zur Navigation springen

Dicke Luft : Keine Schiffsfahrten mehr: Skipper will festen Liegeplatz

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Skipper Andreas Twesten stellt seine Förderundfahrten mit der „Tu solo Tu“ ein. Er fordert einen festen Liegeplatz.

shz.de von
erstellt am 08.Sep.2015 | 05:41 Uhr

Eckernförde | Andreas Twesten ist wütend. „Ich biete keine weiteren Schiffsfahren mehr an“, sagt er. „Unter diesen Umständen kann ich nicht überleben.“

Seit zehn Jahren liegt er mit seiner Yacht „Tu solo Tu“ im Stadthafen und ist nach dem Verkauf der Seebad Borby der einzige, der noch regelmäßige Fördefahrten anbietet. Am R.SH-Kindertag jedoch konnte er das nicht. Da lag er im abgesperrten VIP-Bereich direkt neben der Bühne. „Ich lebe davon, dass ich Schiffsfahrten anbiete und von meinem Schiff aus Crêpes verkaufe“, erklärt er. Das war dort nicht möglich.

1500 Fahrgäste habe er in der vergangenen Saison befördert. Doch immer wieder habe er in der Vergangenheit bei größeren Veranstaltungen mit seiner Yacht weichen müssen, einmal musste er an den Museumssteg im Innenhafen wechseln. Für ihn sei das geschäftsschädigend.

Dann suchte er das Gespräch mit Politik und Verwaltung und erreichte einen Kooperationsvertrag mit der Eckernförde Touristik und Marketing GmbH. „Seitdem ging es gut, aber jetzt fängt es schon wieder an“, so Twesten. „Da wird am Kindertag lieber einige Meter weiter die Marine mit Kriegsgerät in den Hafen geholt, anstatt mir die Möglichkeit zu geben, Fahrten anzubieten. Das finde ich bedenklich.“ Auch beim Tag der Marine im Stadthafen habe er an dem Räucherei- und Gastronomieschiff Herta anlegen müssen. Hinzu komme der Verdienstausfall durch den Auf- und Abbau der Bühne und der Buden.

Jetzt präsentiert er 8000 Unterschriften von Menschen, die seine Forderung nach einem festen Platz an der Hafenpromenade unterstützen. Er weist darauf hin, dass viele Gäste es schätzen würden, mit einem 53 Jahre alten, liebevoll gepflegten Segler Fahrten unternehmen zu können – als einzige Möglichkeit in Eckernförde. Sollte sich nichts ändern, erwägt er, mit seinem Schiff in eine andere Hafenstadt zu wechseln.

Der R.SH-Kindertag hat unterdessen auch bei manch anderem für Verstimmung gesorgt, weil die Gastronomieschiffe von Zelten oder Zäunen zugebaut wurden. So blieb sowohl für die Herta hinter der Fläche für die Rollstuhlfahrer nur ein Korridor als Zugang, während die Andreas Gayk hinter Zelten kaum wahrzunehmen war. „Einfach alles zuzubauen, ist nicht in Ordnung“, sagt auch Alexander May von den Fischwagen „Mehrfisch“ und dem „Café Adele“ im Appartementhaus an der Hafenspitze. „Wir leben hier auch im Winter, zahlen hier unsere Steuern.“ Veranstaltungen wie der Kindertag seien wichtig für die Gastronomen. Keinen Vorwurf wolle er allerdings der ETMG machen, die sich sehr bemüht habe. Twesten dagegen kreidet gerade ihr die Situation an.

Für die Vergabe der Liegeplätze ist die ETMG aber gar nicht zuständig, sondern die Stadtwerke. Dort war der Geschäftsführer gestern nicht zu erreichen, doch Peter Möller von der ETMG wies darauf hin, dass kein Schiff im Hafen einen festen Liegeplatz habe. „In anderen Häfen ist das genauso.“ Bei großen Veranstaltungen gebe es eine Sondernutzungsvereinbarung, nach der Zugänge zu den Schiffen gewährleistet werden müssen.

Auf die bezieht sich auch Daniel Spinler von der Baltic Eventmanagement als einer der ausführenden Veranstalter des Kindertages: „Daran haben wir uns gehalten.“ Eine mittelfristige Betrachtungsweise schlägt Stephan Heinrich von SH Events als Zuständiger für die Vergabe der Plätze von Vereinen und Verbänden vor: „Viele Leute lernen Eckernförde bei solchen Veranstaltungen als schöne Stadt kennen und kommen danach wieder. Davon profitiert dann auch die Gastronomie.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen