Pilotprojekt : Kampf gegen Buckelpisten

Fräse im Einsatz: In Borgstedt wird ein Wirtschaftsweg mit einem neuartigen Verfahren saniert.
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Fräse im Einsatz: In Borgstedt wird ein Wirtschaftsweg mit einem neuartigen Verfahren saniert.

Die Wirtschaftswege im Norden sind marode. Die Sanierung ist jedoch teuer. Daher wird in einem Pilotprojekt in Borgstedt ein neues Verfahren getestet.

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14. März 2014, 06:29 Uhr

Gebaut wurden sie in den 60-er und 70-er Jahren für Trecker und Mähdrescher, die wir heute im Museum bestaunen können. Inzwischen werden die Wirtschaftswege in Schleswig-Holstein von tonnenschweren Hightech-Maschinen genutzt. Die Folgen: abgesackte Betonplatten, zerfahrene Straßenränder, Risse und Löcher. 20 000 Kilometer müssten grundsaniert werden. Doch dafür fehlt das Geld.

Eine Lösung für dieses drängende Problem der ländlichen Gemeinden und Landwirte zeichnet sich in Borgstedt ab. Gestern stellte der Bürgermeister und Amtsvorsteher des Amtes Hüttener Berge, Gero Neidlinger, ein Pilotprojekt vor. Der Weg an der Landstraße 42, der zu dem Ortsteil Schlagbaum führt, wird auf einer Länge von 800 Metern nach einem im Land noch neuartigen Verfahren saniert – zu einem sensationellen Preis. Rund 25 000 Euro statt der üblichen 64 000 Euro werden die Arbeiten kosten.

Weil die Lösung so verlockend klingt, interessiert sich auch das Landwirtschaftsministerium für den neuen „Weg“ und fördert das Borgstedter Projekt mit der Übernahme von 75 Prozent der Kosten. Den Rest trägt die Gemeinde. Nach drei Jahren soll Bilanz gezogen werden. Die „W² Ingenieurgesellschaft“ aus Hohenwestedt begleitet den Versuch, hat die Arbeiten nach einer Ausschreibung an das Bauunternehmen Greve aus Twedt vergeben und dokumentiert die Ergebnisse.

„Der Wirtschaftsweg wird zunächst tiefgefräst“, beschreibt Diplom-Ingenieur Holger Bütecke von dem Hohenwestedter Büro die Bearbeitungsmethode, die vor allem im Süden Deutschlands und Österreich angewendet wird. „Sind Spurbahnen vorhanden, werden diese in einem weiteren Arbeitsschritt zertrümmert.“ Die Seitenbereiche werden so bearbeitet, dass das Wasser später gut ablaufen kann. Das Erd-Stein-Gemisch wird zu einem Granulat geschreddert und für den Weg wieder verwendet. „Dann wird der Boden verdichtet, so dass er selbst den Anforderungen moderner landwirtschaftlicher Maschinen standhalten kann.“

Gero Neidlinger, der bereits seit zwei Jahren die Idee einer erschwinglichen Sanierung von Wirtschaftswegen verfolgte und um Unterstützung geworben hatte, freut sich über den Beginn der Arbeiten, die in der nächsten Woche abgeschlossen sein sollen. Der Bürgermeister ist überzeugt davon, dass dieses Projekt für viele weitere Gemeinden wegweisend sein wird.

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