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Eckernförder Zeitung

16. August 2017 | 15:44 Uhr

Viel zu tun : Keine Zeit zum Rasenmähen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Friedhofsgärtner der Kirchengemeinde Kosel hofft auf Verstärkung. Seit Februar ist eine halbe Stelle nicht besetzt. Ehrenamtliche Helfer werden gesucht.

Kosel | Zwischen April und Juni, da fällt die meiste Arbeit auf einem Friedhof an, sagt Matthias Tramm. Er ist seit fünf Jahren bei der Kirchengemeinde Kosel als Friedhofsgärtner angestellt. Er betreut an den Kirchen in Kosel und Fleckeby insgesamt drei Hektar Fläche. In diesem Jahr aber kommt der Gartenprofi kaum noch hinter her: So viel Arbeit gibt es, die er seit dem 1. Februar auch noch alleine bewältigen muss. Sein Kollege Klaus Uecker, der eine halbe Stelle hatte, ging in Rente. Geld, um die halbe Stelle neu zu besetzen, das hat die Kirchengemeinde Kosel aber derzeit nicht, wie Pastorin Susanna Kschamer, zugleich Vorsitzende des Kirchengemeinderates , auf EZ-Nachfrage mitteilt. Die Stelle wurde bislang nicht neu besetzt.

Der Betrieb des Friedhofs macht Defizite, ergänzt Ernst Settler. Er ist stellvertretender Kirchengemeinderats-Vorsitzender und Vorsitzender des Friedhofsausschusses. Der Kirchengemeinderat kenne die Nöte und wisse, wie schwer es Tramm habe. Man bemühe sich um eine Lösung, aber das sei schwer, so Settler.

Die Ursache für das Defizit liegt auch in den veränderten Bestattungsgewohnheiten begründet, sagt Kschamer. So sinke einerseits die Zahl der Bestattungen und gleichzeitig steige der Anteil an Urnen-Bestattungen gegenüber den Erdbestattungen. War das Verhältnis 2015 noch in etwa ausgeglichen, so hätten sie in diesem Jahr schon zwölf Urnenbestattungen und nur drei Erdbestattungen vorgenommen, berichtet Tramm. Die Gebühren für eine Urnenbestattung und ein Urnengrab seien allerdings geringer, so dass die Einnahmen des Friedhofs entsprechend auch geringer ausfielen, wie Kschamer erläutert.

Da die Bewirtschaftung des Friedhofs eine hoheitliche Aufgabe ist, und sich nur aus den Gebühren für Beerdigungen, der Grabpflege, Spenden und Zuwendungen der politischen Gemeinden tragen muss, könne der Kirchengemeinderat auch nicht hingehen und Kirchensteuermittel einbringen, so Pastorin Kschamer.

Den Ärger der Friedhofsbesucher bekommt Tramm ab. Doch was soll er tun, fragt er. In den letzten zwei Woche habe er an 70 Pflegegräbern die Frühjahrsblumen entfernt, abgesackte Gräber mit Erde aufgefüllt und gut 2000 Eisbegonien neu gepflanzt. Das seien eine Woche Vorarbeit und eine Woche pflanzen gewesen, sagt er. In der Zwischenzeit „ist die Natur explodiert“ und der Rasen stark gewachsen. Das habe er auch gesehen, aber zerreißen könne er sich nicht. So rechnet er bei gutem Wetter mit etwa eineinhalb Tagen Arbeitszeit nur, um den rund einen Hektar großen Friedhof in Kosel zu mähen. Ein Tag mit dem Aufsitzmäher und einen halben Tag mit dem Handmäher. In Fleckeby rechnet er bei zwei Hektar mit gut der doppelten Zeit. Wenn die Not am größten sei, dann helfe Uecker ihm mal ehrenamtlich. Hilfe bekommt Tramm zuweilen von seinem Sohn Michel (15), der ihm das Rasenmähen abnimmt. Doch der konnte jetzt auch nicht helfen. Wie es während seiner Urlaubszeit sein wird, weiß Tramm noch nicht.

Spontan sprang diese Woche Ernst Settler ein. Der 78-Jährige kletterte auf den aus Fleckeby geholten zweiten Aufsitzmäher, um Tramm zu helfen. Die Leute sollten weniger meckern und lieber „mal mit anpacken“, sagt er. Helfer könnten sie immer gebrauchen. Die dürften sich gerne bei ihm oder im Kirchenbüro melden. Die Idee, die Bürger zu einer Gemeinschaftsaktion, beispielsweise Laubharken, einzuladen, fand Settler gut.

Helfen könnten die Friedhofsbesucher auch, in dem sie nicht verrottbare Verpackungen von Blumen wieder mit nach Hause nehmen und nicht in die Körbe für Pflanzenreste werfen würden, stellt Tramm fest. Das zu trennen und gesondert zu entsorgen, koste auch Zeit, sagt Tramm. Die Arbeit auf dem Friedhof hat er bereits noch mit Uecker optimiert. Dazu haben sie Sträucher versetzt und Flächen optimiert, damit sie mit dem Aufsitzmäher gemäht werden können. „Wer mich anspricht, dem erkläre ich, wieso das eine oder andere noch nicht erledigt ist“, sagt Tramm. Dabei kann Tramm dann auch erklären, dass die Rasenflächen, auf denen im Frühjahr tausende von Krokussen so schön blühen, erst im Juni gemäht werden, wenn die Pflanzen ihre Energie in die Zwiebeln zurück eingelagert haben.

Pastorin Kschamer gibt zu bedenken, dass die Einzelnen bei der Wahl für eine Urnenbestattung zwar sparen würden, die Fixkosten für den Friedhof aber blieben. Sie arbeiteten mit Hochdruck an einer Verbesserung der Situation, zugleich bitten sie um Verständnis.

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erstellt am 13.Jun.2016 | 06:31 Uhr

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