Umstrittenes Bauvorhaben : Kauft ein Investor den Heideteich?

Bei Vororttermin Kompromiss ausgehandelt: (v.l.) Horst Pötter, Henning Willers, Christiane Ostermeyer, Rainer Quast und Peter Jeß.
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Bei Vororttermin Kompromiss ausgehandelt: (v.l.) Horst Pötter, Henning Willers, Christiane Ostermeyer, Rainer Quast und Peter Jeß.

Bebauungsplan trotz Einspruch beschlossen / Wall um Teich wird teilweise abgetragen / Grundstückskäufer könnte Gewässer kaufen

shz.de von
15. Juli 2015, 06:31 Uhr

Der Bebauungsplan 21 für das Gebiet nordwestlich der Straße Tannengrund und südlich des Heideteichs ist bei zwei Enthaltungen auf der Gemeindevertretersitzung am Montagabend gebilligt worden. Das Grundstück des ehemaligen Betonwerks Otto Woidt ist an einen Investor verkauft. Viele Anwohner hatten im Vorfeld gegen die massiven Abholzungen protestiert und ihre Befürchtungen geäußert, dass der um die Südseite des Sees führende Wall, der als Spazierweg genutzt wird, teilweise abgetragen werden könnte, um für das neue Baugebiet Sichtschneisen zum Heideteich zu schaffen(wir berichteten)

Bei einem Vororttermin in der vergangenen Woche konnten sich die Vertreter der Gemeinde, des Investors, des BUNDs und der Unteren Naturschutzbehörde auf einen Kompromiss einigen: Der Wall darf im mittleren Bereich auf eine Höhe von mindestens 1,30 Metern verringert werden, die östlichen und westlichen Wallbereiche bleiben erhalten.

Henning Willers von der Unteren Naturschutzbehörde erklärt den Kompromiss: „Ein Teilstück des Walles kann als Sichtachse zum Heideteich bis auf eine Wallhöhe von 1,30 Metern abgegraben werden. Eine Verwallung ist in jedem Fall aufrecht zu erhalten, um eine grünordnerische Zäsur zum Schirm- und Begleitgrün sowie einen planerischen Schutz des Heideteiches zu erreichen.“ Die Verringerung des im nördlichen Baugebiet vorhandenen Walles auf eine Höhe von mindestens 1,30 Metern, sei nur im mittleren Bereich vertretbar. „Der westliche Teilbereich des Walles ist zum Schutz des Baumbestandes zu erhalten“, so Willers. Ein Eingriff in den östlichen Bereich des Walles wäre aufgrund der vorhandenen Breite eine wesentliche Veränderung des Landschaftsbildes und ein Eingriff in den Naturhaushalt.

Willers lobte die enge und konstruktive Zusammenarbeit mit Peter Jeß vom BUND. Jeß äußerte sich auf der Sitzung zurückhaltend. In Abwägung mit den Beteiligten habe der BUND Zugeständnisse machen müssen. Ohne eine Sicht auf den Teich sei das Gebiet wohl nicht zu vermarkten.

Bürgermeisterin Christiane Ostermeyer (CDU) erklärt, ihr sei wichtig gewesen, dass die Orchideenwiesen, die Ellerbeken sowie das Biotop Heideteich geschützt würden und das sei mit diesem Kompromiss gelungen. Zufrieden zeigt sich Rainer Quast, der als Architekt den Investor vertritt: „Alle mussten Federn lassen, doch wir haben einen Kompromiss gefunden, mit dem wir gut leben können. Immerhin handelt es sich um eine Industriebrache, die wir jetzt nutzbar machen.”


Einsprüche der Einwohner abgelehnt


Auch auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung waren zahlreiche Einwohner erschienen. Anwohner des Tannengrunds hatten Einspruch gegen den Bebauungsplan erhoben, da sie befürchten, dass die Bebauung, die bis zu drei Geschossen hoch sein darf und an ihren Grundstücksgrenzen anschließen kann, zu einer Wertminderung ihrer Grundstücke führen werde. Die Gemeindevertreter beschlossen aber bei zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme, dass im B-Plan an einer Dreigeschossigkeit festgehalten werde. Die Anwohner haben dem Investor nun ein Kaufangebot für eine acht Meter breite Pufferzone vorgelegt, um dadurch eine Verschiebung der Bebauungsgrenze zu erreichen. Ein weiterer Einspruch kam von Anwohnern der Straße Heideteich. Sie kritisierten fehlende Maßnahmen zum Schutz des Biotops Heideteich. Außerdem befürchten sie eine Lärmbelästigung und Wertminderung der eigenen Grundstücke wegen der massiven Bebauung auf der gegenüberliegenden Seite. Auch dieser Einspruch wurde abgelehnt. Hier erklärte der stellvertretende Bürgermeister Horst Pötter (SPD): „Die Grünzone des B-Planes, die bislang privat ist, sie wird zukünftig der Gemeinde gehören. Die Grünzone wird für die Öffentlichkeit zugänglich, es wird aber keinen direkten Zugang zum Heideteich geben.”

Horst Pötter sagte zudem, dass der Besitzer des Heideteiches entscheiden müsse, ob er seinen Uferstreifen auch für die Öffentlichkeit zugänglich mache. Auf Nachfrage bei Rainer Quast, ob der Investor plane, den Heideteich vom Eigner zu kaufen, antwortete der Architekt nur: „Dazu darf ich nichts sagen.” 

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