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Nach dem Kino-Aus am Bahnhof : Kino in Eckernförde muss sein: Vier Alternativen

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Stadt macht sich nach dem Aus für das Kinoprojekt am Bahnhof fieberhaft auf die Suche nach geeigneten Kino-Standorten in der Innenstadt. Es gibt vier Alternativen. Das Bauamt verspricht bis zum Sommer eine Lösung.

Eckernförde | Für Eckernförde ist das gescheiterte Kinoprojekt am Bahnhof ein Desaster. Über zwei Jahre hat die Bahn die Stadt hingehalten, ohne einen Kaufpreis für ihr tristes Bahnhofsgebäude auf den Tisch zu legen. Das Zuständigkeitswirrwarr und die langwierigen Abstimmungsprozesse bei der Bahn haben die Ostseestädter Nerven gekostet. Und wie sich jetzt herausstellt: Sie haben das Spielchen zu lange mitgespielt, und jetzt die Quittung in Form eines saftigen Kaufpreises erhalten: 900.000 Euro plus 500.000 Euro Abbruchkosten plus weitere 150.000 Euro für weitere Kosten in der zwei- bis dreijährigen Bauphase. Außerdem machte die Bahn den Verkauf von einer kostenfreien Bereitstellung einer 215 Quadratmeter großen Fläche im neuen Gebäude abhängig. Zuviel für den Investor Hans-Jürgen Sindram, der der Stadt den Bahnhof abkaufen und aus dem unansehnlichen Bahnhof ein schmuckes Kinocenter und Einkaufszentrum mit Tiefgarage machen wollte. Seine Wirtschaftlichkeitsberechnung fiel unter diesen Gegebenheiten negativ aus – er steigt aus, das Kinoprojekt am Bahnhof ist tot.

Als Bürgermeister Jörg Sibbel dies am Donnerstagabend im Hauptausschuss verkündete waren die Kommunalpolitiker geplättet. Er und die Bürgervorsteherin Karin Himstedt hatten die Bahn auf eine Entscheidung bis Ende März gedrängt und in Hamburg die finalen Gespräche geführt. Sie hätten alle Argumente vorgebracht und auch deutlich gemacht, die Bahn bei einem Verkauf des Bahnhofsgebäude von der Attraktivitätssteigerung des Standortes profitieren würde und dass sich im Falle eines Scheiterns – wie jetzt geschehen – wohl kaum ein anderer Investor finden würde. Diese Argumente zogen nicht. Die Folge: der Bahnhof bleibt, wie er ist: trist, schmucklos und ein städtebauliches Ärgernis an zentraler Stelle.

„Ich bin sprachlos, wie man uns über Jahre hingehalten hat, das ist unglaublich!“, sagte Ralph Krüger von der CDU. „Wir haben der Bahn vertraut und drei Jahre verschenkt.“ Krüger sprach von einem „schlimmen Imageschaden“ für die Bahn, dieser Vorgang sei „fast nicht zu ertragen“. Die Bahn habe sich damit als seriöser Verhandlungspartner für die Stadt verabschiedet. Er hoffe nur, dass die weiteren Projekte, Nutzung Gleis 3 und Anbindung des Parkplatzes Grüner Weg an die Innenstadt, mit der Bahn hinzubekommen sind. Heinz-Michael Kornath (CDU) war ebenfalls geschockt vom Aus am Bahnhof. Es müsse jetzt zügig eine Alternative gefunden werden, „wir brauchen das Kino“.

Bürgermeister Sibbel stimmte Kornath zu. Man werde jetzt intensiv in die Gespräche mit dem Investor und dem Kinounternehmer, die beiden weiterhin in Eckernförde ein neues Kinocenter errichten wollen, einsteigen , das Kino habe „hohe Priorität“. Es wäre allerdings auch zu hinterfragen , ob es unbedingt fünf Kinosäle mit 770 Plätzen sein müssten, oder ob es nicht eine Nummer kleiner gehen würde. In diesem Fall ließen sich auch leichter geeignete Standortalternativen in der Innenstadt finden.

Der Sky-Parkplatz Gartenstraße mit Kino und Verbrauchermarkt ist eine der Alternativen, die bereits in der letzten Auswahlrunde Anhänger hatte. Der Skaterpark im Schulweg, der an die Nooröffnung verlegt werden könnte, eine weitere. Die Innenstadt wäre in Reichweite, auch dort könnten ein Markt und Geschäfte untergebracht werden. In städtischem Besitz ist auch das Grundstück Reeperbahn/Ecke Schulweg. Die Gebäude, in denen derzeit Flüchtlinge leben, sind abgängig und könnten abgerissen werden. Dort sei ausreichend Platz für eine abgespeckte Kino-Version, so Sibbel. Eine weitere Alternative könnte sich nach Auffassung des Bauamtes im Zuge der Umgestaltung der Reeperbahn auch am ZOB ergeben. Dort könnten die Bushaltestellen wesentlich platzsparender angelegt werden, so dass Raum für eine Neubebauung entsteht, sagte Bauamtsleiter Roy Köppen auf Anfrage. Er sei optimistisch, „dass bis zur Sommerpause eine Lösung präsentiert wird“.

Keine Option ist es nach Auskunft von Bürgermeister Sibbel, das Kinoprojekt am Bahnhof seitens der Stadt beispielsweise mit einer halben Million Euro zu subventionieren, um den Investor doch noch zu einem Einstieg an diesem auch politisch gewollten Standort zu bewegen. Es sei nicht Aufgabe der Stadt, gewerbliche Projekte finanziell zu fördern, sagte Sibbel, dagegen sprächen auch beihilferechtliche Gründe.

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erstellt am 25.Apr.2015 | 06:54 Uhr

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