10 Jahre Amt Hüttener Berge : Keine Spur von Fusions-Frust

Andreas Betz (l.) und Gero Neidlinger haben gemeinsam die Ämterfusion 2008 aktiv begleitet. Mit dem Erreichten sind beide sehr zufrieden.
Andreas Betz (l.) und Gero Neidlinger haben gemeinsam die Ämterfusion 2008 aktiv begleitet. Mit dem Erreichten sind beide sehr zufrieden.

Vor zehn Jahren schlossen sich die beiden Ämter Wittensee und Hütten zum neuen Amt Hüttener Berge zusammen

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20. Februar 2018, 06:44 Uhr

Eine „Zwangshochzeit“ nannten viele das, was die Landesregierung damals von den kommunalen Selbstverwaltungen verlangte. Die Ämter, in denen weniger als 8000 Menschen lebten, sollten sich „freiwillig“ zusammenschließen. Schmackhaft gemacht wurde diese Fusion mit einer Prämie von 250 000 Euro. Durch diese Strukturreform sollten die Verwaltungen professioneller, bürgernäher und wirtschaftlicher werden. Nach vielen Verhandlungen und Sondierungsgesprächen schlossen sich zum 1. Januar 2008 die Ämter Hütten und Wittensee zum neuen Amt Hüttener Berge zusammen.

Als die Pläne der Landesregierung bekannt wurden, wurde kritisiert, dass allein die Einwohnerzahl nicht als Kriterium für eine Fusion herangezogen werden dürfe. „Wir hätten diesen Zusammenschluss von uns aus nicht angestrebt“, sagt Gero Neidlinger, seit der Fusion Amtsvorsteher. Man habe bereits vertrauensvoll amtsübergreifend kooperiert, beispielsweise bei der ländlichen Struktur- und Entwicklungsanalyse.

Natürlich habe es bei den Mitarbeitern große Unsicherheit darüber gegeben, wo sie künftig eingesetzt werden. Um seinen Job musste zwar keiner bangen, aber der Arbeitsplatz oder der Aufgabenbereich, der veränderte sich bei nahezu allen. Es gab und gibt ja zwei Verwaltungsgebäude, die ein Zusammenwachsen nicht einfacher machten. Diese bauliche Situation würde Gero Neidlinger gerne in der nächsten Legislaturperiode anpacken, um Kosten zu sparen.

Trotz gleicher Richtlinien, Gesetze und Vorschriften, die im Amt Hütten und Wittensee galten, waren es dennoch zwei unterschiedliche Mentalitäten und Kulturen, die gelebt wurden, sagt Neidlinger. „Der Zusammenschluss wurde extern begleitet“, sagt der 73-Jährige. In Rahmen von Workshops fanden die Mitarbeiter zusammen, brachten Ideen ein, die auch umgesetzt wurden. Eine gemeinsame Berlin-Fahrt förderte zusätzlich das Wir-Gefühl der Mitarbeiter. „Es gab eine To-Do-Liste, die aufzeigte, welche Baustellen angepackt werden müssen“, so Neidlinger. Beispielsweise sei das Bürgermeisterbüro von den damaligen beiden Amtsausschüssen auf den Weg gebracht worden. „Eine Einrichtung, um die insgesamt 178 Gemeindevertreter zu managen“. „Wir haben eine gut funktionierende Verwaltung und eine hohe Mitarbeiter-Zufriedenheit“, betont der Amtsvorsteher. Haupt- und Ehrenamt hätten das Wohl der Region im Blick.

Am 1. August 2007, fünf Monate vor der Fusion, wurde Andreas Betz als Leitender Verwaltungsbeamter (LVB) im Amt Hütten eingestellt. „Ich habe motivierte Mitarbeiter vorgefunden“, berichtet Andreas Betz, der fünf Monate später zum LVB des neuen Amtes und der 17 Gemeinden wurde.

Fünfeinhalb Jahre später ernannte der Amtsausschuss Hüttener Berge Betz zum Amtsdirektor. „Eine absolut richtige Entscheidung“, findet Neidlinger. Das große Amt verlangte auch eine hohe Verantwortung. Diese einem Ehrenamtler in Person des Amtsvorstehers zu überlassen, sei nicht mehr zeitgemäß.

„Ich war lange Jahre Leistungssportler, habe Lust, etwas zu bewegen und will die Region voranbringen“, sagt Betz. Die Zukunftsstrategie Daseinsvorsorge 2012 oder der Glasfaserausbau waren Projekte, mit denen das Amt bundesweit von sich als Vorreiter reden machte. Auch das neueste Vorhaben, die digitale Agenda, hat Vorbildcharakter. Auch die Flüchtlingskrise hätte man gemeinsam gemeistert. „Das sind Projekte, die zusammenschweißen“, so Betz, der sich dabei einer schlagkräftigen Truppe sicher sein konnte, wie er betont. Den Amtsausschuss hätte er dabei als kritischen Partner an seiner Seite gehabt. Letztlich seien es alle Erfolgsgeschichten gewesen, einen Flop habe es nicht gegeben.

Ziele für die Zukunft? „Wir wollen ein innovativer Verwaltungsdienstleister für die Gemeinden und deren 15 000 Haushalte bleiben“, sagt Betz. Die Digitalisierung solle vorangebracht werden, das Amt bedarfsgerecht wachsen, um die Infrastruktur in den Gemeinden zu erhalten.

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