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Hofaufgabe : Jetzt Spielscheune statt Kälberstall

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Familie Knuth hat die eigene Hofbewirtschaftung zum Oktober 2015 eingestellt / Er arbeitet als angestellter Landwirt / Hof wird weiter zum Ferienhof ausgebaut.

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erstellt am 22.Mär.2016 | 06:55 Uhr

Holzdorf | Fallende Milchpreise seit Mitte 2014 und keine Perspektive, dass die Preise in absehbarer Zeit auf ein Niveau steigen, bei dem die Produktionskosten wieder erwirtschaftet werden. Für viele Landwirte sind das Bedingungen, die sie zum radikalen Handeln zwingen. Familie Bine und Bernd Knuth in Holzdorf haben sich entschieden – sie haben ihren Milch-, Feld- und Futterbaubetrieb zum 1. Oktober 2015 eingestellt. Heute ist Bernd Knuth angestellter Landwirt bei einem Kollegen in der Region. Der hat zugleich alle Rinder und Kühe übernommen und auch die zuletzt bewirtschafteten 70 Hektar Land gepachtet. Zusätzlich verpachtet Knuth seinen Kuhstall an den neuen Partner.

60 Milchkühe, dazu rund die gleiche Zahl Jungtiere, und 30 Jungbullen standen bei Bine (51) und Bernd Knuth (52) im Stall. Bei einem Milchpreis von zuletzt nur 25 Cent je Liter erwirtschaftete der Betrieb tagtäglich ein größeres Defizit, sagt Bernd Knuth. „Da denkt man schon nach, wie soll es weiter gehen.“ Es hätte verschiedene Alternativen gegeben, sagen sie, doch letztlich gab bei ihnen den Ausschlag, dass sie keinen Hofnachfolger haben. Weder eine seiner drei Töchter aus erster Ehe, noch ihre Tochter und Sohn aus erster Ehe wollen Landwirt werden. Vor dem Hintergrund überlegt man genau, ob man investiert und den Betrieb vergrößert, um damit seine Marktchancen zu verbessern, sagt Knuth, der 1993 den Hof von seinem Vater Hans-Peter Knuth übernahm „Ist nämlich ein Kuhstall gebaut und es gibt keinen Nachfolger, ist die Falle zu“, sagt der Landwirt. Dann drücken die Kredite. Hoffnung, dass der Milchpreis wieder auf wirtschaftlich notwendige rund 37 bis 40 Cent je Liter klettert, sind kurzfristig am Markt nicht zu erkennen, sagt Knuth.

In die Überlegung floss auch mit ein, dass Bernd Knuth Ende 2014 gesundheitlich stark angeschlagen war. Da merkte er erst, in was für einer Tretmühle er sich befand. Als Milchbauer sei man sieben Tage die Woche, an 365 Tagen im Jahr im Einsatz. Diese Dauerbelastung geht nicht spurlos an einem vorbei, musste Knuth feststellen. Genau das stellten auch die jungen potenziellen Hofnachfolger fest und fragen: „Du arbeitest so viel, lohnt sich das überhaupt?“


Zurzeit keine Perspektive für den Milchpreis


Eine Frage, die sich auch viele Kollegen von Knuth stellen. In der Landwirtschaft findet derzeit ein massiver Strukturwandel statt. Der Kreisbauernverband spricht von einen Betriebsrückgang von gut drei Prozent im Jahr, während Knuth den Rückgang eher deutlich über fünf Prozent sieht.

Heute fühlen sich Knuths sehr wohl mit ihrer Entscheidung. Bernd Knuth ist wieder gesund, und nutzt die freigewordene Zeit für andere Dinge. Er habe lange damit gehadert, sagt Bernd Knuth, und die Betriebsaufgabe als Scheitern verstanden, doch so sei es nicht. „Es bietet die Chance etwas Neues zu entwickeln“, sagen sie beide.

Jetzt richten sie ihre Aufmerksamkeit stark auf das touristische Geschäft. Auf dem Ferienbauernhof, der auch als außerschulischer Lernraum anerkannt ist, gab es immer schon Ferienwohnungen. Jetzt betreut Bine Knuth, die vor elf Jahren auf den Hof kam, vier Wohnungen der vier Sterne Klasse. Insgesamt knapp 20 Personen können bei ihnen Urlaub auf dem Bauernhof machen.

„Die Auslastung ist sehr gut“, erklärt Bine Knuth, die den Umgang mit Menschen und Tieren liebt. Denn auch wenn sie selber die Landwirtschaft nicht mehr betreiben, ist ihr Hof doch ein tierisches Paradies. Im Stall stehen nun die Kühe ihres Pächters, die Bernd Knuth auf Stundenbasis, versorgt. Außerdem leben auf dem Hof Ziegen, Schafe, Ponys, Hühner, Katzen, Hängebauch - und Wollschwein sowie Hofhund Juma, über die sich die Urlauber in de Wisch immer sehr freuen.

Durch die Umstrukturierung haben sie nun auch mehr Platz, den sie umnutzen für Urlauber. So wird der alte Kälberstall zu einer „Spielscheune“ umgebaut, in der später ein Kicker, aber auch eine Tischtennisplatte, gemütliche Sofas und vieles mehr seinen Platz finden wird. Ideen hat Bine Knuth noch viele.

Ausbauen möchte Bine Knuth auch ihr Angebot als Märchen- und Sagenerzählerin. Seit September macht sie eine einjährige Ausbildung in Neumünster unter dem Titel: „Geschichten in und mit der Natur“. Schon immer mochte sie gerne Geschichten erzählen. In den Genuss kamen oft auch Urlauberfamilien auf dem Hof, und die seien so begeistert gewesen, dass sie selber auch viel Freude hatte. Bereits jetzt bietet sie für Kinder ab sechs Jahre Erzählspaziergänge an, auf denen sie zauberhafte Geschichten, passend zur Jahreszeit oder zur Vegetation, erzählt. „Selbst die größten Rabauken auf dem Hof, lagen im Gras und konnten nicht genug hören“, berichtet Bine Knuth glücklich.

Auch wenn Knuths jetzt selber kein unternehmerisches Risiko für die Landwirtschaft mehr tragen, so hängen sie dennoch von der Milchpreisentwicklung ab. Denn auch der Pächter braucht einen auskömmlichen Milchpreis, um existieren zu können und damit auch weiterhin qualitativ hochwertige Milch hier in der Region produziert werden kann.

Infos zum Hof und den Erzählspaziergängen unter www.hof-in-de-wisch.de.

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