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Aufklärung : Kampf gegen die Angst vor Behinderung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung Professor Dr. Ulrich Hase informiert an der FHVD

Was haben angehende Verwaltungsfachleute und Polizisten mit dem Thema Rechte von behinderten Menschen und Inklusion zu tun? Sehr viel, so die Meinung des Präsidenten der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung (FHVD), Professor Dr. Josef Konrad Rogosch. Um die Studenten für dieses Thema zu sensibilisieren und ihnen einen Einblick in die Thematik zu geben, hatte er den Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen Professor Dr. Ulrich Hase eingeladen.

Seit Dezember 2006 gibt es ein Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung, die so genannte UN-Behindertenrechtskonvention (BRK). Seit März 2009 ist es innerstaatlich als deutsches Recht im Rang eines Bundesgesetzes verankert. Zielleitend sei der neue Definitionsansatz, so Professor Hase: „Zweck dieses Übereinkommens ist es, den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern.“

Inklusion statt Integration: „Es verstößt gegen die Menschenrechte, wenn eine Gruppe ein besonderes Verfahren einleiten muss, um zur Gesellschaft zu gehören“, erklärt der Professor. Der 58-Jährige weiß aus eigener Erfahrung, wovon er spricht. Er ist zu 80 Prozent hörgeschädigt und hat stets einen Kommunikationsassistenten bei sich, der ihm die Wörter notfalls in Gebärdensprache übersetzt. Ansonsten liest er von den Lippen ab. Seit 1997 setzt Hase sich hauptamtlich für die Rechte Behinderter in Schleswig-Holstein ein. Seit 2009 hat das Amt eine Aufwertung erfahren. Professor Hase ist seitdem dem Präsidenten des Landtages unterstellt. „Eine Unabhängigkeit, die dem Amt gut tut.“

In der Verwaltung sei das Thema Inklusion bislang so gut wie nicht vorhanden, stellt Hase fest. Ihm geht es um die Sensibilisierung der Studenten. Schließlich lebten rund 530 000 Menschen mit Behinderung in Schleswig-Holstein, das seien 18,8 Prozent der Bevölkerung, so Hase. Der Landesbeauftragte stellte Fragen nach einer Willkommenskultur für Menschen mit Behinderung in der FHVD selbst. Den zukünftigen Verwaltungsfachleuten und Polizisten riet er, „sich auseinanderzusetzen mit sich selbst und der Angst vor Behinderung.“ Um diese Angst aus den Köpfen zu verbannen, wünscht sich Hase Hilfestellung von der Politik, die „die Faktoren der Vielfalt in der menschlichen Gesellschaft“ stärker in den Vordergrund rückt. Klar sei, dass eine Inklusion zwar stetig, aber nur schrittweise vor sich gehen könne, um die Gesellschaft nicht zu überfordern.

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erstellt am 04.Feb.2014 | 06:00 Uhr

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