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Eckernförder Zeitung

20. November 2017 | 14:53 Uhr

B 76 : Keine Mehrheit für Tempo 60

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Grüne, SPD und Linke wollen auf der B 76 zwischen Noorstraße und Carlshöhe Tempo 60 einführen. Im Umweltausschuss erhielten sie dafür keine Mehrheit.

shz.de von
erstellt am 18.Jun.2015 | 12:17 Uhr

Eckernförde | Tempo 60 oder 80 – welche Geschwindigkeit soll auf der B 76 zwischen Noorstraße und Carlshöhe gelten? Grüne, SPD und Linke sprechen sich für eine Herabsetzung der Geschwindigkeit auf 60 km/h aus und haben im Umweltausschuss am Dienstagabend um Unterstützung geworben. Sie scheiterten aber knapp: CDU und SSW stimmten dagegen, das Bürger-Forum enthielt sich.

Nicht die Intention lehnten CDU und SSW ab, sondern die Begründung: Im Antrag stand neben der Reduzierung des Lärmpegels auch ein geringerer CO2-Ausstoß als Ziel. Weiter hießt es dort: „Die knapp einen Kilometer lange Strecke mit 80 km/h bringt verkehrstechnisch keine Entlastung im anschließenden Streckenbereich. Durch die Reduzierung auf 50 km/h im Abschnitt Carlshöhe und auf 30 km/h in der Einmündung zur Schwansenstraße müssen entschiedene Bremsungen erfolgen, die die Verkehrssicherheit negativ beeinflussen.“ Viele Leute führen auch schneller als erlaubt. Beantragt wurden unter anderem Lärm- und Geschwindigkeitsmessungen. Deshalb sollte die Verwaltung beauftragt werden, Gespräche mit den zuständigen Stellen wie dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) und der Polizei zu führen, um die Geschwindigkeit auf 60 km/h herabzusetzen.

Für Georg Bicker (CDU) war die Begründung nicht schlüssig: „Es ist nicht besser, wenn ich im dritten Gang 60 km/h statt im vierten Gang 80 km/h fahre. Es sei „abenteuerlich“, den Leuten zu unterstellen, dass sie zu schnell fahren. Die Straßenbauverwaltung habe sehr wohl überlegt, wie schnell auf dem Abschnitt gefahren werden könne. Auf dieser Strecke mit 60 statt mit 80 km/h aufs Klima schauen zu wollen, empfand er als „sehr weit hergeholt“.

Ganz im Gegenteil Martin Klimach-Dreger (SPD) dazu: Es gehe eher um den Lärm als um die Emissionen. Immerhin seien die Hinweise auf die Lautstärke von Anwohnern gekommen, die sie als Belastung empfänden. „Das sollten wir ernst nehmen.“ Dass viele Leute zu schnell führen, sei Realität. Außerdem könne man auch im vierten oder fünften Gang 60 km/h fahren.

Bürgermeister Jörg Sibbel gab den Hinweis, dass es auf der B 76 zwischen Lornsenplatz und Carlshöhe vier verschiedene Höchstgeschwindigkeiten gebe: Zunächst 50 bis zur Aral-Tankstelle, danach 60, schließlich 80 und vor der Carlshöhe wieder 50. „Das ist dem Autofahrer nur schwer vermittelbar“, so Sibbel. „Wenn wir etwas für die Bürger tun können, ohne Nachteile für den Verkehrsfluss zu erhalten, dann sollten wir das tun.“

Dem konnten sich letztlich alle anschließen, nur das Wie war umstritten. „Umwelt- und lärmtechnisch bringt die Geschwindigkeitsreduzierung auf 60 km/h nichts“, sagte Rainer Bosse (SSW) und stützte sich dabei auf Studien. Etwas nützen würde dagegen eine durchgehende Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Seine Befürchtung: „Wenn auf dem Stück zwischen Noorstraße und Carlshöhe 60 km/h gelten, sagen sich bestimmt viele, dass sie genausogut durch die Stadt fahren können.“ Dem widersprach Jörg Sibbel: Den Autofahrern gehe es um die Vermeidung des Stadtverkehrs, nicht darum, auf einem kurzen Stück 80 km/h zu fahren.

Für Thorsten Peuster (Bürger-Forum) ergab eine Geschwindigkeitsreduzierung wenig Sinn. „Wenn es etwas bringen würde, wäre ich dafür, aber es bringt nichts.“ Er schlug eine Lärmmessung mit anschließender Lösungssuche in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr vor. Dem Ergebnis griff Bürgermeister Sibbel vor: „Der LBV hat den rechtlichen Mindestlärmschutz erfüllt. Mehr wird da nicht laufen.“ Stattdessen werde er darauf hinweisen, dass die Stadt eine Lärmschutzwand für hohe Kosten errichten könne.

Rainer Beuthel (Die Linke) war „erstaunt, mit welchen Spitzfindigkeiten ein einfacher Antrag torpediert wird“. Es sei doch logisch, dass die Beschleunigung von Fahrzeugen Lärm erzeuge. Dem stimmte Matthias Huber (Bürger-Forum) zu: Teilweise schalteten die Autofahrer herunter, um zu beschleunigen.

Die Abstimmung fiel knapp aus: Fünf Ja- und fünf Nein-Stimmen mit einer Enthaltung durch Thorsten Peuster. Damit war der Antrag nicht angenommen. Edgar Meyn (Grüne) kommentierte einen Tag später in einer Pressemitteilung: „Kein guter Tag für den Menschen- und Naturschutz. Es gibt leider immer noch Menschen und Politiker, die glauben, dass der Klimawandel nicht vor der eigenen Haustür stattfindet.“

 

 

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