Partizipation : Jugendliche haben das Wort

Gehen motiviert in die Workshops: die Kongress-Teilnehmer Niklas (l.) und Maya (2.v.r.) mit Isabell Gumtz, Claudia Langholz (Mitte) und Jugendministerin Kristin Alheit (r.).
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Gehen motiviert in die Workshops: die Kongress-Teilnehmer Niklas (l.) und Maya (2.v.r.) mit Isabell Gumtz, Claudia Langholz (Mitte) und Jugendministerin Kristin Alheit (r.).

Landeskongress für Kinder und Jugendliche in der Heimerziehung auf Schloss Noer behandelt Mediennutzung und Taschengeld

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12. Juni 2014, 06:03 Uhr

„Auf Augenhöhe – du bestimmst mit“ ist nicht einfach nur das Motto des zweiten Landesjugendkongresses auf Schloss Noer. Es ist gelebte Praxis während der zwei Tage, an denen 65 Kinder und Jugendliche aus 25 verschiedenen Wohneinrichtungen im Land zum Umgang mit Medien und Taschengeld arbeiten. Doch der Kongress wirkt auch darüber hinaus: 36 Betreuer setzen sich ebenfalls mit den Themen auseinander und der Frage der Beteiligung ihrer Schützlinge im Alltag.

Nach der erfolgreichen Premiere 2012 war es keine Frage, dass es einen zweiten Landeskongress für Kinder und Jugendliche in der Heimerziehung geben würde. Anders als beim ersten Mal jedoch haben die Kinder und Jugendlichen die Themen, um die es gehen soll, auf einer Zukunftswerkstatt im November selbst festgelegt. Und sie haben deutlich gemacht, dass sie sich eine andere Form der Auseinandersetzung wünschen, als ihre Gedanken auf Karten für die Metaplanwand zu formulieren. Die klassische Moderationstafel steht zwar im Mittelpunkt eines der vier Workshops, doch gibt es darüber hinaus die musikalische Aufarbeitung mit einem HipHopper aus Hamburg und die künstlerische in Form von Bildern sowie Theater. „Wir wollen verschiedene Zugänge bieten, damit jeder nach seinen Neigungen seine Wünsche zum Ausdruck bringen kann“, erklärt Isabell Gumtz von der Evangelischen Jugendhilfe Rendsburg, die den Kongress vorbereitet hat. „Unser Auftrag ist es, die Kinder zu selbstbewussten Menschen zu machen. Dazu gehört auch Partizipation“, fügt Claudia Langholz, Geschäftsführerin der Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie (NGD) in Rendsburg hinzu. Die gelebte Praxis werde an den zwei Tagen öffentlich gemacht und diskutiert. So wie die Kinder sich weiterentwickelten, würden es durch den Austausch auch die Einrichtungen tun, so Langholz weiter. Zwar bildeten die 25 in Noer vertretenen Einrichtungen nur einen geringen Teil der insgesamt 450 Träger der Jugendhilfe in Schleswig-Holstein ab, merkt Klaus Meeder vom Ministerium für Familie, Jugend, Gesundheit und Soziales an. Die Vertreter wirkten allerdings als Multiplikatoren, die die Inhalte des Kongresses im Schneeballsystem weiter tragen würden.

Genau das sei auch das Ziel der Landesregierung, macht Jugendministerin Kristin Alheit (SPD) deutlich. Mitbestimmung stehe seit 25 Jahren ganz oben auf der Agenda der Bildungs- und Jugendpolitik, sagt Alheit weiter und verweist auf den Paragrafen 47 f der Gemeindeordnung, der die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen bei Planungen und Vorhaben beschreibt, das Programm Mitbestimmung in der Kita sowie das Modellprojekt Demokratie in der Heimerziehung. Der Landesjugendkongress, der zu 80 Prozent vom Land, zu 20 Prozent von der NGD und Sponsoren finanziert wird, reihe sich da ein. Damit nehme Schleswig-Holstein eine Vorreiterrolle im Bund ein.

Die 17-jährige Maya aus Neumünster war bereits beim ersten Kongress aktiv und freut sich, nun erneut mit „Leuten aus ganz verschiedenen Wohngruppen zu erarbeiten, was man verbessern kann“. Statt Geschwister und Eltern hätten sie Mitbewohner und Betreuer, und wie in der Familie brauche es auch in der Wohngruppe Regeln, um das Zusammenleben miteinander erfolgreich zu machen. „In der Ausbildung und im Job muss ich mich später auch mit Regeln zurecht finden können“, sagt Maya weiter. Doch genau so wichtig sei es zu lernen, für sich einzustehen und zu wissen, was einem gut tut. Dem 14-jährigen Niklas aus Bad Oldesloe ist es wichtig, dass die Kinder mit den Ergebnissen der Workshops, die später auf den Alltag Einfluss nehmen, einverstanden sind. Die Organisatoren haben keinen Zweifel, dass das so sein wird. „Familien würden sich von Wildfremden wohl nicht ins Wohnzimmer gucken lassen. Die Bereitschaft der Mitarbeiter aus den Wohngruppen dazu ist nicht hoch genug anzuerkennen“, betont Roman Schiller vom Jugendhilfe-Netzwerk Nord-Ost.

> www.jugendhilfekongress-sh.de

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