden. Im Bauausschuss hatte Matthias Huber gegen und Thorsten Peuster für den Skaterpark gestimmt. Und geschlossen lehnten beide das Bahnhofsareal ab. Eine Vorhersage für die Ratsentscheidung am 14. März ist bei diesem Stimmen-Splitting reine Kaffeesatzleserei.

Bürgermeister Jörg Sibbel zog noch einmal alle Register. In einer 37-seitigen Power-Point-Präsentation ging er auf alle bisher untersuchten sieben Standorte, teilweise mit mehreren Umsetzungsoptionen (siehe Info-Box unten), ein und stellte dabei neun mögliche Lösungen vor. Die Kinokapazität von fünf Sälen und 700 Plätzen sei „ein Muss“ für die Kinobetreiber, versicherte er. Ein Kino gehöre in die Innenstadt, der Verbrauchermarkt müsse im Einklang mit dem Einzelhandelsgutachten stehen und Investor und Kinobetreiber müssten eine „marktfähige Realisierung“ und nicht nur ein Konzept vorlegen. Folgende Standorte wurden 2013 und 2015/16 untersucht: Skaterpark Schulweg, P+R-Parkplatz Schulweg, Bahnhof, Sky-Parkplatz Gartenstraße, ZOB, Parkplatz Grüner Weg sowie Nooröffnung mit den Standorten Nordwest (Noorstraße) und Südost (Ecke Reeperbahn/Schulweg). Sibbel ging auf jeden einzelnen Standort ein, benannte die Flächengröße und Nutzungsvarianten für ein Kino mit und ohne Einkaufszentrum sowie das Investoreninteresse, um dann zu einer Bewertung zu kommen. Nach Abwägung aller Argumente und dem Abgleich der Vorstellungen und Wünsche der Stadt mit denen der Investoren und Kinobetreiber kam er zu folgendem Gesamtfazit: „Nur der Standort Skaterpark erfüllt die Anforderungen der Stadt sowie die Vorgaben der Betreiber und ist ohne Verlust von gebührenfreien sowie zentrumsnahen Parkplätzen zeitnah zu realisieren. Andere Standorte sind jeweils mit unterschiedlichen Problemen behaftet oder ungeeignet. Es handelt sich um keine bloße Standortfrage, sondern die Grundsatzentscheidung, ob wir wieder ein kommerzielles Kino in Eckernförde für unsere Bürger und Gäste haben wollen.“ Und weiter: „Der Bahnhof ist auch heute noch der beste Standort, aber der Skaterpark ist die zweitbeste Lösung.“ Da die Verhandlungen mit der Bahn per Ratsbeschluss abgebrochen worden seien, habe man sich aufgemacht, im Schulweg einen neuen Standort zu entwickeln.

Zu den Befürwortern des Skaterparks als Kino-Standort gehören Rainer Bosse (SSW) und Helge Molt (FDP). Wenn man weiter so vorgehe wie in den vergangenen vier Jahren, „haben wir in Eckernförde nur noch ein Puppentheater“, sagte Bosse. „Wir haben keine Beschlusskultur mehr in Eckernförde“, erklärte Molt. Wenn nun endlich eine Lösung auf dem Tisch liege, „muss man den Beschluss endlich mal durchziehen“ statt Luftschlösser zu bauen.

Martin Klimach-Dreger (SPD) ließ das nicht gelten. Alle seien sich einig, dass Eckernförde ein Kino brauche, aber der Skaterpark sei nicht die einzige Fläche. Ein Kino ließe sich auch im Areal Bahnhof / Grüner Weg entwickeln (siehe auch Bericht auf Seite 8). Selbstkritisch analysierte er zwei Fehler, die die Politik und auch die SPD im Verfahren begangenen habe: „Wir haben den Bahnhof und den Grünen Weg nicht weiter umgesetzt, weil der Investor die Gesamtplanung fallengelassen hat. Da haben wir geschnarcht. Fehler Nr. 2 war, dass wir den Bahnhof aufgegeben haben, um auf den Skaterpark einzuschwenken.“ Die SPD, so Klimach-Dreger, wolle den Skaterpark als geschützten Raum für alle dort ansässigen Kinder und Jugendliche in der Nähe des „Hauses“ erhalten. Der Park mit Grillplatz werde nicht nur von Skatern genutzt, er sei auch ein Treffpunkt für andere Gruppen, die dort „einfach auch mal abhängen. Wenn dieser nun an die Norderhake verlegt werde, an der auch ein Wanderweg entlangführt, sieht Klimach-Dreger ein „Konfliktpotenzial mit Menschen, die dort mit einem anderen Verständnis hingehen“. Zudem bestehe die Gefahr, dass der Skaterpark eventuell politisch leichter an den Stadtrand gedrängt werden könnte, „wenn der große Platz atomisiert wird“. Klimach-Dreger sieht ferner städtebauliche und ökologische Probleme, wenn die „Riegelbebauung“ die Grünflächen trennt, Flächen asphaltiert werden und „wir an der Norderhake an den Schilfgürtel ranrauschen“. Auch Edgar Meyn (Grüne) will die „grüne Lunge“ am Übergang zum Landschaftsschutzgebiet vor einem „Einkaufstempel mit Kino, in das Leute reingehen, die das Tageslicht scheuen“, schützen.

Komplett anderer Ansicht ist Katharina Heldt (CDU). Der Skaterpark sei die „einzig realistische und schnelle Lösung“, sagte sie. Die Politik solle jetzt „Größe zeigen“. Die SPD habe erst heute auf die Standortvariante Grüner Weg hingewiesen. Jetzt bestehe die große Chance, den veralteten Skaterpark durch die Verlagerung zu erneuern und zu vergrößern. „Der Platz an der Norderhake bietet noch mehr Intimität, meinetwegen können wir auch noch einen Steg bauen, auf dem die Jugendlichen chillen können“, sagte Heldt.

>Weitere Positionen zum Kino-Standort lauf Seite 8

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erstellt am 04.Mär.2016 | 06:50 Uhr

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