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Eckernförder Zeitung

18. Dezember 2017 | 18:09 Uhr

Junge Ärztin erforscht alte Krankheit

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Marie Köhler von der Helios Klinik Damp hat einen Früherkennungstest für Morbus Bechterew entwickelt

von
erstellt am 17.Mär.2016 | 06:11 Uhr

Die Erkrankung kommt schleichend, fängt mit Kreuz- und Rückenschmerzen an, wird viel zu oft sehr spät erkannt – Morbus Bechterew. Eine chronische, entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankung, die hauptsächlich die Gelenke der Wirbelsäule betrifft und im weiteren Verlauf zu Versteifungen der Wirbelsäule führen kann.

Morbus Bechterew ist keine Erkrankung der Neuzeit. Bereits anatomische Studien an ägyptischen Mumien zeigten Morbus Bechterewschen Veränderungen am Skelett auf. Von den rund 1000 Rheumatologen in der Bundesrepublik ist Marie Köhler (32) eine der Fachärzte auf diesem Gebiet. Seit drei Jahren arbeitet sie an der Helios Klinik in Damp und widmet sich im Rahmen ihrer Doktorarbeit, intensiv der Erforschung der Autoimmunerkankung, die oft sehr schwer zu diagnostizieren ist. In Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule Hannover, dem dort ansässigen Professor Dr. Torsten Witte, wurden neue Auto-Antikörper und Risikogene als diagnostische Marker und als Prädiktoren für den Krankheitsverlauf identifiziert.

Mit dem Antikörper-Frühtest CD 74 hat Marie Köhler einen Durchbruch zur Früherkennung von Morbus Bechterew errungen. Seit zwei Jahren arbeitete die Rheumatologin an ihrer Forschung, getestet wurden 100 Patienten. Dr. Joachim Georgi, Chefarzt der Rheumatologie in der Ostseeklinik Helios Damp: „Diese Krankheit ist selten, sie kommt bei circa 0,5 % der Bevölkerung vor, Kreuzschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden über die Patienten klagen, dadurch wird der MB häufig erst spät erkannt. Der „Köhler-Test“ könnte eine große Hilfe für Erkrankte sein, denn eine verlässliche Frühdiagnose und eine rechtzeitige spezifische Therapie könnten den weiteren Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Marie Köhler erläutert, dass es in der Medizin bis zur Diagnose immer ein weites Spektrum zu beachten gilt, viele Faktoren müssen bis zur endgültigen Diagnose in Betracht gezogen werden. Marie Köhler hat den Schritt gewagt und auf dem wichtigsten Rheuma-Kongress der Welt, dem „Kongress American College of Rheumtology“ im November 2015 in St. Francisco, ihre Forschungsergebnisse, den Antikörpertest CD 74 vorgestellt. Anhand eines Posters, der die Statistik und die Entwicklung der Versuchsreihe präsentierte, zeigte sie die Verlässlichkeit des Tests auf. Die Auswertung zeigt, wie sensibilisiert und spezifiziert der Antikörpertest CD 74 ist. Die Teilnahme am Weltkongress und die Ausführung ihrer Doktorarbeit mit der Erforschung des AK-Test, sind wichtige Schritte in ihrer ärztlichen Laufbahn. Marie Köhler erläutert, dass nicht jeder, der das Antigen in sich trägt, an Morbus Bechterew erkranken müsse, aber sind die Beschwerden da, die Begleiterkrankungen wie Hautreaktionen, Magen-Darm-Probleme und Augenerkrankungen vorhanden, ist die frühe Diagnostik sehr wichtig.

Die Wahrscheinlichkeitsrate, das ominöse HLA-B-27 Gen in sich zu tragen liegt bei 10%. Männer sind eher betroffen als Frauen. Festzuhalten ist: Je früher die Diagnose eindeutig ist, desto schneller und besser kann man der Krankheit entgegenwirken. Die persönliche Aktivität spielt ebenso eine große Rolle. Mit den heute zur Verfügung stehenden Medikamenten und regelmäßigen Bewegungsübungen hat die Krankheit Morbus Bechterew ihren Schrecken verloren, so Dr. Georgi. Sichtlich stolz ist der Chefarzt auf seine Ärztin: „Der von mir getaufte ’Köhlertest’ kann ein großer Schritt in der Früherkennung sein.“ Der Test kommt in Kürze auf dem Markt.

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