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Erneuerbare Energien in SH : Kiel grenzt Windkraft-Gebiete ein

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Staatskanzlei stellt Ausbaukriterien vor. Windräder sollen danach an weniger Orten stehen als bisher geplant.

Kiel | Viel Streit um weit entfernte Positionen: Der Windenergie-Ausbau in Schleswig-Holstein polarisiert und wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Seitdem das Oberverwaltungsgericht die bisherigen Regionalpläne gekippt hat, arbeitet die Staatskanzlei mit Hochdruck an einer neuen Planung. Erste Ergebnisse und Ziele sind jetzt auf einer von vier Regionalkonferenzen in der Nordmarkhalle präsentiert worden. Dabei wurde klar: Windräder sollen sich auf viel weniger Orte konzentrieren als bisher geplant.

Proteste von Naturschützern und Anwohnern machen die Ansiedlung von Windkraftanlagen nicht einfach. Helfen könnte jetzt, dass in Schleswig-Holstein weniger Flächen dafür genutzt werden sollen.

Rund 650 Bürger aus dem Planungsraum II, also den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön sowie den Städten Kiel und Neumünster, ließen sich vom Leiter der Staatskanzlei, Thomas Losse-Müller, und der Energiewende-Staatssekretärin Dr. Ingrid Nestle über die Pläne des Landes informieren. „Es ist uns wichtig, einen fairen und klaren Prozess zu haben“, bekräftige Losse-Müller. Das ausgegebene Ziel, zwölf Gigawatt aus Windstrom zu erzeugen, sei „kein Pappenstiel“ und bedeute weitreichende Eingriffe in Natur und Landschaft.

„Ein großer Konflikt, mit dem wir uns auseinanderzusetzten haben“, pflichtete der Chef der Staatskanzlei bei. Von den im November veröffentlichten Potenzialflächen seien nach Filterung durch elf harte und rund 30 weiche Tabu-Kriterien noch 3,7 Prozent der Landesfläche als Abwägungsbereiche übrig. Jeder Einzelfall davon wird anhand von 30 weiteren Kriterien überprüft. Nach der Beteiligung der Öffentlichkeit sollen am Ende auf zwei Prozent der Landesfläche Windenergieanlagen stehen.

Dass dieses Vorhaben kein einfaches Unterfangen ist, zeigte die Diskussion. Zum Pro und Contra der Themen Arbeitsplätze, Abständen zu Siedlungen, Tourismus oder Infraschall standen die Experten Rede und Antwort. „Wir werden im Sommer einen Workshop zum Infraschall veranstalten“, versprach Dr. Ingrid Nestle.

Mit konkreten Fragen nach Rendsburg gekommen waren unter anderem auch Ole Bening und Detlef Kroll, die Bürgermeister aus Holzbunge und Ahlefeld-Bistensee. „Das Amt Hüttener Berge scheint nicht mehr so betroffen zu sein“, stellte Ole Bening nach einem Blick auf die neuen Karten fest, in der die Staatskanzlei die neuen Flächen verzeichnet hat. „Wir wissen aber nicht, weshalb die Flächen herausgefallen sind.“

Die Gemeindevorsteher hofften ebenfalls auf zusätzliche Informationen bezüglich der Abwägungskriterien. „Damit wir in der Gemeinde den Druck aus der Thematik nehmen können“, erläuterte Detlef Kroll, der neben kritischen Stimmen auch positive Resonanz von einigen Landwirten in seiner Gemeinde hört. „Wichtig ist, dass wir uns anhören, wie wir uns als Gemeinde einbringen und unsere Interessen bekunden können“, waren sich Bening und Kroll einig.

Einige Fragen der Bürgermeister sollten im zweiten Teil der Regionalkonferenz beantwortet werden. Im Naturpark Hüttener Berge ist ein großer Teil als charakteristischer Landschaftsraum eingeordnet worden. Abstände zu Flora-Fauna-Habitaten, Wäldern und Gewässern sowie Landschaftsschutzgebiete haben als weiche Tabu-Kriterien wohl zum Ausschluss der rund um Wittensee und Bistensee befindlichen Flächen gesorgt. Nach dem politischen Beschluss der Pläne im Sommer werden sich alle Bürger und Gemeinden im Rahmen von Stellungnahmen flächenbezogen am Prozess beteiligen können. Ein einfaches positives oder negatives Votum einer Gemeinde reiche jedoch nicht mehr aus, erläuterte Thomas Losse-Müller abschließend. „Der Gemeindewille muss explizit begründet werden“. Weitere Informationen zu den Windeignungsflächen sowie die vollständige Karten gibt es im Internet unter schleswig-holstein.de/windenergie

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