Kindheitserinnerungen am dünnen Faden

Bauernhof-Krimi: 'Ein Fall für Freunde'. Foto: ez
Bauernhof-Krimi: "Ein Fall für Freunde". Foto: ez

Avatar_shz von
05. Februar 2011, 06:15 Uhr

Kappeln | Es geht wieder los: Einmal im Jahr hängt das kulturelle Leben in der Schleistadt nicht am seidenen, aber am dünnen Faden. Vom 10. bis 19. März finden in Kappeln und Umgebung die 24. Figurentheatertage statt. Und nicht nur für Christopher Dank, in der Stadtverwaltung zum ersten Mal zuständig für die Organisation, ist der zehn Tage dauernde Ausnahmezustand eine Premiere. Auch einige Bühnen lüften in Kappeln das erste Mal ihre Vorhänge.

"Nur Gutes" habe sie vom Kappelner Puppenspielfestival gehört, sagt Eleen Dorner. Ob das Gehörte zutrifft, wird ihr Ehemann Markus prüfen - sein Solostück "Don Camillo und Peppone" eröffnet den Theaterreigen am Donnerstag, 10. März. Das Dornerei-Theater steht zum ersten Mal in Kappeln auf der Bühne, normalerweise tritt das Ehepaar Dorner eher im süddeutschen Raum auf, das erspart lange Anreisewege. Für Kappeln aber nimmt Dorner den langen Weg aus dem rheinland-pfälzischen Neustadt in Kauf, zumal er mit "Don Camillo und Peppone" eine Kindheitserinnerung mitbringen darf. "Ich habe sehr früh die alten Filme gesehen, die im italienischen Brescello spielen", sagt Dorner. "Meine Schwägerin kommt aus einem Nachbarort, ich kenne also die Originalschauplätze." Und um die Atmosphäre aus den Erzählungen Giovanni Guareschis möglichst getreu wiederzugeben, hat Dorner unter anderem ein Fahrrad aus der Gegend vom Ufer des Po mitgebracht und seine Kulisse in ein sanftes Terrakotta getaucht. Der Puppenspieler sagt, die erste Fassung der Spielfilme aus den 50er-Jahren für das Figurentheater entworfen zu haben - "es ist schön, wenn man noch ein Thema findet, dem sich bislang keiner gewidmet hat". Derweil ist die Geschichte bekannt: Hochwürden kontra Bürgermeister, zwei Männer auf Konfrontationskurs, gleichzeitig in Freundschaft verbunden. Dorner zeigt sein Stück im Handpuppenkasten, lässt die beiden Protagonisten als Holzköpfe aufeinander treffen - "im wirklichen und im übertragenen Sinne".

Das junge Publikum darf sich in den Tagen unter anderem auf "Die Geschichte vom Mäuseken Wackelohr" freuen. Gabriele Parnow-Kloth und Dörte Kiehn spielen in Winnemark und das bereits zum dritten Mal mit konstanter Begeisterung. "Wir erleben immer wieder, dass die Veranstaltung sowohl von der Bevölkerung als auch von den Feriengästen mitgetragen wird", sagt Parnow-Kloth. "Auf uns wirkt das so, als würden die Figurentheatertage quasi mit den Menschen zusammen gestaltet werden." Parnow-Kloth möchte mit ihrem "Theater Tandera" einen eigenen Erlebnisraum schaffen, eine Stätte, in der gerade für Kinder nicht alles über das Wort, sondern über Bilder transportiert werden kann. "Figurentheater ist deshalb ein tolles Medium", sagt sie, "weil die Kinder die Puppen als Stellvertreter wahrnehmen und man so sehr behutsam mit ihren Erfahrungen umgehen kann".

Ebenfalls für Kinder spielt das Theater "Con Cuore" mit Stefan und Virginia Maatz. Ihr Stück dreht sich um, wie ihn der englische Autor A. A. Milne selber genannt hat, "einen Bären von sehr geringem Verstand" - Winnie Puuh. Das Ehepaar präsentiert das Theater als Mischform, ist selber Teil der Inszenierung, Puuh, Ferkel und Eule sind als Tischfiguren gefertigt. Aus dem oberhessischen Schlitz treten Virginia und Stefan Maatz zum zweiten Mal den Weg nach Kappeln an - aus gutem Grund, wie Stefan Maatz betont: "Gemessen an dem kleinen Einzugsgebiet sind die Besucherzahlen gigantisch." Er freut sich auf seine jungen Zuhörer, will mit seinem Stück familiäre Werte und Erinnerungen an die Kinder weitergeben und nennt sie gleichzeitig "meine besten Pointengeber".

Und so scheint aus irgendeinem Grund das Motto der 24. Figurentheatertage schon im Vorfeld festzustehen: Nachsinnen, Erinnerung, Kindheit, Tradition - große Worte, denen aber auch Organisator Christopher Dank durchaus etwas abgewinnen kann. "Ich freue mich besonders auf den Zauberlehrling ", lässt der 21-jährige Verwaltungsmitarbeiter durchblicken. "Das ist für mich auch ein Stück Erinnerung an die Schulzeit."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen