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Konzert : Justus Frantz und der unbekannte Mozart

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Dirigent und Pianist nahm seine Zuhörer am Donnerstag mit auf die Reise des jungen Musikers nach Paris.

Eckernförde | Professor Justus Frantz – in Deutschlands Norden und weit darüber hinaus in vielen Ländern der Welt seit Jahrzehnten bekannt als Pianist, Dirigent, ehemals Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals, zudem Gründer der Philharmonie der Nationen – stattete am Donnerstag Eckernförde einen Besuch ab. Dieser Tag stellte hohe Anforderungen an ihn, denn mit einer musikalischen Begegnung mit Schulkindern am Nachmittag war es für Justus Frantz noch nicht getan. Nach der musikalischen Förderung der Jungen gab er abends noch ein Klavier-Konzert in der Stadthalle – nun für Klassikliebhaber.

Auch hier ging es dem Pianisten, der personifizierten Leidenschaft für Musik, nicht allein um die Wiedergabe von drei Mozart-Sonaten. Er hatte viel mehr im Sinn. Mit großem Geschick und wortreicher Vermittlung gelang es Justus Frantz den Menschen und Komponisten Mozart in den Saal zu holen. Die Moderation faszinierte: Der bald 72-Jährige nahm mit seinen Ausführungen jeden Zuhörer mit auf „Mozarts Reise nach Paris“ – so das Motto des Abends. Der angenehme Plauderton, das fundierte Wissen, das Belegen mit angespielten Musikthemen ließ es gelingen.

Vieles hatte man über Mozart schon gehört oder gelesen, dennoch schien alles frisch: Das Wunderkind, das mit dreieinhalb Jahren die Komposition seines Vaters Leopold weiterschreibt, der 12-Jährige, der unter der Aufsicht seines strengen, erfolgsversessenen Vaters durch die Lande fährt und mit Konzerten alles entzückt. Kaiserin Maria Teresias Tochter Prinzessin Marie Antoinette hatte es dem jungen Mozart besonders angetan. Mit Hilfe von Marie Antoinette – inzwischen am Versailler Hof – sah Mozart dann die Möglichkeit, Aufmerksamkeit und Hochachtung zu erlangen.

Der Vater musste in Salzburg bleiben, Wolfgang reiste das erste Mal alleine – in Begleitung seiner Mutter. In dieser Zeit entstand Mozarts Klaviersonate F-Dur, KV 332, von Justus Frantz die „Reisesonate“ genannt. Frantz‘ angespielte Beispiele für weite Landschaften, für die Klänge einer Jagdgesellschaft brachten den Zugang, die sinnfällige Entführung der Konzertbesucher in die folgenden drei Sätze.

Auf der Reise verliebt sich Mozart zum ersten Mal, wenig später in Mannheim erneut und noch heftiger: diesmal in Aloysia Weber, Schwester seiner späteren Frau Constanze. Doch noch einmal fügt sich Mozart gehorsam den Wünschen seines Vaters, schließt die Liebe aus und schreibt die „Zornes-Sonate“ (a-moll, KV 310). Hier geht Justus Frantz heftig in die Tasten. Er runzelt seine Stirn, konzentriert sich finster auf das Grollen im ersten Satz. Auch wenn der zweite Satz erinnernd verliebt klingt und der Pianist im Spiel mit geschlossenen Augen leise lächelt, so ist dem dritten doch wieder die Erschütterung und gefühlte Heimatlosigkeit des jungen Mozart nachzufühlen.

Paris bringt keinen Erfolg. „Er kommt nicht weit, denn er ist zu ehrlich und zu undiplomatisch,“ so Frantz. In der feuchten Kellerwohnung stirbt die Mutter an Lungenentzündung. Es entsteht die Sonate in A-Dur, KV 331. Hier ist es nicht nur der Türkische Marsch, der weltberühmt wird. Vielmehr ist der zweite Satz „vielleicht, das Schönste, was Mozart je geschrieben hat“, so Frantz. „Freu dich mein Herz, leb Deinen Schmerz“ ist der mitschwingende Gedanke, der im Hören und Mitfühlen unglaublich bewegt.


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