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Gettorf im Wandel : Kein Dorf mehr, aber noch keine Stadt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Seniorenwoche zeigt Film vom alten Gettorf / Gemeinschaft soll erhalten bleiben

Man kennt sich, grüßt sich, hilft sich, kann sich vertrauen. Diesen dörflichen Charakter soll Gettorf sich bewahren. Aber auch die kleinstädtischen Strukturen, wie die gute Infrastruktur, Bildungs-, Kultur- und Sportangebote, Handel und Gewerbe, werden als wertvoll empfunden. Damit die Aufwertung des Ortskerns gelingt, könnte ein Stadtmarketing helfen. – So äußerten sich zumindest die Teilnehmer der öffentlichen Diskussion zum Thema „Gettorf im Wandel vom Dorf zur Kleinstadt?“, zu der der Seniorenbeirat in seiner Erlebniswoche am Dienstag eingeladen hatte. Zunächst blickten die gut 50 Gäste, zumeist Senioren, filmisch in die Geschichte.

Die Museumsmannschaft des Windmühlenvereins mit Jürgen Maag, Rainer Feddersen und Werner Johannsen zeigte in einer Uraufführung das Filmdokument Landwirtschaftliches Leben auf dem Gut Wulfshagenerhütten von 1938. In Schwarz-Weiß und ohne Ton wurden da gemeinschaftlich Futterrüben auf einen Wagen geladen, Kraut abgestochen, im Schnee Mist auf den Feldern verteilt, Kalk gestreut, Bäume gefällt und zersägt, ein Frühbeet hergerichtet, Milchkannen auf einen Wagen geladen, der Hühnerhof mit Maschendraht vor Habichten geschützt, Kartoffeln in Rinnen gelegt, Wege ausgebessert, Gras gemäht. Mühselig – fast alles in Handarbeit oder mit Pferd und Wagen. Viele kannten das von früher. Mit diesem Verständnis von ländlicher Gemeinschaft, die die Teilnehmer des Abends gut fanden, wurde das heutige Gettorf beleuchtet.

Auf dem Podium saßen Bürgermeister Jürgen Baasch, Amtsdirektor Matthias Meins, der Vorsitzende des Handels- und Gewerbevereins (HGV) Thomas Grötsch und Gemeindevertreterin Meike Roggenkamp (Grüne). Der Vorsitzende des Seniorenbeirats Roland Lauterbach moderierte. Obwohl die Baugebiete sprießen, bestünden in Gettorf noch immer ländliche Strukturen, in denen die Menschen sich kennen, sagte Matthias Meins, selbst Gettorfer. Kirche, Vereine – das sei für ihn dörfliche Identität. „Gettorf ist kein klassisches Dorf mehr, aber bei weitem keine Stadt.“ Meike Roggenkamp, seit 15 Jahren Gettorferin, nannte den Wochenmarkt am Freitag als positives Beispiel dörflicher Identität. „Solche Zentren brauchen wir, wenn wir den dörflichen Charakter behalten wollen.“ Thomas Grötsch sieht Gettorf zwischen Dorf und Stadt. Um Gettorfs Image und dem Handel im Ortskern auf die Sprünge zu helfen, forderte er ein Gesamtkonzept. Auch wenn die Auswertung der Befragung zuletzt von Unternehmen und Bevölkerung wegen der geringen Beteiligung nicht repräsentativ sei, sehe er da doch Zustimmung für ein Stadtmarketing. Bisher scheitere vieles im Ortskern an zu hohen Mieten. Er appellierte erneut an die anwesenden Eigentümer. „Ohne eine vernünftige Ladenzeile werden wir den Ortskern nicht beleben.“ Auch sein Herz als alter Gettorfer hänge daran, eine belebte Ortsmitte zu haben, bekräftigte Bürgermeister Jürgen Baasch. „Dörflichen Charakter und kleinstädtischen Strukturen - wenn wir beides in Einklang bringen, sind wir gut aufgestellt. Auch für Senioren“, betonte er. Der Seniorenbeiratsvorsitzende fasste zusammen: „Es ist eine große Gemeinschaftsaufgabe, den Ort zu beleben.“



 

 

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erstellt am 28.Aug.2014 | 06:00 Uhr

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