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Katrin Bauerfeind: Scheitern auf besonders schöne Art

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 03.Apr.2014 | 12:19 Uhr

Vor 15 Jahren war sie schon mal in Eckernförde, so mit 16 hier im Landschulheim. Alle im gut besetzten „Carls“ spitzen da die Ohren und rechnen – aha, schon mal von Schwaben in die Fördestadt gekommen und jetzt 31, da ist sie doch gleich so etwas wie eine gute Bekannte. Außerdem hat man diesen Augenschmaus von Frau auch schon mal im TV bei Harald Schmidt gesehen oder im 3sat mit Reisereportagen oder in einem Popkulturmagazin auf zdf.kultur… Richtig, das ist doch die Katrin Bauerfeind, eine hochintelligente Querdenkerin, so flink mit dem Mundwerk wie ausgehakt mit ihren großartigen Wortbildern. Nichts scheint ihr heilig, über alles macht sie sich her – und da gibt es nicht nur eine heilige Kuh zu schlachten. Da gibt’s einen ganzen Auftrieb von festgefahrenen Denkmustern, die sie alle mit höllischer Freude zerpflückt. Ja, mit Vergnügen boshaft den Finger in überholte, gesellschaftliche Traditionen legen und obendrein rotzfrech lästern, was das Zeug nur hält – das machte allen Zeugen des Mittwochabends ungemein Spaß.

Jaja – so was hat man wohl auch schon mal gedacht: Die Fernseher werden immer größer, die Programmangebote immer bescheidener. Diese tollen Smartphones mit allen Schikanen, auch sms – aber was tauscht man aus? „Äeh – is dir auch so langweilig…?“ Die tollsten Geschenke von gutmeinenden Verwandten und Freunden, aber Katrin Bauerfeinds detaillierter Rückblick machte klar: Schenken ist nicht die einfachste Übung. Und sie ist schon seit langem ein „Meisterwegwerf-Antimessie“ – es sei denn, sie kann sich doch nicht trennen. War sie nicht eigentlich mal eine brave Kleine aus Aalen?

Und mit losem Mundwerk berichtet sie aus ihrer Kleinstadt, aus ihrer Familie – doch schnell wird klar: Mit dem gehorsamen Anpassen hatte sie es wohl seit jeher schwer. „Aalen war noch nicht die Welt, aber heute in Köln denke ich, da muss es noch mehr geben, zum Beispiel New York.“ Sie denkt laut, plant, liest vor, erzählt, rauf auf den Hocker, runter vom Hocker, Mähne schütteln – das alles mit temperamentvoller Gestik, mit ansteckend optimistischer Mimik und sogar etwas Schauspielerei, wenn es darum geht, „Schwierigkeiten beim Haarewaschen“ zu demonstrieren.

Womit wir auch bei ihrem Lieblingsthema sind, beim „schönen Scheitern“. Ihr Buch heißt „Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag – Geschichten vom schönen Scheitern“ und macht klar, dass man vieles, was man plant, denkt, möchte – letztlich so nicht klappen muss. Das Leben kommt dazwischen. Geplantes platzt oder nimmt einen ungeahnten Weg. Da hilft nur fröhlich bleiben, das alles zwar mit Verwunderung beobachten – aber darin nirgendwo ein Drama entdecken. Ganz im Gegenteil: So bleibt man halt Single, wenn Beziehungen scheitern, und sie findet das richtig. („Manchmal stört‘s, wie er atmet und dann, dass er atmet.“) Nicht jede Frau muss 1,3 Kinder bekommen. Und: „Da zahlt einer schon lange an seiner Einbauküche ab – und jetzt hat er Krebs.“ Und wenn man sich zwei Wochen vor dem Urlaub noch in den Bikini hungern will? Vom Scheitern am Nichtrauchen („Rauchen ist ein Grundrecht“), vom Scheitern an Schönheitsidealen wie zum Beispiel gut sitzenden Haaren („hatte nur noch so’n fisseligen Scheiß auf’m Kopf“) war zu hören, vom Scheitern am Jungbleiben, am Sport, an Selbstdiagnosen, am Individualismus, am Erledigen. Ja, sogar vom Scheitern am Küssen („… wenn Zunge und Lippen fehlen, bleibt ja nur noch Spucke.“) Es gibt so vieles, was danebengehen kann.

Und Scheitern ist dann gar nicht mal so schlecht, eher sehr lustig und befreiend. Man muss Katrin Bauerfeind und ihren sprühenden Esprit nur live genossen haben.



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