Generationswechsel : Jung und trotzdem erfahren: Jonas Kramer neuer SPD-Chef

Wachablösung und Generationswechsel: Jonas Kramer (30, r.) löst Jörg Meyer (52, l.) als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins ab.
Wachablösung und Generationswechsel: Jonas Kramer (30, r.) löst Jörg Meyer (52, l.) als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins ab.

Neuer Vorsitzender setzt auf Dialog mit den Bürgern und möchte sie für Politik begeistern

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03. März 2014, 06:11 Uhr

Im Rampenlicht der Kommunalpolitik stehen zumeist die Ratsmitglieder der Fraktionen. Sie nehmen öffentlich Stellung zu den Themen, die die Bürger bewegen. Keimzelle der politischen Arbeit aber ist der Ortsverein, wie es bei der SPD heißt. Und dort kommt es auf die Themensetzung, das Durchsetzungsvermögen und die Führung der Mitglieder an. Eine Herausforderung, die sich der junge, frisch gewählte Vorsitzende Jonas Kramer stellen möchte. Mit 23 von 25 Stimmen wählten die Eckernförder Genossen den 30-jährigen Techniker und freigestellten Personalrat der WTD 71 am Freitagabend im TuS-Vereinsheim in der Bergstraße zum Nachfolger von Jörg Meyer und läuteten damit auch einen Generationswechsel ein. Meyer (52) möchte sich als direkt gewählter Ratsherr künftig stärker um die Fraktionsarbeit, seine Funktion als 2. stellvertretender Bürgermeister (2. Stadtrat) sowie um die Belange im Stadtteil Borby kümmern und hat als Finanzbeamter ohnehin genug mit der kritischen Begleitung der Auflösung des Finanzamtes Eckernförde zum Jahr 2020 und der Einhaltung der versprochenen sozialverträglichen personellen Versetzungen zu tun, die bereits begonnen haben. „Bei mir gibt es keine 80-prozentige Beteiligung, bei mir gibt es nur 100 Prozent“, begründete Meyer seinen Verzicht auf das Amts des SPD-Ortsvorsitzenden nach dreijähriger Amtszeit.

Kramer bringt trotz seiner politischen Jugend viel Erfahrung mit. Der gebürtige Emsländer ist seit 13 Jahren SPD-Mitglied, war bei den Jusos aktiv, hat seit 2008 als stellvertretender Ortsvorsitzender an vorderster Front mitgearbeitet und mehrere Wahlkämpfe mitorganisiert. „Vorsitzender beim SPD-Ortsverein Eckernförde ist eine der schönsten Aufgaben“, geht Kramer seinen neuen „Job“ mit Ehrgeiz, Freude und Gestaltungswillen an. Die SPD müsse Sprachrohr für all jene sein, die keine Lobby und „eine zu leise Stimme haben“ und für deren Rechte kämpfen. Die SPD sei in Eckernförde „auf dem richtigen Kurs“, stellte er fest. Der intensive Dialog mit den Bürgern sei für ihn „essenziell“. Daher begrüßte Kramer ausdrücklich den Standort der Geschäftsstelle an der Schiffbrücke als „goldrichtigen“ Standort, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Er habe sich zum Ziel gesetzt, „die Menschen wieder für Politik zu begeistern“. Einsatzbereitschaft und Leidenschaft gehörten unmittelbar dazu. Auch den Kontakt mit den anderen Parteien möchte Kramer intensivieren. Die SPD werde nach dem Motto „hart in der Sache, aber fair im Umgang“ agieren.

Sein Vorgänger Jörg Meyer wurde an seinem letzten Abend als SPD-Vorsitzender mit Geschenken und lobenden Worten von der EU-Abgeordneten Ulrike Rodust, dem Bundestagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden Sönke Rix, der Landtagsabgeordneten Serpil Midyatli und vom Fraktionsvorsitzenden Martin Klimach-Dreger überhäuft. Ich habe viel gelernt, und es hat sehr viel Spaß gemacht“, sagte Meyer, der auf bewegte und arbeitsintensive politische Jahre mit mehreren Wahlkämpfen zurückblickte. Er werde sich nun in der Fraktion um die wichtigen Fragen kümmern, will sich um eine Attraktivitätssteigerung für den Borbyer Dorfplatz einsetzen, die Borbyer Gilde stärker in den Fokus rücken und verhindern, dass die für ihn nicht nachvollziehbare Schließung des Finanzamtes Eckernförde wie von der Finanzministerin Monika Heinold versprochen, tatsächlich erst 2020 vollzogen wird und nicht schon vorher „scheibchenweise“ erfolgt. Ab heute müssten beispielsweise „35 zum Teil langjährige Kollegen“ in die Ämter Rendsburg und Schleswig wechseln. Meyer versprach aber – und es wurde auch von den Mitgliedern eingefordert –, sich auch im Ortsverein nicht zur Ruhe zu setzen, und als „Wahlkampfsau“, wie Sönke Rix ihn anerkennend beschrieb, auch für die anstehenden Europa- und Bürgermeisterwahl am 25. Mai aktiv zu werden.

Kramers freigewordenen Posten als stellvertretender Ortsvorsitzender übernimmt Jens-Otto Vollbehr, der einstimmig gewählt wurde. Er ist seit über 40 Jahren in der Partei, wurde von Willy Brandt „reingeschnackt“ und ist amtierender Ratsherr. Vollbehr gilt als ÖPNV-Experte.

Fraktionschef Martin Klimach-Dreger benannte die Schwerpunkte der Arbeit in der Ratsversammlung und den Ausschüssen. Die Nooröffnung, die Wohnraumversorgung, das Radwegekonzept, ÖPNV, die Vernetzung der städtischen Grünflächen und die Unterstützung des Fairtrade-Projekts zählte er dazu. Es sei manchmal verblüffend, wie SPD-Initiativen wie der Hafenlehrpfad, der Baumpfad oder jüngst der Sprottenpfad von anderen reklamiert würden.

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