entwicklung : Kauft die Gemeinde den „Seestern“?

Noch hängt das Plakat der Planet Haus-AG, die das Gebäude zum Verkauf anbietet. Jetzt hat die Firma der Gemeinde die Übernahme angeboten. Hinter der gelben Tür verbirgt sich der Eingang zur ehemals geplanten Indoorspielhalle.
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Noch hängt das Plakat der Planet Haus-AG, die das Gebäude zum Verkauf anbietet. Jetzt hat die Firma der Gemeinde die Übernahme angeboten. Hinter der gelben Tür verbirgt sich der Eingang zur ehemals geplanten Indoorspielhalle.

Nach zehn Jahren Leerstand, drei Jahren Kontaktpause: Die jetzige Eigentümerin, die Planet-Haus AG, bietet Brodersby die Immobilie zum Kauf an. Die will zuvor genau die Bausubstanz und den inneren Zustand des Gebäudes prüfen.

shz.de von
24. Juli 2015, 04:02 Uhr

Es tut sich etwas in Sachen „Seestern“ in Schönhagen. Die jetzige Eigentümerin, die Planet- Haus AG, hat die Immobilie der Gemeinde zum Kauf angeboten. Nach Auskunft von Bürgermeister Christian Schlömer (CDU) liegt ihm ein Angebot der deutsch-dänischen Firmengruppe vor. In nicht öffentlicher Sitzung erteilte die Gemeindevertretung im Rahmen ihrer jüngsten Versammlung dem Bürgermeister das Mandat, Verhandlungen zu führen. Vorab sei aber dringend eine Prüfung der Bausubstanz geboten, erklärte Schlömer. Auch sollten die Gemeindevertreter sich selbst ein Bild vom Zustand des Gebäudeinneren verschaffen können. Seit vorgestern ist Schlömer im Besitz des Schlüssels.

Ein Zufall hat die Planet-Haus AG und die Gemeinde nach jahrelanger Pause wieder miteinander ins Gespräch gebracht. Eine Anfrage der Glücksburg Consulting AG (GLC), die die Tourist-Information im Strandhus betreibt, nach Nutzung der leerstehenden Indoorspielhalle als Lagerraum ist für die Wiederaufnahme des Kontakts verantwortlich. Als Antwort habe die Firma der GLC den Kauf der Immobilie angeboten, was diese abgelehnt habe, berichtet Schlömer. Daraufhin habe sich die Firma an die Gemeinde gewandt. „Positiv ist, dass Verhandlungen geführt werden können“, kommentiert der Bürgermeister zurückhaltend, „und diese sind völlig ergebnisoffen.“

Die Gaststätte „Seestern“ hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Keine 50 Meter vom Ostseestrand entfernt liegt das ehemals einzige Restaurant des Ostsee-Feriendorfs Schönhagen. Seit zehn Jahren ist es geschlossen. Sehr zum Ärger von Bürgermeister Christian Schlömer (CDU) und vieler Urlauber, die seit langem eine Restauration in gebobenem Segment vermissen. Denn außer Fischbrötchen, Woknudeln, Hot Dog, Döner und Pommes für den kleinen Hunger zwischendurch wird in Schönhagen nichts angeboten. Das schien sich 2012 zu ändern. Die deutsch-dänische Planet-Gruppe, die bereits mehrere Luxusferienhäuser in Schönhagen errichtet hatte, erwarb die Immobilie – mit der festen Absicht, dort zu investieren – was auch geschah. Die Planet Haus-AG errichtete im Obergeschoss sechs hochwertige Eigentumswohnungen, die mittlerweile alle verkauft sind.

Nur die Instandsetzung und die Verpachtung des „Seesterns“ zwecks Einrichtung eines Restaurants blieb sie schuldig. Das gilt auch für die Schaffung der geplanten Indoorspielhalle, die im rückwärtigen Teil des Gebäudes entstehen sollte. Gespräche zwischen dem vertretungsberechtigten Vorstand der Planet-Gruppe, dem Dänen Sven Hollesen, und der Gemeinde fanden nicht mehr statt. Seit fast drei Jahren herrschte Stillstand in der Entwicklung des Gebäudes. Potenzielle Pächter für das Restaurant fanden sich in diesem Zeitraum nicht.

Ein erster Blick ins Innere des Gebäudes war für den Bürgermeister äußerst ernüchternd. Hier müsse kräftig investiert werden, um Restaurant und Nebenräume überhaupt in einen verpachtungswürdigen Zustand zu versetzen, so der Bürgermeister. In der kommenden Woche werde er mit allen Gemeindevertretern das Gebäude genauestens inspizieren.

Da die Gemeinde in Kürze ein neues Feuerwehrgerätehaus in Schönhagen bauen müsse (wir berichteten), seien ihre finanziellen Mittel begrenzt, sagte Schlömer gegenüber unserer Zeitung. Des Weiteren sei die Form der Teilung zu klären, inwieweit die Eigentümer der Wohnung ein Mitspracherecht am Gebäude hätten. Die dritte Frage sei die der Verkehrssicherungspflicht, die bei der Übernahme des Gebäudes auf die Gemeinde zukomme.

„Ich bin froh, dass Bewegung in die Sache kommt und wir Verhandlungen führen, die aber völlig offen sind“, zieht der Bürgermeister eine kurze Bilanz der jetzigen Entwicklung.

Eine Stellungnahme der Planet-Haus AG lag bei Redaktionsschluss nicht vor.

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