Müllvermeidung : Keine Plastiktüten mehr am Kutter

Ein Bild, das schon morgen der Vergangenheit angehören soll: Fischer dürfen künftig keine Plastiktüten mehr herausgeben.
1 von 2
Ein Bild, das schon morgen der Vergangenheit angehören soll: Fischer dürfen künftig keine Plastiktüten mehr herausgeben.

Die neue Verordnung zur Müllvermeidung betrifft auch den Fischverkauf vom Kutter. Kunden müssen selbst Transportbehältnisse mitbringen.

shz.de von
31. Dezember 2016, 06:34 Uhr

Eckernförde | Fischliebhaber aufgepasst: Ab dem 1. Januar gilt die neue Satzung der Stadt Eckernförde zur Müllvermeidung bei Veranstaltungen. Demnach dürfen Standbetreiber keine Plastiktüten mehr an ihre Kunden abgeben. Als Veranstaltung gilt nach Aussagen des Ordnungsamtes auch der Fischverkauf direkt vom Kutter am Hafen. Die Fischer sind in diesem Fall Standbetreiber. Das bedeutet, dass die Fischer ihren Kunden keine Plastiktüten mehr aushändigen dürfen. Wer also in Zukunft frischen Fisch vom Kutter kaufen möchte, muss seine Plastiktüte selbst mitbringen oder wie in alten Zeiten mit einem Eimer oder einem Korb aufkreuzen.

Die Fischer stehen der neuen Regelung skeptisch gegenüber. „Sie ist ja in Ordnung, aber für uns nicht praktikabel“, sagt zum Beispiel Nebenerwerbsfischer Jochen Vick, der noch einige tausend Plastiktüten vorrätig hat. Alternativen zur Plastiktüte sieht er nicht wirklich. Papiertüten seien für den Transport feuchter Fische nicht geeignet, die Lagerung auf einem Boot aufgrund der Nässe problematisch. „Wir fragen schon jetzt jeden Kunden, ob er eine Tüte dabeihat, damit wir nicht extra welche herausgeben müssen.“ Doch eine positive Antwort erhalte er von den wenigsten. Wer also seine eigene Tüte vergessen hat, falle ab Januar als Kunde schonmal weg, ebenso die Spontankunden.

Alternativ könnten Beutel verwendet werden, die zu 100 Prozent biologisch abbaubar, aber dafür auch teurer sind. Preiserhöhungen schließt ein anderer Fischer deshalb nicht aus. Zurzeit kostet ein Kilo Butt oder Dorsch vier Euro.

Dorsch wird es in nächster Zeit allerdings nur wenig im Direktverkauf geben. Neben einer drastischen Kürzung der Fangquote zum Schutz des Bestandes in der westlichen Ostsee ist laut Amtsblatt der Europäischen Union ein Fangstopp für die Monate Februar und März angeordnet. Diese Schonzeit gilt für „alle Fischereifahrzeuge und damit auch für diejenigen der Nebenerwerbsfischer und diejenigen unter acht Metern“, bestätigt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn. Ein weiterer Fangstopp von 30 Tagen betrifft laut Bekanntmachung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung alle Kutter mit einer Länge (über alles) von über acht Metern. Diese „Schließungszeit“ wird zu je drei 10-Tagesblöcken in den Fangzeiten vom 1. bis 31. Januar und vom 1. April bis 30. Juni 2017 festgelegt.

Magere Zeiten also für die Liebhaber frischen Ostseedorsches. Sie müssen auf andere Fische wie beispielsweise Schollen ausweichen, die in dieser Zeit weiterhin gefangen werden dürfen. Aber Achtung: die eigene Plastiktüte nicht vergessen.

zur Startseite
Karte

Kommentare

Leserkommentare anzeigen