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Sanierung : Kein Luxus: Schönheits-OP für einen Leuchtturm

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Sanierung des blau-gelben Leuchtturms am Hafen steht kurz vor der Fertigstellung. Während der Rumpf nach über 100 Jahren sehr gut in Schuss ist, waren Dach und Sockelbereich schon durchgerostet. Jetzt fehlt nur noch etwas Farbe.

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2013 | 05:59 Uhr

Eckernförde | Einst lotste er Schiffe sicher in den Eckernförder Hafen: Der blau-gelb gestreifte Leuchtturm aus dem Jahr 1909 ist seit sieben Wochen eingerüstet und mit Planen verdeckt. Schon lange hatten die Stadtführer angemahnt, das Schmuckstück, das an der Hafenspitze sein Gnadenbrot erhält, sanieren zu lassen. Wie sich jetzt herausstellte, nicht zu früh.

Seit 1981 ist der alte Leuchtturm außer Betrieb, sein rot-weiß gestreifter Kollege am Sportboothafen hat dessen Aufgabe übernommen. Seither ist sein Vorgänger ohne große Wartung Wind und Wetter ausgesetzt. Vor 13 Jahren gab es neue Farbe, das war’s. Jetzt blätterte immer mehr davon ab, Rost war an vielen Ecken zu sehen. Deshalb wurde der Turm rundherum mit einem Sandstrahler bearbeitet, bis nur noch der blanke Stahl zu sehen war. „Wir waren sehr, sehr überrascht, in welch gutem Zustand der Stahl noch war“, sagt Chris Klawikowski. „Das Eisen von damals wurde noch mit Kupfer und Messing gemischt. Heute nennt man das verunreinigt, aber der Leuchtturm zeigt, dass das noch echte Qualität ist.“

Außer ganz unten und ganz oben: „Im Sockelbereich gab es erhebliche Oxidation. An der Stelle, wo der Turm auf dem Sockel aufsetzt, war die sonst sechs bis acht Millimeter dicke Stahlwand auf zwei Millimeter heruntergerostet.“ Ein Statiker musste her und entschied, dass die vorhandene Stahlverbindung zwischen den Einzelteilen verstärkt und mit zusätzlichen Bolzen gesichert werden musste.

Auch beim Dach war eine Sanierung kein Luxus: Als die Handwerker des Stahlbauunternehmens Lienau von innen eine Kupferverkleidung abnahmen, offenbarten sich ebenfalls durchgerostete Verstrebungen. „Es waren nur noch wenige Schrauben, die die Dachkonstruktion trugen“, so Klawikowski.

Als Problem stellte sich die Kontaktkorrosion heraus. Überall, wo Messing oder Kupfer auf Stahl treffen, machte sich der Rost breit – auch zwischen Stahlteilen. „Das ist wie beim Zahnarzt“, sagt Metallbauer Timo Kolls. „Und je mehr wir gebohrt haben, desto schlimmer wurde es.“ Die Handwerker nahmen die Kanzel auseinander, hoben sogar das Dach mit Drehsteifen an, um die Nahtstellen vom Rost zu befreien. Insgesamt mussten sie 200 Bolzen, die festgerostet waren, ausbohren und die Gewinde neu schneiden.

Die Metallarbeiten sind mittlerweile abgeschlossen, in der kommenden Woche soll der Turm eine neue Farbschicht bekommen – blau-gelb natürlich. „Leuchttürme, die außer Betrieb sind, dürfen keine offiziellen Farben mehr tragen“, erklärt Chris Klawikowski. „Deshalb trägt dieser hier die Farben der Stadt.“ Er ist zuversichtlich: „Mit der Sanierung sollte er jetzt wieder lange, lange, lange halten.“ Ende des Monats wird der Turm wahrscheinlich fertig sein und das Gerüst abgebaut.

Die Stadt hatte 65.000 Euro für die Sanierung in den Haushalt eingestellt, Klawikoswki geht jedoch davon aus, dass die Arbeiten günstiger ausfallen.

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