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Eckernförder Zeitung

17. Dezember 2017 | 11:41 Uhr

Käse aus Holtsee geht um die ganze Welt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Meiereigenossenschaft Holtsee-Aschberg e.G feiert ihr 75-jähriges Bestehen. Rund 100 geladene Gäste gratulieren im Festzelt beim Jubiläumsempfang. In einer Zeitreise wird an die Entwicklung des Betriebs erinnert

von
erstellt am 30.Aug.2013 | 15:36 Uhr

Aus schlichtem Eiweiß habe das Unternehmen im Laufe der Jahre ein Spitzenprodukt entwickelt, lobte Joachim Burgemeister vom Genossenschaftsverband Milchwirtschaft die Holtseer Meierei. Der Tilsiter, besser bekannt als „Der kleine Holtseer“ und „Das kleine Hütchen“ haben sich längst auch international einen Namen gemacht. Gemeinsam mit rund 100 geladenen Gästen feierte die Meiereigenossenschaft ihr 75-jähriges Bestehen. Gastredner Burgemeister lobte die genossenschaftliche Idee, die zu der Stärke der Meierei geführt habe. Waren es vor dem Krieg noch mehr als 700 Meiereien, reduzierte sich die Zahl auf rund 80 im Jahr 1984. „Heute sind es noch 14“, sagte Burgemeister.

Durch die 75-jährige Meiereigeschichte führte Sören Quitsch, selbst Käser in dem Betrieb. Quitsch blickte auf das Jahr 1899 zurück. Fast an gleicher Stelle habe es bereits damals eine private Milchverarbeitung gegeben, die 1915 auf genossenschaftlicher Basis geführt wurde. 1935 plante der Milchwirtschaftsverband eine Stilllegung aller Betriebe, unter anderem in Groß Wittensee, Haby und Harzhof, und die Zusammenlegung zu einer gemeinsamen Betriebsstätte. Als Standort wurde Holtsee gewählt. Die Gründungsversammlung der „Neuen Meiereigenossenschaft Holtsee“ fand am 17. Dezember 1938. 40 Milcherzeuger schlossen sich ihr an. Vorsitzender wurde damals Charles Schröder aus Harzhof. Erster Betriebsleiter wurde 1940 Hans Vosgerau.

Kontinuierlich wurde die Meierei erweitert, die Kapazität erhöht. Waren es anfangs rund 4,4 Millionen Kilogramm Milch, die angeliefert wurde, sind es mittlerweile etwa 120 Millionen. Einer der die Entwicklung über viele Jahre verfolgt und gelenkt hat, ist Hermann Münck. 22 Jahre, von 1977 bis 1999 war der Gammelbyer im Vorstand, die letzten sieben Jahre davon als Vorsitzender. Heute ist er Ehrenmitglied bei der Meierei. „Unser Ziel war es damals 60 Prozent der Milch zu verkäsen, heute sind es 100 Prozent“, erinnert sich Münck. Natürlich habe sich der Fuhrpark vergrößert und das gesamte Betriebsgelände. Mit Münck im Vorstand wurden in den Jahren mehrere angrenzende Häuser gekauft, um sich erweitern zu können. Neben Münck nahmen auch sein Vorgänger Robert Christophersen (1985 bis 1992) aus Hohenlieth und Müncks Nachfolger Volker Pischke an der Jubiläumsfeier teil.

Auch Redner Sören Quitsch wies auf die Investitionen der vergangenen Jahr hin. 1975 wurde der Käsekeller ausgebaut, 1983 wurde ein Käselager gebaut, 1994 die Verpackungshalle erweitert. 2000 wurde aus dem ehemaligen Reiferaum der heutige Käsekeller, in dem Jahr für Jahr rund 6000 Besucher empfangen werden. Die jüngsten Investitionen waren 2007 die Lagerhalle für Verpackungsmaterial, 2008/09 das Kühllager und 2012 die neue Energiezentrale.

„Wir können stolz auf das Geleistete sein“, fasst Uwe Stolley, Aufsichtsratsvorsitzender der Meiereigenossenschaft eingangs des Empfangs zusammen.

Vorstandsvorsitzender Johann Koll aus Kropp berichtete aus den 70-er Jahre, als beispielsweise die kleine Meierei Heitbunge sich Holtsee anschloss. „Damit wurde erstmal Milch westlich der B 77 angeliefert“, so Koll. Die Geest galt als Milchregion der Zukunft. Das Produkt Milch hatte mittlerweile den Stellwert erreicht, dass sogar Handgeld gezahlt wurde, um der Meierei beizutreten, erinnerte sich Koll. 2004 kam es dann zur Fusion mit Ascheberg, die sich heute im Namen widerspiegelt. Koll blickte aber auch auf besondere Herausforderungen zurück. So verlangte der Schneewinter 1978/79 den Fahrern und Mitarbeitern alles ab. Auch die Einführung der Milchquoten, die BSE-Krise, der Streit, um einen Mindestmilchpreis und die ständigen Novellierungen bei den Hygienerichtlinien gingen nicht spurlos an den Holtseern vorbei.

Zu den weiteren Gratulanten gehörte auch Peter Lüschow, Vizepräsident des Bauernverbands und Bernd Stöver, Aufsichtsratsvorsitzender der Gut von Holstein, das Unternehmen, das inzwischen national und international die Produkte der Meierei vermarktet.

Auch Bürgermeister Jens-Peter Frank gratulierte der Meierei. Er sieht in ihr einen leistungsstarken Betrieb, der sich der Unterstützung der Gemeinde weiterhin sicher sein könne. Frank vergaß es auch nicht der Meierei für ihre Unterstützung bei den zwei Bränden vor wenigen tagen zu danken. Da die Wasserversorgung in Ladenburg nicht mehr ausreichte, wurde ein mehr als zwei Kilometer lange Leitung zur Meierei gelegt, um wieder Löschwasser zu erhalten.

Heute beschäftigt die Meiereigenossenschaft 120 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von rund 50 Millionen Euro. Einem dem es zu verdanken sei, dass die Meierei so gut dastehe, sei Geschäftsführer Hartmut Kittler, betonte Quitsch. Er habe die Meierei 2005 in einer schwierigen Zeit übernommen, dann aber wirtschaftliche Scharfsinn bewiesen und mit mutigen Investitionen das „Schiff in ruhiges Fahrwasser manövriert“. Dieses Bild nahm Kittler auf und verglich die Meierei mit einem Traditionssegler, dessen Rumpf saniert wurden. Steuerung und Takelage wurden verstärkt, um auch schwerer See Stand zu halten. „Hinzu kommt eine hochmotivierte Crew, die ihr Handwerk versteht“, lobte Kittler die Mitarbeiter, die heute ihr großes Fest anlässlich des Jubiläums feiern können.


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