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Akteneinsicht : Kanalausbau: Schinkeler Eingaben nur zum Teil berücksichtigt

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Mitglieder der Ökologischen Interessengemeinschaft Schinkel haben sich durch die Berge von Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren für den Kanal-Ausbau zwischen Neuwittenbek und Großkönigsförde gewühlt.

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Noch bis zum 27. Januar liegen die Unterlagen zum Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals zwischen Neuwittenbek und Großkönigsförde im Amt Dänischer Wohld aus. Uwe von Ahlften, Kristina Solty und Corinna Strake von der Ökologischen Interessengemeinschaft Schinkel (ÖIS) befassten sich zum dritten Mal seit Beginn des Verfahrens mit den mehr als 20 Aktenordnern.

Für die drei ÖIS-Vertreter war bei der Durchsicht vorrangig, ob die Belange und Einwendungen der Schinkeler Bürger Berücksichtigung gefunden hatten: Die Gemeinde, Privatleute, Verbände und Organisationen sowie die Wählergemeinschaft ÖIS selbst hatten innerhalb des Verfahrens Einwendungen gegen die geplanten Vorhaben erhoben. Diese wurden von der Planfeststellungsbehörde geprüft, teilweise in einem Anhörungstermin behandelt, Änderungen oder Auflagen der prüfenden Behörde wurden formuliert und zum Ende 2013 in den Planfeststellungsbeschluss eingearbeitet. Private Einwender fürchteten am meisten, dass durch große Baufahrzeuge Schäden an ihren Häusern entstehen könnten, sowohl durch vorüberfahrende Fahrzeuge im Baustellenverkehr, als auch durch die Fahrzeuge, die das Baggergut auf der Ablagefläche beim Gut Rosenkranz verbringen. Die Fahrzeuggröße war nicht genauer definiert, die Planfeststellung sieht vor, dass keine Fahrzeuge verwendet werden dürfen, die größer sind als „übliche landwirtschaftliche Fahrzeuge mit einer vergleichbaren Bodenpressung“.

Zugesichert wird den Anliegern um die Ablageflächen ein Beweissicherungsverfahren – das heißt vor Beginn der Bauarbeiten wird die jeweilige Immobilie begutachtet, eventuelle Schäden finden finanziellen Ausgleich, heißt es weiter.

Lärm, Staub und vermehrtes Verkehrsaufkommen waren weitere Punkte, die die Gemeinde während der Bauzeit belasten. Sie wurden nur teilweise berücksichtigt. Ein Bürger hatte die Reinigung seiner Fassade und Fenster gefordert, sollte es durch die Verbringung von Sand und Erde zu Verschmutzungen kommen. Dazu die Behörde: „Baubedingt ist nicht mit einer Staubimmission zu rechnen.“ Aber ein Nachtarbeitsverbot wird es geben: 150 Meter um Ortschaften gilt Ruhe von 20 Uhr bis 7 Uhr, und auch am Wochenende stehen die Maschinen still. Die „Anwohner haben Anspruch auf passiven Lärmschutz“ (z.B. Schallschutzwände). Die zusätzliche Verkehrsbelastung für Schinkel wird gesehen, der gefürchtete Baustellentourismus wird als unbegründet abgewiesen. Der Forderung der Gemeinde Schinkel auf Erstellung eines Verkehrskonzepts wird nachgekommen: „Vor der Bauausführung hat der Träger des Verfahrens erneut ein verbindliches Verkehrslenkungskonzept vorzulegen.“ Vor Baubeginn also muss das Wasser-und Schifffahrtsamt mitteilen, wo mit welchem Bauverkehr zu rechnen ist. Danach kann die Gemeinde überlegen, wie sie mit Einbahnstraßenregelungen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen darauf reagieren wird.

Offen geblieben ist die Frage zur Entsorgung des Baggerguts. Das „Nassbaggergut aus oberflächennahen Schichten“ zwischen Kanalkilometer 80 bis 92 (zwischen Großkönigsförde und Neuwittenbek) soll nicht in der Kieler Bucht, sondern „entsprechend seiner Belastung“ entsorgt werden, heißt es. Für die ÖIS stellt sich die Frage, auf welchem Weg diese Entsorgung erfolgen wird. Auch bezüglich des Denkmalschutzes des Gutes Rosenkranz ist für die Interessengemeinschaft nicht klar, was unter der Aussage „Der Denkmalwert des Torhauses ist nicht erheblich beeinträchtigt.“ zu verstehen ist.

Die Belange der Natur sehen die ÖIS-Vertreter gänzlich unberücksichtigt. Augenscheinlich sind alle, vom Planfeststellungsverfahren geforderten Umweltverträglichkeitsstudien, z.B. zu den Themen Fauna, Flora, Wasser, Boden, Schutzgut Mensch, nicht festgestellt worden. Lediglich „in die planerische Abwägung eingeflossen“ seien die Ergebnisse der Studien, heißt es weiter. Rund 0,3 Hektar „gesetzlich geschützte Biotopfläche sind durch die Verbringungsfläche Rosenkranz betroffen.“ Für die ÖIS bedeutet das, die Fläche ist verloren, im Wesentlichen handelt es sich um Teichflächen, Schilf, Seggenried und Knick. Ferner muss sich von Esche und Linde am Ende des Rosenkranzer Wegs am Kanal auf der Verkehrsinsel verabschiedet werden. Sie werden der Baustellenzufahrt zum „Kippland“ weichen müssen. Für diese Eingriffe ist allerdings ein Ausgleich zu leisten. Die wertvollen Kalktuffquellen im Böschungsbereich jedoch werden über fünf Jahre nach der Maßnahme beobachtet, bemängelte fehlende Knicks in den Planunterlagen werden nachgebessert, auch wird es einen Gehölzschutzzaun am „Kippland“ geben.

Gegen den Planfeststellungsbeschluss kann am Ende der Auslegungsfrist beim Oberverwaltungsgericht Schleswig Klage eingereicht werden. Ob schon im Sommer die Bagger in Schinkel rollen, bleibe abzuwarten – Schleswig-Holstein habe noch andere Großbaustellen, die nach Geld rufen, gibt die ÖIS zu bedenken.

 

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