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„Kinderstation dringend erforderlich“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Geburt e.V. weist Kritik von Imland-Geschäftsführer Johannsen an deren Berechnungen zurück

„Die Aussage von Geschäftsführer Dr. Johannsen, die Berechnungen von Geburt e. V. würden ideale Bedingungen beschreiben, teilen wir. Es ist die ideale Führung einer Geburtsklinik nach den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die die Krankenhausfinanzierung vorgibt. Diese belohnt Fallzahlen und Fallschwere. Eine Station gegen diese Vorgaben zu führen, bedeutet eine Unterdimensionierung und ist immer defizitär. Es muss aber Anliegen des Kreises sein, die Abteilung so wirtschaftlich wie möglich zu führen. Und deshalb ist eine Kinderstation auch dringend erforderlich.“ Das betont Berit Eigenbrod, Vorsitzende von Geburt e. V., in einer Pressemitteilung zur Stellungnahme der Imland-Klinik („Lückenhaft und realitätsfern“, siehe EZ v. 17. Juni).

„Die Zahlen, die wir bei unseren Berechnungen zugrunde legten, stammen von der Imland GmbH“, merkte die gesundheitspolitische Sprecherin von Geburt e.V., Alexandra Bruns, weiter an. „Zweifelt Imland diese an, so müsste sie sich selbst widersprechen.“

Dass die Kosten der ehemaligen Belegärzte in der Kinderstation als Honorarkräfte nicht enthalten sind, werde in dem Gutachten auch erläutert „und ist folgerichtig.“ Das Gutachten von Geburt e. V. beantworte die Frage, welchen Wirtschaftsfaktor die Kinderstation für die Geburtshilfe hat. Da die Kinderärzte auch ohne Kinderstation für die neonatologische Versorgung der Geburtshilfe tätig sind, seien ihre Kosten der Geburtshilfe zuzurechnen. Die Ärzte würden, wie im Ergebnis auch zu lesen sei, im Falle einer Wiedereröffnung der Kinderstation zu den gleichen Kosten auch auf dieser tätig sein. Sie optimierten somit die Erlöse. „Die Honorarärzte übernehmen ein Drittel der Dienste“, erklärte Bruns weiter. Dies bedeute, dass die Imland-Klinik für die Kinderstation mit den zugrunde liegenden Personalkosten nur 3,2 Stellen bezahlen müsste. „Damit entfielen auf jede Facharztstelle 140  625 Euro. Das sind über 20  000 Euro mehr als Dr. Johannsen als realistisch einstuft.“ Die Arbeitsbelastung betrage an 20 Tagen pro Monat je acht Stunden, rechnet Alexandra Bruns weiter vor. Übliche Krankheits- und Urlaubstage seien damit bereits einberechnet worden. „Die wirtschaftliche Notwendigkeit einer Kinderstation gilt für eine Hauptabteilung der Geburtshilfe um so mehr, weil diese höhere Kosten als eine Belegstation hat. Die Kinderstation wird erst die Möglichkeit eröffnen, zu einer Belegstation zurückzukehren.“

Vorsitzende Berit Eigenbrod sieht den Ansatz von Geburt e. V. nun auch landespolitisch gestärkt: „Der vorliegende Koalitionsvertrag beinhaltet nicht nur die von uns erhoffte Versorgungssicherstellung, die zukünftig die Defizite von Geburts- und Kinderstationen ausgleichen könnte, sondern auch Zuschüsse vom Land zu den Haftpflichtprämien für Hebammen und Ärzte. Und die Entwicklung zu einem perinatalen Schwerpunkt unter einem neuen Minister ist durchaus denkbar.“

Dies seien weitere Idealbedingungen um eine Fortführung der Versorgung in Eckernförde zu wagen. Die Station sei aufgrund ihrer guten menschlichen und fachlichen Versorgung über die Region hinaus nachgefragt. „Ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum die Versorgung ausgerechnet im Jahr ihrer stärksten Geburtenrate geschwächt wurde und hoffe, dass der Eigentümer sein Zutrauen in den Erfolg der Arbeit der Hebammen und Ärzte bekräftigt“, so Eigenbrod.

Der Verein Geburt e. V. sei gerne bereit, Fragen zum Gutachten zu beantworten. Interessierte könnten sich jederzeit an den Vorstand wenden. Anliegen des Vereins ist es, den Hebammenberuf und die flächendeckende wohnortnahe Versorgung mit Geburtshilfe zu stärken. Ziel ist es, für jede Gebärende die 1:1-Betreuung unter der Geburt sowie die freie Wahl des Geburtsortes zu erreichen.

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erstellt am 19.Jun.2017 | 06:56 Uhr

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