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Bürgermeister setzt Zeichen : Kino: Baurecht 2017, Eröffnung 2019?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bürgermeister Jörg Sibbel erhöht den Druck in der Kino-Frage. Die Standortfrage für ihn kein Thema mehr: Es muss der Skaterpark sein. Nooröffnung: Verhandlungen mit Aldi

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erstellt am 14.Jan.2016 | 06:15 Uhr

Eckernförde | „Wir brauchen dringend ein kommerzielles Kino in Eckernförde.“ Bürgermeister Jörg Sibbel ließ daran gestern in einem Pressegespräch zu den bevorstehenden Weichenstellungen in Eckernförde keinen Zweifel. Seit gut vier Jahren und damit länger als befürchtet, ist das Ostseebad bereits Kino-freie Zone. Es ist kein Gewöhnungseffekt eingetreten, die Kino-Schließung im März 2012 sei ein „schmerzhafter Verlust für das Freizeitangebot in Eckernförde“. Für Sibbel ist die Kino-Standortfrage entschieden: Es kommt nur der Skaterpark im Schulweg in Frage. „Es gibt keinen anderen Standort in der Innenstadt, der groß genug wäre und zeitnah realisiert werden könnte.“ Diese in Teilen der Politik noch umstrittene Standortentscheidung solle in den nächsten Wochen getroffen werden. Letztlich gehe es dabei auch um die Frage: „Wollen wir ein Kino oder nicht?“ Die Variante „Kino ja, aber nicht auf dem Skaterpark“ ist für Sibbel keine Option mehr.

Nur am Schulweg sei innenstadtnah ausreichend Platz vorhanden. Das 10  000 Quadratmeter große Areal bietet Platz für ein Kino mit fünf Sälen und 700 Plätzen – laut Sibbel „ein Muss“ für alle interessierten Kinobetreiber und Investoren –, einen Verbrauchermarkt mit 1500 Quadratmetern Verkaufsfläche und ausreichend Parkraum. Der Skaterpark soll in Absprache mit den Jugendlichen einschließlich Grillplatz auf die gegenüberliegende Straßenseite ans Noor verlegt werden, auch der Busparkplatz soll dort untergebracht werden. Der Bürgermeister hofft bei dieser Rochade auf das Entgegenkommen des Kleingartenvereins, der die wenigen verbliebenen Parzellen aufgeben müsste. Obwohl ein Abstand von 25 Metern zum Noor-Ufer eingehalten werden muss, sei dort genügend Platz für Skater und Busse, sagte der Verwaltungschef. Für die Rolllaufbahn und Multifunktionsfläche mit Flutlichtanlage mit einer Gesamtfläche von 3800 Quadratmetern müsse ein Alternativstandort gefunden werden, man habe „etwas im Fokus“, so Sibbel.

Nach wie vor seien mehrere Investoren und Kinobetreiber am Standort Eckernförde interessiert, auch sie favorisierten den Schulweg als zentralen und verkehrlich gut angebundenen Standort. Der Bahnhof sei nach der „überraschend überzogenen“ Kaufpreisforderung von rund 900  000 Euro vom Tisch. 2007 hätte die Bahn das Gebäude der Stadt noch für 600  000 Euro angeboten – das wurde ausgeschlagen. Alles in allem hätte die Stadt als Zwischenhändler 1,6 Millionen Euro für die baureife Herrichtung des Bahnhofs zahlen müssen und es zu diesem Preis an den Investor weiterveräußern müssen. „Das hätte uns kein Investor abgekauft“, sagt Sibbel. Auch der ZOB sei mit seinem begrenzten Platz von 3500 Quadratmetern zu klein für die Kino-Verbrauchermarkt-Lösung. Das weitere Vorgehen: Standortfestlegung in den nächsten Wochen, Vorstellungen der Projekte durch Investoren und Kinobetreiber, Aufstellung eines Bebauungsplans beidseitig des Schulwegs und Auslobung eines hochbaulichen Wettbewerbs. Zeitplan: Baurecht im Sommer 2017, Fertigstellung 2019.


2017: Parkhaus und Wasserfläche


Auch an der Nooröffnung wird weiter mit Hochdruck gearbeitet. Bis Frühjahr 2017 wollen die Stadtwerke das neue, gebührenpflichtige Parkhaus an der Noorstraße errichtet haben, anschließend soll die – gebührenfreie – Parkpalette vor Aldi abgerissen werden. „Um eine Verschlechterung der Parkplatzsituation zu verhindern, müssen wir zeitnah den Bau zusätzlicher gebührenfreier Parkplätze am Schulweg und eventuell auch am Grünen Weg realisieren“, sagt der Bürgermeister. 50  000 Euro an Planungskosten sind dafür in den Haushalt 2016 eingestellt. Danach soll die Wasserfläche der Nooröffnung angelegt werden. Diese Überlegung liegt nahe, da anschließend höhere Erlöse beim Grundstücksverkauf erzielt werden können – Wasserlagen sind teurer. Um die etwa ein Hektar große und rund 1,50 Meter tiefe Wasserfläche anzulegen, müsse der Aldi-Markt, der noch einen mehrjährigen Pachtvertrag besitzt, seinen Standort an der Reeperbahn geräumt haben und das Gebäude abgerissen sein. „Wir befinden uns in Gesprächen mit Aldi“, erklärt der Bürgermeister. Vorstellbar ist eine finanzielle Entschädigung oder die Einigung auf einen neuen Standort im Nahbereich der Nooröffnung. Um hier schnell Fakten schaffen und die Wasserfläche vorziehen zu können, denke man über einen gesonderten B-Plan nach. „Ich hoffe, wir können damit 2017 nach dem Abriss der Parkdecks beginnen“, sagt Sibbel.

Laut Beschluss der Ratsversammlung werden an der Nooröffnung ausschließlich Mietwohnungen gebaut. Die Rede ist von 50 bis 70 barrierefreien Wohnungen. „Wir wollen eine gute Durchmischung“, erklärt der Bürgermeister. Es gehe dabei nicht nur um eine ansprechende äußere Gestaltung, sondern auch darum, „bezahlbaren Wohnraum in guter Lage für alle Generationen und für jeden Geldbeutel“ anzubieten. Mindestens 25 Prozent der Wohnfläche seien als sozial geförderter Wohnungsbau im 1. Förderweg mit einer Mietobergrenze von 5,20 Euro pro Quadratmeter zu erstellen.

Dass die Bürgerinitiative „Bauen in Eckernförde“ im Zuge der Nooröffnungsplanung ein Bürgerbegehren gegen die wasserseitige Bebauung der Gaehtjestraße anstrebe, sei ihr „legitimes Recht“. Man werde das auf diese Weise herbeigeführte Ergebnis akzeptieren. Die Stadt hatte Mehrkosten von 1,45 Millionen Euro für den Fall errechnet, dass die geplante Bebauung Gaehtjestraße nach einem Bürgerentscheid nicht realisiert werden sollte.

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