Galerie Nemo : Keine brotlose Kunst

Corinna Sinjen mit dem Objekt „Schwarz Brot? Grün Brot?“ von Bjørn Nørgaard.
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Corinna Sinjen mit dem Objekt „Schwarz Brot? Grün Brot?“ von Bjørn Nørgaard.

Neue Ausstellung in der Galerie Nemo: „Schwarz Brot? Grün Brot?“ mit Werken von Bjørn Nørgaard.

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07. März 2018, 06:23 Uhr

Eckernförde | Es ist ein erfolgreicher Fehlschlag: Als der dänische Künstler Bjørn Nørgaard vor fünf Jahren an Monotypien in der Werkstatt des Eckernförders Norbert Weber arbeitete, kam er auf eine – offensichtlich – gute Idee: Als eine Art Stempel legte er Brotscheiben in die Presse, um eine einzigartige Struktur in seinem Bild zu erhalten. Doch schon das Ächzen der Maschine signalisierte dem Galeristen und Kurator Norbert Weber das bevorstehende Fiasko. Die schwarz und grün eingefärbten Brotscheiben lösten sich nicht vom Papier, das sich wellte. Das Bild war missraten.

Oder vielleicht doch nicht? Bjørn Nørgaard, einer der bekanntesten zeitgenössischen Künstler Dänemarks, begutachtete das Ergebnis und kam zu dem Ergebnis, dass es durchaus seinen Reiz hat. Er signierte es und überließ es Weber zur Verwahrung.

Jetzt hat Corinna Sinjen die Mixtur aus Monotypie und Skulptur wieder ausgegraben und zum Herzstück einer Ausstellung mit Werken des Dänen in der Galerie Nemo von Norbert Weber im alten Bootshaus neben der Stadthalle gemacht. Die Studentin der Kunstgeschichte und Musikwissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel absolviert zurzeit ein Praktikum bei Norbert Weber und hat sich zunächst mit der Inventarisierung von Grafiken befasst. Dazu gehörte auch die Auseinandersetzung mit dem Verfahren der Monotypie und Bjørn Nørgaards Schaffen. Das Werk „Schwarz Brot? Grün Brot?“ übt auf die 23-Jährige eine besondere Faszination aus: „Es ist keine richtige Skulptur, aber auch keine Monotypie mehr, sondern etwas dazwischen.“ Anhand dieses Werks lasse sich auch die Sicht der Kunst verdeutlichen: „Kunst ist nicht immer das Ergebnis eines genialen Einfalls, sondern kann auch ein misslungenes Experiment sein, dessen Ergebnis man einfach annimmt.“ Der Begriff der „brotlosen Kunst“ wird hier neu belebt. Neben seiner Interpretationsfähigkeit hat das Werk über die Jahre auch seine Strahlkraft erhalten: Die Farbe wirkt im Brot wie eine Art Konservierungsstoff.

Rund um das zentrale Werk hängen zehn großformatige Monotypien Bjørn Nørgaards, mit dem Norbert Weber eine lange Freundschaft verbindet. Zu sehen sind Motive, die sich mit Politik, Gesellschaft, Existenziellem und Privatem befassen. Er interpretiert sowohl die „Achse des Bösen“ als auch die Eindrücke seines Hundes in Deutschland.

Bjørn Nørgaard (70) studierte Kunst in Kopenhagen und nahm in den 60er-Jahren an verschiedenen Happenings teil. Er experimentierte mit Grafik, Keramik und Filmen, bevor er sich in den 70er-Jahren der Skulptur zuwendete. Unter anderem stammt die Skulptur „Adam und Eva“ am Germaniahafen in Kiel von ihm. Seine Ausstellungen führten ihn über den ganzen Globus. Von 1985 bis 1994 war er Professor an der Königlichen Dänischen Kunstakademie.

>Die Ausstellung „Schwarz Brot? Grün Brot?“ in der Galerie Nemo ist noch bis zum 20. April zu sehen.

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