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Hauptausschuss : Kino: Entscheidung fällt Ende des Jahres

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Stadtverwaltung stellt Fraktionen ausführliche Entscheidungsgrundlage zur Verfügung. Bürgermeister Jörg Sibbel nimmt im Hauptausschuss zu allen Fragen ausführlich Stellung. Der Kinoneubau an allen drei Standorten wird rund drei Jahre dauern.

shz.de von
erstellt am 22.Aug.2013 | 16:31 Uhr

Wenn alles gut geht, wird Eckernförde 2016 ein neues Kino einweihen können. Drei Jahre Planungs- und Bauzeit sind an allen drei noch im Rennen befindlichen Standorten Willers-Jessen-Schule, Gartenstraße und Bahnhof zu erwarten, erklärte Bürgermeister Jörg Sibbel am Mittwochabend im Hauptausschuss. Damit besteht auch die realistische die Chance, das die 10. Auflage des Internationalen Naturfilmfestvials Green Screen mit nagelneuen Spielstätten aufwarten kann und das Festival allein dadurch noch attraktiver und professioneller wird.

Der sehr umfassende Verwaltungsbericht des Bürgermeister stand ganz im Zeichen der anstehenden Standortentscheidung für das Kino. Die Verwaltung ist in seiner Antwort ausführlich auf alle von der Politik gestellten Fragen zu den drei Standorten eingegangen und hat der Kommunalpolitik damit eine Entscheidungsgrundlage an die Hand gegeben. Diese werden die Fraktionen bis zum Wochenende auf dem Tisch haben, anschließend darüber beraten, auch in den Fachausschüssen, und dann entweder in der Novemer- oder Dezembersitzung der Ratsversammlung eine Entscheidung treffen. „Wir ziehen das jetzt durch. Wir werden ein schönes Kino bekommen“, zeigte sich Michael Kornath (CDU) zuversichtlich und dankte der Verwaltung für die geleistete Arbeit. „Wir müssen den Mut haben, eine Grundsatzentscheidung zu treffen“, sagte Bürgervorsteherin Karin Himstedt (CDU), das Thema müsse jetzt zügig entschieden und dürfe nicht „zerredet“ werden.

Sehr detailliert beleuchtete der Bürgermeister die Verwaltungsrecherchen zu den einzelnen Kinostandorten:

>Willers-Jessen-Schule: Wenn die Stadt als Besitzer das Gebäude kinogerecht umbauen und vermieten möchte, müssten die vergaberechtliche Kriterien erfüllt werden. So sei keineswegs gesichert, dass der Bewerber Ralf Thomsen aus Heide den Zuschlag erhalten würde. Gebe es einen anderen Interessenten, der weniger Umbauten fordere und mehr Pacht bezahlen wolle, müsste die Stadt ihm den Zuschlag geben, so Sibbel. Auch eine Übertragung auf die beiden städtischen GmbHs, Stadtwerke sowie Touristik und Marketing, würde daran nichts ändern. Zudem gebe es „keine großen Hoffnungen“ auf öffentliche Förderung über das Zukunftsprogramm Wirtschaft. Die Gründung einer Bürgerstiftung zur Finanzierung des Projekts sei zwar möglich, eine Realisierung sei aber wenig wahrscheinlich, weil das Stiftungsvermögen so groß sein müsste, um die jährlichen Gebäudeunterhaltungskosten von rund 100 000 Euro aus dem Ertrag der Anlagen zu finanzieren. Auch die rein hypothetische Anfrage der Stadt an zwei andere Investoren, ob sie sich nach dem Kauf des Gebäudes –Wert rund 1,3 Millionen Euro – dort einen wirtschaftlichen Kinobetrieb vorstellen könnten, sei von beiden negativ beantwortet worden. Auch eine Überlassung des Gebäudes an einen Betreiber wie im Falle des Ostsee-Info-Centers sei rechtlich nicht möglich, sagte Sibbel.

>Gartenstraße: Der zentralste, aber auch komplizierteste Standort, bei dem die Interessen der Stadt, von Coop, dem Investor und dem Kinobetreiber in Einklang zu bringen wären. Die Stadt müsste ihren lukrativsten gebührenpflichtigen Parkplatz aufgeben, der jährlich über 200 000 Euro in die Stadtkasse spült, das Sky-Gebäude mit den dazugehörigen Parkplätzen sowie die drei Wohngebäude an der Reeperbahn kaufen und hinter dem geplanten großen Gebäudekomplex einen neuen Parkplatz errichten. Sibbel wies auf die finanzielle Belastung für die Stadt hin und warf die Frage auf, ob der verdeckt liegende neue Parkplatz hinter dem Großkomplex genau so gut angenommen werde würde, wie der jetzige vor dem Rathaus. Da weitere finanzielle Aspekte ebensfalls noch ungeklärt seien, entziehe sich dieser Standorte einer weiteren Beurteilung. Auf Nachfrage von Reinhard Jentzsch (Bürger-Forum) bestätigte Sibbel, dass die Zahl der städtischen Parkplätze zwar zunehmen, die Gesamtzahl in diesem Areal aber reduziert werden würde. Jentzsch sprach von einer „sich verschärfenden Parkplatzsituation im Zentrum“. Unklar sei noch, so Sibbel, ob der Investor eine Tiefgarage bauen wolle oder nicht. Zudem könne es auch dazu kommen, dass der Investor die geforderten Stellplätze durch eine Einmalzahlung ablösen wolle.

>Bahnhof: Das Projekt, das momentan am greifbarsten ist. Die Bahn ist bereit, ihren Bahnhof an die Stadt zu verkaufen und hat das Objekt aus ihrem bundesweiten Portefolio heraus genommen und der Regionalstelle in Hamburg zur Vermarktung übergeben. „Das ist ein gutes Zeichen“, sagte Bürgermeister Sibbel. Derzeit läuft die Wertermittlung, Ende 2013 soll das Ergebnis vorliegen. 2007 hatte die Bahn 600 000 Euro aufgerufen, der Kauf kam jedoch nicht zustande. Jetzt aber stehen die Signale auf Grün: Die Bahn hat eine weitgehende Absichtserklärung (Letter of Intent) gegenüber der Stadt abgegeben, und diese ist offenbar gewillt, das 3900 Quadratmeter große Grundstück in jedem Fall zu erwerben – auch falls es mit der Kinoplanung nichts werden sollte. „Diese Chance sollte man sich nicht entgehen lassen“, sagte FDP-Ratsherr Oliver Fink. Derzeit allerdings wird die Planung mit Kino vorangetrieben. Sibbel rechnet damit, dass der Kaufvertrag in vier bis sechs Monaten ausverhandelt und unterschriftsreif auf dem Tisch liegt. Die Stadt würde das GHrundstück zu einem marktüblichen Preis an den Investor und Architekten Hans-Jürgen Sindram aus Fockbek weiterverkaufen. Geplant seien auf dem Bahnhofsgelände im Moment zwei lichtdurchlässige Gebäude. In dem südlichen, zum ZOB und Taxistand gelegenenen Gebäude, sind fünf Kinosäle mit 770 Plätzen, ein Restaurant sowie etwa 800 Quadratmeter für einen Einzelhandel „in Richtung H+M“ geplant, führte Sibbel aus. Im zweiten, zum Parkplatz gelegenen Gebäude, soll im Erdgeschoss ein umsiedlungswilliger Lebensmittler aus der Innenstadt einziehen, weiter geplant sind ein Fitnessstudio, Physiotherapie und eventuell eine Discothek. Die Bahn selbst benötigt 300 Quadratmeter für das Reisezentrum, Service und „ausdrücklich auch die Bahnhofsmission“, sagte der Bürgermeister. Unterhalb der Gebäude ist eine Tiefgarage mit rund 100 Plätzen geplant, 100 weitere Stellplätze sollen im Außenbereich entstehen. Unabhängig davon arbeitet die Stadt gerade an der Planung für eine Aufstockung des P+R-Parkplatz zwischen Bahnhof und Schulweg. Die zusätzlichen Einzelhandelsflächen bedürfen allerdings noch der politischen Abstimmung. Zwar gebe es laut Einzelhandelsgutachten CIMA für die Innenstadt keine Beschränkungen wie im Hörst und der Ostlandstraße, erklärte der Bürgermeister, aber „fast 2000 Quadratmeter zusätzliche Einzelhandelsflächen – das ist nicht trivial“, entgegnete Bürgervorsteherin Himstedt.

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