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Palliativ Care : „Keiner muss mehr zum Sterben ins Krankenhaus“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Spezialisierte Pflegekräfte des Diakonievereins begleiten todkranke Menschen zu Haus

shz.de von
erstellt am 29.Aug.2014 | 15:30 Uhr

Gettorf | Herr G. erfährt, dass seine Krankheit nicht mehr zu heilen ist und er bald sterben wird. Sein größter Wunsch ist, bis zum Schluss zu Hause bei seiner Familie bleiben zu können. Die Aufgabe, es ihm und seinen Angehörigen die letzten Wochen und Tage so leicht wie möglich zu machen, hat das Palliativ Care Team des Diakonieverein Dänischer Wohld übernommen. Seit Februar 2013 verfügt der Verein, der sich seit 125 Jahren um die häusliche Pflege kranker und pflegebedürftiger Menschen kümmert, über so ein speziell ausgebildetes Team. „Keiner muss mehr zum Sterben ins Krankenhaus“, erklärt Pflegefachkraft Mike Sierks (31), der das Team leitet. „Wir bieten medizinisch fachliche Beratung unheilbar kranker Menschen und ihrer Angehörigen in der eigenen Häuslichkeit.“ Das Ganze nennt sich spezialisierte, ambulante, palliative Versorgung, kurz SAPV. Die Leistung wird vom Arzt verordnet, die Kosten übernehmen die Krankenkassen.

Zum Team gehören Martje Wulf (42), Elke Empen (54) und Stephanie Lange (40). Sie alle sind Pflegefachkräfte mit spezieller fachlicher Weiterbildung in Palliativ Care. Palliativ Care, also Palliativpflege, ist ein Gesamtkonzept, das körperliche, psychische, soziale und spirituelle Aspekte mit einschließt. „Es ist eine ganzheitliche Betreuung, die viel mit Würde und Respekt zu tun hat“, erläutert Mike Sierks. Dahinter steht ein ganzes Netzwerk aus Ärzten, Apotheke, Sanitätshaus, Seelsorgern und ehrenamtlichen Hospizhelfern vom Hospizverein Dänischer Wohld. Das Team spricht von Pionierarbeit. Das Thema Sterben und Tod ist noch immer nicht angekommen in der Gesellschaft. „Viele wissen gar nicht, dass es das hier im Dänischen Wohld gibt“, sagt Mike Sierks. Doch langsam trägt die Arbeit Früchte. Die meisten Menschen möchten zu Hause im Kreis der Familie sterben, weiß er. Doch letztendlich seien es nur fünf Prozent oder noch weniger, denen das zuteil wird. Die meisten sterben im Krankenhaus. Im kleinen Einzelzimmer mit kaum Personal zur Betreuung. Er hat im Krankenhaus in der Onkologie, auf der Krebsstation gearbeitet. Sein Team steht 24 Stunden zur Verfügung. Sie legen Infusionen an, leiten eine Schmerztherapie ein, besorgen Sauerstoffgerät, Handventilator oder eine druckentlastende Matratze, damit keine Geschwüre entstehen. „Wir wissen, was vorkommen kann und besprechen uns als Team.“

Der Palliativfacharzt kommt umgehend in Absprache mit dem Hausarzt, Medikamente sind innerhalb von wenigen Stunden vor Ort. Auch Hilfsmittel wie ein Pflegebett erhält der Kranke noch am selben Tag. „Viele haben Angst vor Schmerzen“, bestätigt Mike Sierks. „Aber die muss man nicht mehr haben heutzutage.“ Schmerztherapie bedeute nicht Morphium bis zum Schluss. Es gebe auch andere hervorragende Medikamente, die die Schmerzen nehmen und dabei kaum das Bewusstsein eintrüben. „Es ist alles ganz individuell. Da gibt es kein Schema F.“ Ebenso erhalten die Angehörigen Unterstützung. Für sie ist die Zeit genauso belastend. „Das ist ganz wichtig“, wissen die Pflegefachkräfte Elke Empen und Martje Wulf. „Wir gehen immer mit einem Lächeln rein“, erzählen sie. Und am Sterbebett werde auch gelacht oder mal gemeinsam ein Butterbrot gegessen. „Man muss nicht immer nur helfen“, sagt Martje Wulf. „Manchmal hilft es auch, einfach nur da zu sein. Die Erfahrung habe ich gemacht.“

 

Wer das Palliativ Care Team des Diakonievereins in Anspruch nehmen möchte, wendet sich an den Hausarzt oder direkt an den Diakonieverein Dänischer Wohld. www.diakonie-gettorf.de

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