Junge Herzpatienten gehen vor Anker

Mit vollem Einsatz dabei: Die Kinder genossen den Törn durch die Ostsee.  Foto: richter
Mit vollem Einsatz dabei: Die Kinder genossen den Törn durch die Ostsee. Foto: richter

15 herzkranke Kinder segeln acht Tage auf der Ostsee / Tour ging von Rostock über Dänemark nach Eckernförde / Ärzteteam ständig dabei

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21. August 2012, 07:33 Uhr

eckernförde | "Das ist aber ganz schön eng hier", sagte Sandra (15), als sie den Dreimaster "Sigandor" bis kurz vor den Hafen von Maasholm steuern durfte. Sie ist eines von 15 Kindern, das bei einem achttägigen Törn für herzkranke Kinder von Rostock nach Eckernförde mitsegelte.

"Ich finde es schön, wenn man mit Leuten zusammen ist, die dasselbe haben", sagt Cassandra (13) aus Stuttgart, die schon zum zweiten Mal mitsegelt. Der Trip mache Spaß und sei lustig. Benedikt (15) aus Bonn ist bereits zum vierten Mal dabei. "Die Besatzung, das Wetter, die Leute, einfach das Erlebnis selber, auf einem Segelschiff mitzuhelfen, das erlebt man auch nicht alle Tage", erklärt er seine Begeisterung für die Tour. Kapitän Rieke Boomgarden erklärt das Besondere: "Wir leiten alle an, alles tun zu können." So würden die Kinder nach einer Einweisung zur Crew, die die Segel setzt, das Essen zubereitet, putzt oder auch mal steuert. Cassandra schildert den Tagesablauf an Bord: "Um 8 Uhr stehen wir auf, ein Teil von uns macht dann Frühstück. Danach gehen wir in die Stadt, wenn wir Zeit haben. Spätestens um 12 Uhr segeln wir los. Abendessen gibt es auf dem Schiff und die Toilettengruppe macht dann sauber." Den Kurs bestimmen auch die Kinder - und das Wetter. An das Bordleben haben sich die Kinder schnell gewöhnt. "Nach zwei Tagen weiß man, dass man wenig Platz hat", sagt Cassandra.

Von Rostock ging es am 13. August los nach Bagenkop in Dänemark, von dort nach Marstal und Gelting, ehe das Schiff nach Maasholm und Damp gestern in Eckernförde eintraf. Neben der Zwei-Mann-Crew Boomgarden und Christian Aschinger sind der Kinderkardiologe Dr. Walter Wiebe und die Intensivmedizinerin Dr. Bea Wiebe sowie die Krankenschwester Sina Prahl mit an Bord. Bereits im zwölften Jahr organisiert die Tour das Deutsche Kinderherzzentrum der Asklepion Klinik in Sankt Augustin, in diesem Jahr mit finanzieller Unterstützung des Medizintechnikunternehmens Eurocor. Die Kinder im Alter von 13 bis 22 Jahre hätten alle komplexe Herzfehler und Operationen hinter sich. "Ein Mädchen hat eine Herzklappenverengung, einige haben univentrikuläre Herzen", sagt Walter Wiebe. "All die Jahre hatten wir aber nie ernsthafte gesundheitliche Probleme an Bord". Einige der Kinder seien das erste Mal allein von zu Hause weg. Deswegen sei es ein wichtiger Punkt, die Selbstständigkeit der Kinder zu fördern.

Das Essen sei das Beste an der Tour gewesen, erklären die Kinder freudestrahlend. Und dass sich neue Freundschaften entwickelt hätten. Nicht nur die Kinder, auch die Eltern zeigten sich begeistert von dem Törn. "Man kann sein Kind abgeben, ohne Sorge zu haben, das was passiert, weil die Kinder ärztlich betreut werden", sagt die Mutter von Louisa, die ihre Tochter persönlich abholt. In die Begeisterung mischt sich auch Wehmut und Tränen. "Der Abschied ist nicht so schön," sagt Franziska (16). " Die Gemeinschaft ist so toll. Und man hat gerade erst gelernt, die Segel richtig zu setzten."

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