Kamerun: Historischer Park am Noor

Auf Stadtplänen zwischen 1905 und 1940 ist der Kamerun-Park noch zu erkennen – Eine Entdeckungsreise und Rätsel Nr. 2

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18. März 2018, 18:58 Uhr

Stadtpläne von ca. 1930 und 1940 zeigen, dass Eckernförde mindestens bis zu diesen Jahren an der Süderhake einen Park besaß. Die Karten bilden eine gut gestaltete Fläche ab, versehen mit Wegen, einem Teich, einem Platz mit der Bezeichnung „Säule“. Von Stadtmitte führte, in Verlängerung des Schulwegs und die Eisenbahnlinie kreuzend, ein stattlicher Weg bis in diesen Park. Als Name für diese Einrichtung ist „Kamerun“ vermerkt, in Anlehnung wohl an die deutsche Kolonie in Südwestafrika.

Cäcilie Dronske hat im Jahrbuch 2006 der Heimatgemeinschaft Eckernförde (S. 109 ff.) den Park erstmals kurz beschrieben. Inzwischen ist auch eine Karte von 1905 aufgetaucht, die „Kamerun“ schon andeutet.

Wer über den Eingang zur Gartenkolonie „Süderhake II“ in diesen heute in letzten Resten erhaltenen Park vorstoßen will, muss sich seinen Weg durch Gestrüpp und über sumpfige Wiesen bahnen. Ganz nahe an der Wasserfläche des Windebyer Noor stößt er auf den Teich – und entdeckt eine bauchige Kalkstein-Säule, die zur Hälfte im Morast versunken ist. Sie stammt laut Mitteilung alter Eckernförder aus der Terrazzo-Werkstatt Angelo Santus. Die Geschichte der aus dem italienischen Amiago in Venetien stammenden Familie Santus wird im Band 2015 der Heimatgemeinschaft-Jahrbücher veröffentlicht. Ähnliche Säulen der Terrazzieri Santus gibt es am „Gasthof Blumenthal“ in Holzdorf oder an Bauernhäuser in Groß- und Klein-Wittensee.

Eckernförde hat also auf der Süderhake, mit wundervollem Blick auf das Noor, einen Park mit gut gestaltetem Platz und imposanter Stein-Säule als Denkmal besessen. Bei all den derzeit aktuellen Aktivitäten der Stadt zum Thema „Nooröffnung“: Macht es nicht Sinn, diese heute völlig überwucherte und zum Teil im Sumpf untergegangene Einrichtung langfristig zu rekonstruieren, an der Süderhake wieder eine parkartig gestaltete Fläche zu schaffen, zur Freude der Bürger und der vielen Feriengäste dieser Stadt?

Man könnte mit „Kamerun“ versuchen, den wunderschönen aber zugleich unfertigen Rundweg um das Noor fertig zu stellen.


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