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Eckernförder Zeitung

24. September 2017 | 16:10 Uhr

Kampf um die Fischer in Strande

vom

In einem Brief an den Umweltminister fordern die Fraktionen einen Kompromiss zwischen Entenschutz- und Fanggebieten

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 03:09 Uhr

Strande | Die Fscher in Strande fürchten um ihre Existenz. Sollten die vom Umweltministerium geplanten Entenschutzgebiete tatsächlich angeordnet werden, hätten sie nach eigener Auskunft kaum noch eine Chance. Die Gemeinde Strande hat sich jetzt geschlossen hinter ihre 20 Fischer gestellt. In einem offenen Brief an Robert Habeck, Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, fordern die Fraktionen eine Änderung der Verordnung, um das Überleben ihrer Fischer zu sichern.

Hintergrund der geplanten Erneuerung der Landesverordnung für die Fischerei in Küstengewässern (Küfo) ist, dass sich angeblich zahlreiche Enten in den Stellnetzen der Fischer verfangen. Das behaupten jedenfalls Umweltverbände wie der Nabu und WWF, erzählt Uwe Pettke, 1. Vorsitzender des Fischervereins Strande. Das Umweltministerium wolle deshalb weitere Schutzgebiete einrichten. Das bedeutet für die Fischer, dass die Fanggebiete Stoller Grund, Kolberger Heide und auch ihr wichtigstes Fischereigebiet Bülk im Sommer für sechs Wochen und ab Mitte November sogar für fast sechs Monate tabu sind. Der Dorschfang - eine der wichtigsten Einnahmequellen - wäre so gar nicht mehr möglich und die Existenz der Fischer ebenfalls gefährdet, so Pettke weiter.

Dabei seien konkrete Zahlen über die verfangenen Vögel bisher noch gar nicht bekannt, sagt Pettke, und auch die anderen Fischer verteidigen sich: "Wir fahren immer dahin, wo wenig bis keine Vögel sind", sagt Peter Sperling. "Aber ganz vermeiden, lässt sich der Beifang natürlich auch nicht" gibt er zu. Er und seine Kollegen möchten einen Kompromiss finden.

Einen Kompromiss möchte auch Bürgermeister Holger Klink erreichen. "Wir müssen uns überlegen, wie Fischer, Dorsch und Enten gut nebeneinander leben können", sagte er und machte dabei auch klar, dass er für seine Fischer kämpfen wird: "Ich stelle mich völlig uneingeschränkt vor die Fischer. Da hängt viel Herzblut von meiner Seite dran", betonte er.

Gleichzeitig macht er sich aber auch um den Tourismus Sorgen. Nicht nur die umliegenden Gastronomen und Strander kaufen ihren Fisch direkt vom Kutter, sondern auch die Touristen. "Die Fischerei und der Hafen sind das touristische Aushängeschild der Gemeinde neben dem Naturstrand und der Steilküste", heißt es in dem Brief an den Minister. Die Touristen kommen extra für den frischen Fisch hierher, der Direktverkauf gehört da einfach dazu, sagte Klink weiter. Verschwinden die Fischer, verschwinden auch die Touristen und damit auch der so beliebte Charme des Strander Hafens.

Doch wie kann nun eine Lösung zwischen Enten und Fischer gefunden werden? Ein Ausweichen auf andere Gebiete sei für die Fischer nicht möglich, so Pettke. Viele Fanggebiete seien eh schon gesperrt und weiter rausfahren können sie auch nicht, da ihre Boote dafür zu klein sind.

Als Vorschlag habe Pettke gemeinsam mit den anderen Fischern und Fraktionen das sogenannte "Strander Modell" für die Kieler- und Eckernförder Bucht- ausgearbeitet und dem Minister im Brief beschrieben. Darin schlagen sie vor, dass Schutzgebiet etwas zu verkleinern und weiter nach Westen zu verlegen. Das würde zumindest einen eingeschränkten Dorschfang in den Wintermonaten ermöglichen und gleichzeitig ein ausreichendes Schutzgebiet für die Enten bieten.

Nun warten sie die Reaktion des Ministers ab und hoffen, dass er ihren Vorschlag annehmen wird. Am Ende des Briefes heißt es noch einmal nachdrücklich: "Nehmen Sie die Existenzängste der traditionsreichen handwerklichen Familienbetriebe an der Eckernförder- und Kieler Bucht ernst und lassen Sie diesen wirtschaftlichen Faktor im Fischereiland Nummer 1 in Deutschland nicht kaputt gehen." Unterschrieben wurde der Brief von Dr. Holger Klink (CDU), Claudia Sieg (SPD) sowie Jörn Clahsen (FDP).

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